Die Gretchenfrage

Lohnt es sich wirklich, aus dieser Idee einen Roman zu machen?

All die Mühen, das Herzblut, die Zeit und auch das Geld, was nun investiert werden muss, sollte auf fruchtbaren Boden fallen! Die Idee muss einen Roman von mindestens zweihundert Seiten tragen. Zum Autor passen. Vor allem natürlich Leserinnen und Leser ansprechen. Es ist unmöglich, zu solch einem frühen Zeitpunkt mit Gewissheit sagen zu können, dass die Frau, die nach zwanzig Jahren Koma erwacht, das alles leisten kann. Es gibt aber Argumente dafür: Es ist ein zeitgenössisches, aber in der Form trotzdem originelles Thema. Es wird im Kern eine emotionale Liebesgeschichte geben, was traditionell viele Leserinnen anzieht. Es gibt viel Raum für Humor – eine meiner Stärken als Autor. Und die Idee hat den Wegguck-Test bestanden.

Der Wegguck-Test?

Immer wenn ich eine neue Idee für eine Geschichte habe, suche ich mir ein paar Leute, denen ich sie kurz erzähle. Freunde, Kollegen, manchmal auch flüchtige Begegnungen bei einer Party. Mir geht es dabei nicht darum, was sie zu der Idee sagen – das kann immer geschönt oder höflich sein. Sondern darum, was sie tun, während ich erzähle. Denn wenn sie nach zwei Sätzen bereits gucken, wer noch so auf der Party ist oder ob es eine neue Nachricht auf dem Handy gibt, dann hat die Idee sie nicht gepackt. Schauen sie mich aber die ganze Zeit an, dann gibt es auf jeden Fall etwas, was sie interessiert. Der Test ist keine Garantie, aber ein hilfreiches Indiz. Bei der Koma-Frau hat niemand weggeschaut.

 

Freue ich mich aufs Schreiben?

Natürlich muss der Köder dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Und natürlich sollte ein professioneller Autor in der Lage sein, gezielt für ein Publikum zu schreiben, selbst wenn ihn die Geschichte nicht vom Hocker reißt. Aber bei den Werken, die ich auch selbst veröffentliche, schreibe ich nur, was mir Spaß macht. Nur so kann ich die Extrastunden mit ungewissem Payback verantworten. Nur so kann ich meine Persönlichkeit und das berühmte Herzblut in einen Text gießen. Deswegen ist ein weiterer Test vor meinem persönlichen Go die Frage, ob sich sofort die Schleusen öffnen. Die Schleusen mit den vielen kleinen Ideen, die später die Geschichte ausmachen werden. Was passiert, wenn ich die Grundidee eine Weile in meinem Kopf bewege – beim Spazieren, unter der Dusche, vor dem Einschlafen? Und auch da habe ich bei der Koma-Frau festgestellt: Läuft. Es kommt ein Einfall nach dem anderen, ich schmunzle viel, ich freue mich aufs Schreiben. Ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten.

 

Passt es zu Vanessa Mansini?

AutorenduoMeine Zeit als Autor ist kostbar. Meine Familie und ich leben davon. Also muss ich auch strategisch denken. Klar, ich würde ich auch gerne mal einen Thriller schreiben. Aber ich habe mir in den letzten Jahren mit dem Pseudonym Vanessa Mansini eine Leserschaft aufgebaut. Im Bereich Romantik und Humor. Mit einem Genrewechsel würde ich fast bei Null anfangen. Das ist mit diesem Projekt nicht mein Ziel. Doch bei dieser Frage gibt es schnell Entwarnung: Die Koma-Frau ist ein geradezu klassischer Vanessa-Mansini-Stoff. Ich vollende damit sogar eine Trilogie, die ich hier mal „aufwachende Frauen“ nennen möchte. In „Im falschen Film“ erwacht zu Beginn Trixi nach einem Autounfall und hat ihre Erinnerungen verloren. In „Als ich eines Morgens mich selbst traf“ erwacht Annika durch die Geräusche ihrer eigenen Doppelgängerin. Und nun erwacht Misses Noname aus einem extrem langen Koma. Wenn man Vanessas Debütroman „Nicht von dieser Welt“ mit der Liebe zu einem Außerirdischen noch hinzunimmt, ergibt sich ein klares Muster: Liebesgeschichten mit einer ungewöhnlichen, fast phantastischen Prämisse. Die neue Idee passt in dieses Schema. Die Leserinnen und Leser bekommen das, was draufsteht: Vanessa Mansini.

 

Grünes Licht

Ein großer Vorteil der Arbeit als Selfpublisher ist ja, dass die Wege vom Autor zum Verlagschef extrem kurz sind. Der Autor hat nun seine Idee vorgestellt, erläutert und gegen mögliche Einwände verteidigt. Der Verlagschef – Stratege, aber auch Bauchmensch – hat ein gutes Gefühl und sieht Potential. Also gibt es grünes Licht. Das Projekt rollt.

 

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