Irgendwas hat funktioniert

Es ist nun eine Woche her, dass mein neues eBook „Irgendwas ist immer – Mein Tag-e-Buch“ erschienen ist. Zum Start habe ich sofort eine Gratisaktion bei Amazon gemacht. Über den Verlauf und die ersten Ergebnisse will ich hier ausführlich berichten.

Unter Selfpublishern sind die Gratisaktionen bei Amazon umstritten. Die Zeiten, in denen sie zumindest einen kleinen Erfolg garantierten, sind vorbei. Als es noch nicht so gängig war, dass man selbst sein eBook herausgibt, konnte man mit solch einer Aktion sehr häufig problemlos an den meist auch viel teureren eBooks großer Verlag vorbeiziehen. Heute scheinen die Aktionen aber vielfach zu verpuffen – zumindest gibt es viele enttäuschte Berichte. Enttäuscht bin ich nicht. Aber es ist auch noch zu früh für ein endgültiges Fazit.

Die Gratisaktion

Vorgenommen hatte ich mir, 1000 Stück des eBooks unters Volk zu bringen. Schon am ersten Tag der Aktion zeigte sich, dass das kein Problem sein würde. Bereits zwei Stunden nach Herabsetzen des Preises auf 0 Euro gab es mehr als 50 Downloads. Ich war begeistert. Als ich in einem Selfpublisher-Forum den Erfolg postete, war die trockene Antwort eines erfahrenen Autors: „Ja, am Anfang geht es immer so langsam!“ Langsam??? Aber er sollte Recht behalten.

Jedoch hatten andere eBooks, die es ab diesem Tag gratis gab, erst einmal die Nase vorn. Ich überprüfte, die diversen Websites, die auf kostenlose eBooks aufmerksam machen und von mir informiert worden waren. Dort fand ich heraus, dass die wichtigste Seite mich zuerst übersehen hatte, eine weitere mich ignorierte, die nächste wegen Zahnschmerzen nicht aktiv war und auf noch einer Seite die Bücher nach „geschätzter Seitenzahl“ sortiert waren, ich aber aus unbekannten Gründen solch eine Zahl nicht bei meinem eBook stehen hatte. Man konnte also sagen: Der Start war nicht optimal. Dennoch kletterte ich in den Gratischarts munter in die Höhe. Als ich Freitagabend mit 711 verschenkten Exemplaren ins Bett ging, war ich auf Platz 22.

Dann kam der Samstag. Zunächst einmal fiel bereits morgens um halb zehn die anvisierte 1000. Wenig später war ich in der Top Ten. Danach konnte ich förmlich zugucken, wie die Zahlen stiegen. 17:30 waren es 2000. Am Abend enterte ich Platz 4. Am Sonntag schaltete ich bei exakt 3000 verschenkten eBooks um 9 Uhr den Computer ein. Und dann ging es RICHTIG los. 250 Exemplare pro Stunde wurden runtergeladen. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die 4000 war am frühen Nachmittag erreicht, die 5000 um 22 Uhr! Und ich fragte mich nicht zum ersten Mal: Wer sind all diese Leute, die nun mein eBook auf ihrem Kindle haben? Und wer wird es ernsthaft lesen?

Belegt ist nun auch, dass der Sonntag der mit Abstand beste Verkaufstag bei Amazon ist. Am Montag – meinem letzten Gratistag – wurde es nämlich deutlich gemütlicher. Erst am Abend erreichte ich die 6000. Schluss war dann am nächsten Morgen um 9 Uhr – mit 6368 gratis verteilten Exemplaren. Plus 25 eBooks, die in den USA und anderswo runtergeladen worden waren. Puh! (Meine genaue Downloadentwicklung und interessante Fakten zu einer parallel laufenden Gratisaktion gibt es im Blog von Matthias Matting.)

Der echte Verkauf

Nach diesem großen Spaß war natürlich die entscheidende Frage: Kauft jetzt auch jemand das Buch? Es kostet zwar nur 1,11 Euro, aber trotzdem ist eine Kaufentscheidung etwas anderes als ein Klick zum Gratisladen. Schon eine Stunde nach Ende der Aktion gab es den ersten Kauf. Danach kleckerte es ein wenig, aber zum Abend waren 7 eBooks über den virtuellen Ladentisch gegangen. Am nächsten Morgen waren es schon 12. Und am Mittwoch im Laufe des Tages stieg die Verkaufszahl auf  35! Plötzlich stand ich auf Platz 297 der ECHTEN Charts, was mir mit „Soap“ noch nie gelungen ist.

Rang 297

Nun verstand ich langsam auch, was die Aktion bewirkt hatte. Denn zum Beispiel war mein eBook an diesem erfolgreichen Tag bei DEM Topseller-eBook von Amazon unter „Welchen anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?“ zu finden. Zudem war es in diversen Beliebtheitslisten in den Top 20 bis Top 40. Und mein Name tauchte plötzlich ganz oben in einer Autorenauflistung auf. Gleichzeitig bekam ich sehr schnell die ersten Rezensionen zusammen – anders als bei „Soap“ auch von Leuten, die das eBook nicht über eine Leserunde oder über meine Social Media Seite gefunden hatten.

So sehr ich nun schon die Millionenverkäufe vor Augen hatte, stagnierte am Donnerstag plötzlich der Verkauf. Den ganzen Tag passierte nichts. Am Abend kamen dann aber doch wieder Verkäufe zusammen – insgesamt 11. Die Verkäufe sind also weniger geworden. Andererseits steige ich weiter in manchen Beliebtheitslisten und wer weiß, wo „Irgendwas ist immer“ noch bei Amazon auftauchen wird. Derzeit stehe die Kurztextsammlung auf einem für mich sehr erfreulichen Platz 390.

Das ist aber kein Selbstläufer. Ich hab im Zuge meiner Aktion einige Bücher von Kollegen beobachtet, die kurz vorher oder gleichzeitig Gratisaktionen gemacht haben. Einige davon haben nun einen ähnlichen Rang wie „Irgendwas ist immer“. Andere nicht – auch wenn sie in der Gratisaktion vielleicht sogar erfolgreicher waren. Obwohl alle zumindest ein paar Verkäufe hatten, geht es mal so und mal so aus. Warum im Einzelfall lässt sich schwer sagen. Aber es drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass der Anteil „Glück“ sehr hoch ist, denn es ist sehr undurchschaubar, wann genau man wo bei Amazon präsent ist.

Ein besonderes Motiv für meine Gratisaktion war aber auch, den Verkauf von „Soap“ erneut anzukurbeln. Dieser war leider in der letzten Woche komplett zum Stillstand gekommen. Und siehe da: Seit Sonntag wurden neun eBooks und drei Taschenbücher verkauft. Auch das ist ermutigend.

Man kann also jetzt schon sagen: Die Aktion hat mir und meinen Werken zu deutlich mehr Sichtbarkeit verholfen – und die ist bei Amazon Gold wert. Ob dieser kleine Erfolg nur ein Strohfeuer ist oder die Basis für mehr, wird sich aber erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen …

4 Kommentare

Sam

Mein E-Book ist in seiner Kategorie seit Erscheinen vor einem Jahr fast durchgängig auf Platz 1 einer eher esoterischen Kategorie „Fototheorie“.

Letzte Woche wurde ich von einem anderen Buch für einige Tage von Platz 1 verdrängt. Das Spannende daran: Der Autor war im KDP-Forum und nannte seine Verkäufe und sein Vorgehen.

Sein Buch war im Rang deutlich höher als meines, obwohl es viel weniger Verkäufe und schlechtere Bewertungen hatte. Der Grund dafür konnte nur sein, dass er kurz vorher das Buch einige Zeit als Gratisdownload angeboten hatte.

Es scheint also, dass entgegen der Aussagen in manchen Foren Gratistage einen kurzzeitig auch im Rang der bezahlten Bücher nach oben pushen.

Ein paar Tage später war sein Buch aber wieder abgesackt, der Effekt ist also wohl nicht von Dauer.

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Michael

Sam, die Bewertungen haben überhaupt keinen Einfluss auf den Verkaufsrang. Dort zählen sowieso nur die aktuellen Verkäufe. Also wirklich vom selben Tag. Und es kann doch sein, dass er für eine kleine Zeitspanne mehr Bücher pro Tag verkauft hat als Du. Denn eigentlich fängt man nach einer Gratisaktion wieder bei Null an, was den Verkaufsrang (!) angeht. Was anderes sind die „Beliebtheitslisten“ – aber von denen reden wir hier nicht, oder?

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Sam

Michael, ist dass eine offizielle, verbindliche Aussage von Amazon? 🙂
Ich kenne Autoren, die sind der festen Meinung, dass eine schlechte Bewertung den Rang nach unten ziehen kann.

Und ich meine tatsächlich den Verkaufsrang aller bezahlten E-Books.

Es wäre schon spannend zu wissen, welche Faktoren in diesen Rang einfließen. Ich glaube nicht mehr, dass das nur rein auf Verkaufszahlen basiert, da werden auch andere Dinge drin sein. Hilft allerdings nicht, da wir ja nicht wissen, welche 🙂

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Michael

Nee, offiziell gibt es ja gar nix. Aber manche Leute – vor allem in den USA – beobachten die Verkaufsränge sehr genau. Und wenn auch vieles noch unklar ist, sind sich doch alle einige, dass außer den Verkäufen nichts da reinspielt.

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