Drehbuch schreiben Geld verdienen (I)

Jeder, der einen Blog führt, weiß, durch welche eigenwilligen Suchbegriffe die Leser manchmal auf die eigene Internetseite stolpern. Bei mir landete neulich jemand mit der Begriffreihe „Drehbuch schreiben Geld verdienen“. Da ich auch sonst immer wieder einmal gefragt werde, wie man denn eigentlich Drehbuchautor wird und ob sich „das lohnt“, will ich mich in einer kleinen Reihe etwas ausführlicher an diejenigen wenden, die ihr Glück beim Drehbuch schreiben suchen wollen. Heute soll es erst einmal um die Frage gehen, wie überhaupt die Berufschancen sind.

Nicht gut. Das muss einem klar sein. Um zu zeigen, wie schwer es ist, hauptberuflich als Drehbuchautor in Deutschland zu arbeiten, muss man sich ein wenig mit Zahlen beschäftigen. Leider ist die deutsche Film- und Fernsehindustrie nicht gerade transparent, so dass es keine offiziellen Statistiken gibt, mit denen man etwas anfangen kann. Es bleibt einem nur grob zu schätzen, wie viel Fiktion produziert wird. Also wie viel Arbeit es überhaupt für einen Drehbuchautor gibt. Dabei muss man nach Gattungen unterscheiden:

Bei den Kinofilmen ist es noch relativ einfach. Es werden in Deutschland jährlich 100 bis 120 Kinofilme mit deutscher Beteiligung produziert. Wenn man bedenkt, dass so manches Mal auch ein ausländischer Autor das Buch geschrieben hat bzw. einige wenige es auch auf mehr als einen Film pro Jahr bringen, können hier maximal 100 Drehbuchautoren beschäftigt werden. Dabei reden wir allerdings nicht von 100 Blockbustern, sondern auch von sehr vielen Filmen, die kaum Beachtung finden und mit minimalem Budget produziert werden. Das klappt dann häufig nur unter Selbstausbeutung der Beteiligten – also auch der Autoren. Entsprechend gibt es auffallend viele Autoren, die nach ihrem Erstling nie wieder etwas schreiben …

Für Fernsehfilme gibt es – wie gesagt – keine verlässlichen Zahlen. Es gibt pro Woche acht bis zehn feste Sendeplätze für Fernsehfilme bei den vier Senderverbünden, die in Deutschland Filme produzieren: ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1. Darin sind schon Reihen wie der „Tatort“ inbegriffen – also alles, was 90 Minuten lang ist. Da es eine mehrmonatige Sommerpause gibt, in der meistens nur Wiederholungen gezeigt werden, und da es durch Feiertage, Sportereignisse usw. auch noch viele andere Tage gibt, an denen keine Filmpremieren stattfinden, würde ich mal sehr grob schätzen, dass im Jahr 300 bis 350 neue Fernsehfilme gezeigt bzw. produziert werden. Man kann davon ausgehen, dass einige Autoren mehr als einen Fernsehfilm pro Jahr schreiben, gerade bei den Reihen. Es würde mich wundern, wenn mehr als 200 Autoren überhaupt im Jahr mit Fernsehfilmen ihr Geld verdienen.

Dann kommen wir zu den Serien. Es gibt zur Zeit sieben Daily Soaps, die übers Jahr natürlich alle eine relativ große Anzahl von Autoren beschäftigen. Vom ständig anwesenden Chefautor bis hin zum Dialogautor, der mal hier und da eine Folge ausarbeitet, ist alles dabei. Ich kann hier nur von meinen Erfahrungen bei „Rote Rosen“ berichten, dass übers Jahr gesehen vielleicht 30 Autoren mal kürzer, mal länger in den unterschiedlichen Funktionen beschäftigt sind. Da es eine relativ große Fluktuation zwischen den verschiedenen Dailys gibt, schätze ich mal, dass auch hier nicht mehr als 200 Autoren längerfristig Arbeit finden.

Bei den wöchentlichen Serien ist es noch etwas schwieriger, Zahlen zu schätzen, weil es ständig Veränderungen gibt. Versuchen wir es auch hier einmal über die Sendeplätze. Davon gibt es ungefähr 25 (wovon zwei Drittel für Krimis reserviert sind …). Auf manchen Sendeplätzen laufen feste Serien mehr oder weniger über das ganze Jahr – wie die „Lindenstraße“. Auf anderen wechselt das Programm – wie z.B. Dienstag 20:15 in der ARD. Bei vielen Sendeplätzen gibt es auch hier eine längere Sommerpause, so dass wahrscheinlich nicht mehr als 1000 Folgen pro Jahr (30 bis 48 Minuten) geschrieben werden müssen. Bedenkt man, dass bei Serien Autoren in der Regel deutlich mehr als eine Folge pro Jahr schreiben, kann es eigentlich auch hier nicht mehr als 200 Autoren geben, die davon leben können.

Insgesamt komme ich – mit zugegebenermaßen sehr diskussionswürdigen Zahlen – auf maximal 100 Kinoautoren, 200 Fernsehfilmautoren, 200 Daily-Soap-Autoren und 200 Serienautoren. Da die Gattungen natürlich durchlässig sind – ich hab z.B. schon als Fernsehfilm-, Daily- und Serienautor gearbeitet, werden es insgesamt keine 700 Drehbuchautoren sein, die zur Zeit alleine von ihrer Arbeit als Autor leben können. Fragt man im Verband der Drehbuchautoren nach, erfährt man Schätzungen von 800 bis 1000 aktiven Autoren, wobei hier auch die Autoren von „Scripted Reality“ (also „K11“, „Niedrig und Kuhnt“ usw.) mitgerechnet werden – eine Gattung, mit der ich mich nicht auskenne. Aber wenn dort auch noch einmal 200 Leute beschäftigt sind, decken sich die Zahlen ja ungefähr.

Dem gegenüber steht eine wachsende Zahl von Filmhochschulen, Akademien oder Drehbuchkursen, die frisch ausgebildete Drehbuchautoren auf den Markt werfen. Jedes Jahr 50 bis 100 Leute, wie ich einmal schätzen würde. Dabei sind eigentlich schon genügend Autoren da. Gerade zur Boomzeit der Daily Soaps und Telenovelas 2005 wurden schlagartig mehr Autoren benötigt, so dass es zahlreiche Quereinsteiger gab. Böse gesagt hat damals jeder, der ein Word-Dokument erstellen konnte, eine Chance bekommen. Da heute im Fernsehbereich wieder deutlich weniger Fiktion produziert wird als noch vor einigen Jahren, gibt es nicht wenige – auch gute – Leute, die plötzlich nicht mehr unterkommen. Zusammenfassend kann man also einem Interessenten an dem Beruf des Drehbuchautors sagen: Es wird nicht gerade auf dich gewartet!

So viel erst einmal zu den nüchternen Fakten. Nächste Woche werde ich mich damit beschäftigen, was es denn braucht, wenn man TROTZDEM unbedingt Drehbuchautor werden will, um dann abschließend zu der spannenden Frage zu kommen, was man denn überhaupt verdienen kann …

3 Kommentare

Katrin Butt

Hallo
Darf ich „Du “ sagen?
Bin KuenstlerinMag.art
Saengerin.
Ich weiss ich muss bald einmal grossen Film machen(klingt bloed ist so)Das es noch nicht war,liegt hauptaechl an prs.und gesundheitl.Gruenden.
Bloede Frage also
Soll ich vorher eiBuch schreiben?
Dann Dehbuch dann verfilmen.
Ja ich verfilme es auch!

Oder zuerst gleich „Drehbuch“
Wuerde mich freuen wenn Du mir da e paar Tips gibst.
Bin total unerfahren,“kann es aber“.
Danke
Viel Erfolg noch!
L.G.
Katrin B.

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Michael

Man muss keinen Roman schreiben, bevor man ein Drehbuch schreibt. Wenn es Dir um den Film geht, brauchst Du ein Drehbuch, sonst nichts … 🙂

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