Drehbuch schreiben Geld verdienen (III)

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Es ist ja eine berechtigte Frage. Wenn ich mich trotz einem Mangel an Arbeit und großen Qualen als Drehbuchautor etabliert habe, was verdiene ich denn dann? In meinen Verträgen steht regelmäßig, dass ich Stillschweigen zu bewahren habe über das, was ich konkret für das jeweilige Projekt bekomme, deswegen werde ich zu meiner eigenen Arbeit nichts sagen. Aber es gibt natürlich Richtwerte in der Branche. Dazu sei gesagt: MEHR geht immer. Wenn jemand super verhandelt oder eine besondere Situation existiert, gibt es nach oben keine Grenzen, aber wir wollen hier mal keine falschen Erwartungen wecken …

 

Daily Soap

Die Bezahlung bei Daily Soaps (und wohl auch bei der „Scripted Reality“, mit der ich mich aber nicht auskenne) unterscheidet sich grundlegend von der sonstigen Bezahlung bei Filmen und Serien. Denn hier wird man oft nicht nach Werk bezahlt (also abgeliefertem Exposé, Treatment oder Drehbuch), sondern nach Zeit – in der Regel „pro Woche“. Dabei wird man entweder fest angestellt (mit Versicherungsbeiträgen etc.) oder man arbeitet – nach meinem Eindruck häufiger – auf Rechnung, wobei man hier unter Umständen am Rande der Scheinselbständigkeit wandelt. Die Bezahlung liegt nach dem, was mir bekannt ist, irgendwo zwischen 1000 und 2500 Euro die Woche, ähnlich ist die Spanne beim Schreiben eines sogenannten „Dialogbuchs“ für die Dailys. Wobei Dialogbücher für Stundenformate wie „Rote Rosen“ natürlich mehr bringen als Halbstundenformate wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. In der Branche haben wir übrigens zur Zeit eher „Schlechte Zeiten“. Die Bezahlung geht nach unten. 1500 Euro pro Woche oder Dialogbuch ist eine Zahl, die ich mehr und mehr höre.

Wer jetzt sagt: 6000 Euro im Monat sind doch super, der muss Zweierlei bedenken: Als Selbständiger muss man sich natürlich um Versicherungen, Altersvorsorge etc. selbst kümmern und hat entsprechende Ausgabe – auch wenn man gerade keine Arbeit hat. Und die Arbeit bei einer Daily ist kein 9-to-5-Job. Arbeitsende um 20 Uhr oder später sind keine Seltenheit, auch das Wochenende muss gerne mal dran glauben. Und irgendwann muss man sich ja auch noch einarbeiten oder die zahllosen Storylines / Drehbücher lesen – natürlich in der „Freizeit“. Kaum jemand hält dies zwölf Monate im Jahr durch, selbst routinierte Daily-Autoren arbeiten eher acht Monate als mehr – WENN es überhaupt so viel Arbeit gibt …

 

Fernsehfilme / Serien

Fernsehfilme und Fernsehserien kann man aus finanzieller Sicht zusammen betrachten, denn es gelten ähnlich Grundregeln. Hier muss man erst einmal zwischen Buyout und einer Bezahlung mit Wiederholungshonoraren unterscheiden. Letzteres ist immer mehr die Ausnahme, obwohl es für den Autor – bei einem erfolgreichen Werk – das viel schönere Modell ist. Denn bei dem Vertrag mit Wiederholungshonoraren bekommt man noch einmal Geld, wenn das Werk im Fernsehen wiederholt wird. Wobei hier nicht Wiederholungen in den nächsten Tagen gemeint sind, sondern nach einer angemessenen Zeit. Die genauen Prozentsätze des Wiederholungshonorars variieren, aber zum Beispiel bekommt man das VOLLE Geld noch einmal, wenn der Film am Hauptabend im Hauptsender wiederholt wird. Da fast jeder „Tatort“ neben der Erstausstrahlung noch einmal ein Jahr später Freitagsabends um 21:45 in der ARD gezeigt wird, klingelt in so einem Fall beim Autor ordentlich die Kasse, wenn er den entsprechenden Vertrag hat. Beim „Tatort“ ist das meines Wissens sogar noch recht häufig der Fall, ansonsten gibt es diese Verträge eh nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Privaten bestehen auf Buyout – d.h. dass mehr oder weniger jegliche Weiterverwendung des Films / der Serienfolge für alle Zeiten abgegolten ist.

Kommen wir zu den Verdiensten. Fernsehfilm mit Wiederholungshonorar bringen um die 25.000 Euro. Fernsehfilme mit Buyout um die 50.000 Euro. Wie gesagt: Es gibt Ausreißer nach oben, aber mit diesen Faustwerten kommt man gerade am Anfang ganz gut zurecht. Und von dort kann man auch auf Serien „runterrechnen“. Denn wenn man 50.000 für 90 Minuten bekommt, dann gibt es bei 45 (bzw. 48) Minuten auch bei den Euros etwa die Hälfte. Und so weiter. Wobei es im Serienbereich tendenziell weniger ist, gerade wenn man innerhalb eines bestehenden Serienkonzepts arbeitet, also nicht alle Ideen selbst mit eingebracht hat.

Das klingt natürlich auch super – ist es manchmal auch – aber hier muss man bedenken, dass es nur wenige Autoren schaffen, wirklich jedes Jahr einen Fernsehfilm realisiert zu bekommen. Wie ich bereits in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, braucht es gerne mal zehn angefangene Projekte, bevor eins auch wirklich gedreht und gesendet wird. Bei den anderen Projekten greift eine Gemeinheit der Branche: Das Honorar wird in Raten aufgeteilt, die nur beim Erreichen einer bestimmten Projektstufe auch gezahlt werden. Am Anfang sind die Raten sehr viel kleiner als am Ende. Für ein Exposé bzw. beim Erteilen des Auftrages bekommt man oft irgendwas zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Wenig mehr gibt es für das Treatment. Dabei ist dies oft die intensivste und kreativste Arbeit. Das richtig große Geld gibt es erst bei ABNAHME des fertigen Drehbuchs oder noch später: Im Falle von Buyout-Verträgen kommt die Hälfte des Honorars erst bei Drehbeginn! Versandet also ein Projekt – aus Gründen, die oft mit dem Autor wenig zu tun haben – hat man unter Umständen gerade mal 5.000 Euro bekommen, obwohl man schon ein halbes Jahr Arbeit in das Projekt investiert hat. Faktisch trägt man als Autor also immer das Risiko des Produzenten mit. Gerade im Serienbereich (wo man bei einem Serienkonzept noch mehr Vorarbeit leisten muss), ist dies für mich einer der Gründe, warum die Qualität deutscher Serien so ihre Probleme hat. Niemand kann ohne Druck und mit der nötigen Zeit etwas entwickeln …

 

Kino

Hier ist eine pauschale Antwort am schwierigsten. Denn von dem selbstausbeuterischen Projekt, bei dem man „erst mal“ auf Bezahlung verzichtet, bis hin zum erwarteten Blockbuster eines erfahrenen Autors, der mit deutlich über 100.000 Euro bezahlt wird, gibt es alles. In Hollywood sind es auch mal gerne ein paar Millionen Dollar. Betrachtet man aber einmal nur das Mittelfeld von „ganz normalen“ deutschen Kinofilmen, landet man irgendwo bei 60.000 – 80.000 Euro. Wobei hier natürlich alles, was ich über Stoffentwicklungen bei Fernsehproduktionen geschrieben habe, mindestens genauso gilt.

 

Neben der normalen Bezahlung für die geleistete Arbeit, gibt es noch ein paar andere Einnahmetöpfe für Drehbuchautoren: Die VG Wort, die für jeden aktiven Autor ein bis zweimal im Jahr noch ein Zubrot von ein paar hundert bis ein paar tausend Euro bereit hält – eingenommen etwa durch Geräteabgaben, die der Endverbraucher gezahlt hat; die verschiedenen Filmförderungen, die auch die Entwicklung von Stoffen / Drehbüchern fördern und – wenn man dann mal was wirklich gutes gemacht hat – Preisgelder von Festivals oder Filmpreisen. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.

Ja, man kann wirklich gut leben von der Arbeit als Drehbuchautor. Wenn man sich denn etabliert hat. Und wenn man damit leben kann, dass es zwangsläufig auch magere Jahre gibt. Aber eins ist auch klar: Wenn das Geld alleine die Motivation für die Arbeit ist, wird man nicht weit kommen. Dafür braucht es einfach zu viel Herzblut und Leidenschaft. Bei mir ist es nach wie vor so, dass ich Drehbücher schreibe, weil ich es liebe, Geschichten zu erzählen. Und letztlich geht es mir tief in mir drin immer noch so wie bei meiner ersten bezahlten Arbeit: Ich bin erstaunt darüber, dass man mir für so einen Spaß auch noch Geld gibt …

9 Kommentare

Earl Kolbe

Einfach nur mal ein Dankeschön für diese Information(en)!
Obs hilft, kann man erst sagen, wenns geholfen hat!

Mit dem kollegialen Gruß,jedoch eines Schubladenschreibers,

Ihr Earl Kolbe

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Norman

Ich möchte mich auch für den differenzierten Einblick bedanken. Eine Frage habe ich noch. Schreibst du neben Drehbüchern auch für Hörspiel und Theater oder ist das für dich eine komplett andere Angelegenheit.

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George

Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel.
Meine Frage als Interessierter: an wen wendet man sich, wenn man was geschrieben und keine Kontakte hat, niemanden in der Branche kennt? Ohne das einem sein geistiges Eigentum geklaut, verändert etc. wird?
Vor Jahren habe ich mal aus ner Laune heraus ne Kurzgeschichte geschrieben und eingereicht…wurde verfilmt u.es hat ne Menge Spass gemacht. Will wieder…

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Tommes

Danke,die Infos sind sehr aufschlussreich! Sehe mich schon wie einst Schiller, mit einem krummen Brot,Kerze und Wein in meiner Miet rückständigen Kemenate sitzen!! Aber den Spaß oder das Herzblut bei der ganzen Arbeit kann mir keiner nehmen!!!

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Marion Wolf

Ich wüsste gern, was ich für die reinen Verfilmungsrechte an einem Märchen erwarten kann, wieviel dazu fürs Drehbuch drin ist…
Kinofilm / Fernsehen …

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Michael

Das kann man so pauschal nicht sagen. Zum Drehbuch selbst habe ich ja ein paar Zahlen genannt. Verfilmungsrechte ist ein weit komplexeres Feld …

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Donn

Das Problem ist, ich hab einige nette Ideen, aber das ist eben Scifi und dementsprechend mit dem Budget in Deutschland schlecht umsetzbar. Nicht falsch verstehen, ist keine ausgelutschte Idee. Wäre ein Blockbuster, wenn die Umsetzung genau wie in meinem Kopf wäre.

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