Cover - Im falschen Film

Im falschen Film – Staffel 2

Klappentext der zweiten Staffel

Was machst du, wenn dein bisheriges Leben voller Desaster und Enttäuschungen war? Vergiss es einfach!
Trixi hat durch einen Unfall ihr Gedächtnis verloren und begreift ihre Amnesie als Chance: Sie startet ein neues Leben! Aber schon bald wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Eine Liebe, die sie nicht loslässt. Ein Fremder, der ihr einst vertraut war. Ein Stalker, der aus dem Schlaf erwacht. Auch das neue Leben ist schnell wieder voller Chaos, Trubel und Fragezeichen. Aber mit guten Freunden, wahrer Liebe und viel Humor wird man auch das in den Griff bekommen. Oder?

Leseprobe

Hier eine Leseprobe aus der zweiten Staffel – nämlich das erste Kapitel der ersten Folge.  Wer „Im falschen Film“ noch gar nicht kennt, sollte jetzt nicht weiterlesen, sondern sich erst einmal die erste Staffel in diesem Buch hier anschauen! Allen anderen nun viel Spaß bei der Rückkehr von Trixi:

 

Leseprobe „Im falschen Film“ Staffel 2

1

Kaum hatte ich mich an den Straßenrand gestellt, um auf Luna und Vlad zu warten, hielt ein edler, alter Mercedes vor mir. Die Scheibe fuhr herunter und ich hörte die etwas zu hohe Stimme des dicklichen Mannes in feinem Anzug auf dem Fahrersitz: „Sag mal, Püppi, wat sind dit für schreckliche Klamotten?“
Meinte der wirklich mich? Noch nie hatte mich jemand „Püppi“ genannt. Und was gingen den Kerl meine Klamotten an? Gut, es waren nicht die schicksten. Aber doch nur, weil wir mitten im Umzug steckten. Das ging nun einmal leichter mit meiner verwaschenen Jeans und dem alten College-Sweater, den ich in den Untiefen meines Schrankes gefunden hatte.
„Aber sonst biste ja ’ne janz Aparte!“
„Reden Sie mit mir?“
„Mit wem sonst?
Ja, okay, ich stand alleine da zwischen zwei geparkten Autos, hinter mir die Kartons und Koffer von Vlad, der für ein paar Tage zu uns ziehen würde. Wir hatten sie gerade aus seiner Wohnung heruntergetragen, bevor Luna mit ihm losgezogen war, um den Transporter zu holen. Sie kostete jede Sekunde mit ihrem Lover aus, denn bald würde er zurück nach Russland gehen. Eigentlich hätte er sogar an diesem 1. April abreisen müssen, aber Luna hatte ihn um ein paar Tage mehr angefleht.
„Wat soll ’n jetzt der komische Aufzug, Püppi?“
Er deutete auf meinen Pulli mit der großen Aufschrift „Virgina Tech“. War der Mann von der Modepolizei? War es nicht möglich, einfach mal in Arbeitsklamotten irgendwo herumzustehen, ohne dass man deswegen blöd angelabert wurde? Auch wenn der Kerl nervte, hatte ich das Bedürfnis, mich zu rechtfertigen.
„Ich ziehe um.“
„Du ziehst dich noch um?“
„Nein. Ich ziehe um! Von einer Wohnung in die andere. Deswegen sehe ich so aus.“
„Und deswejen hatteste keene Zeit, dich umzuzieh’n?“
Begriffsstutzig war er auch noch.
„Der Umzug ist noch nicht fertig. Wir sind mittendrin.“
„Wie? Und dit machste jetzt hier zwischendurch, oder wat?“
Er schüttelte ungläubig den Kopf. Was machte ich zwischendurch?
Allmählich dämmerte mir etwas. Als ich mich an die Straße gestellt hatte, hatte ich aus dem Augenwinkel wahrgenommen, dass dreihundert Meter weiter ebenfalls eine Frau am Straßenrand stand. Ich hatte mir dabei nichts gedacht. Aber als ich nun noch einmal genauer hinschaute, sah ich, dass sie ziemlich aufreizend gekleidet war. Sie war ganz sicher nicht mit einem Umzug beschäftigt. Stattdessen schaute sie ausgesprochen kritisch zu mir herüber. Hundert Meter hinter ihr sah ich nun noch eine weitere der Jahreszeit nicht angemessen gekleidete Frau, die dem ein oder anderen vorbeifahrenden Wagen dezent zuwinkte, um auf sich aufmerksam machen.
Ernsthaft? Ich stand an der vierspurigen Bülowstraße am helllichten Tag, oben bretterte die berühmte Linie 1 als Hochbahn vorbei, überall waren Berliner auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen unterwegs. Ich befand mich also keineswegs in einem abgelegenen Industriegebiet, war aber offensichtlich trotzdem am Straßenstrich gelandet.
„Also steigste ein oder wat is?“, fragte mich der Dicke schon fast fürsorglich.
Wie kam ich aus der Nummer nun wieder heraus? Im wahrsten Sinne des Wortes.
„Hören Sie, mh, es tut mir sehr leid, aber Sie haben da etwas falsch …“
„Du, mir is dit ejal, wat du anhast. Ziehste ja eh aus.“
Er lachte herzlich. Fast sympathisch.
„Nein, genau das werde ich nicht machen.“
„Nee, nackig musst du dich machen! Dit brauche ich. Ich zahl auch, wat de willst.“
„Hören Sie!“
Ich wurde lauter und wollte gerade alles richtigstellen, als von hinten jemand an meinem Pulli zog.
„Was wird denn das, wenn’s fertig ist?“
Der aggressive, fast schrille Tonfall kam von einer kräftigen, mittelalten, übertrieben blonden Frau, die sich in ein superenges Outfit gequetscht hatte. Gepaart mit den viel zu hohen Absätzen sah es sehr unvorteilhaft aus. Sie war sauer.
„Du hast hier nix verloren!“
„Nein, also doch … aber nicht wie Sie es meinen. Ich mach gerade einen Umzug …“
„Halt die Klappe und hau ab!“
Auch die Frau ließ mich nicht ausreden. Höflichkeit war anscheinend in der Prostitution nicht gang und gäbe. Die Frau beugte sich herunter, um in den Mercedes schauen zu können.
„Komm, fahr weiter, Uwe. Die hat hier nix zu suchen.“
„Och, Usch. Du kannst doch nicht jede Neue davonjagen. Wir leben in ’nem freien Land.“
„Nicht auf den zwei Kilometern hier.“
„Dürfte ich auch noch einmal kurz etwas …“
„Hau ab!“
Hätte ich ja im Prinzip sofort gemacht, aber ich konnte Vlads Sachen nicht einfach so stehen lassen. Also blieb ich, wo ich war, während Uwe um mich kämpfte.
„Mensch, Usch. Dit is doch mal ’ne janz Aparte.“
„Was ist an der denn apart? Die weiß nicht mal, wie man sich anzieht.“
„Aber der Arsch. Guck doch mal!“
Usch guckte tatsächlich kurz auf meinen Hintern. Sollte ich mich über die Komplimente freuen?
„Du bist ja immer noch hier“, fuhr sie mich an.
„Okay, noch mal: Missverständnis. Ich ziehe um …“
„Auch wenn du dich umziehst. Hier stellst du dich nicht hin.“
„Ich bin keine Prostituierte!“
„Mh, klar. Das sind wir alle nicht.“
„Nein, ich bin wirklich keine. Ich stehe hier nur, weil ich auf jemanden warte.“
„Und warum quatschst du dann mit Uwe?“
„Der Herr hat mich angesprochen.“
Sie nickte mit einem spöttischen Gesicht, als ob sie solche Sprüche schon hundert Mal gehört hätte. Ich seufzte. Und sah nun, dass sich Vlads Transporter näherte. Endlich. Meine Rettung.
„Pass auf, Usch. Ich geb’ dir ’nen Fuffi, wenn du mich die Kleene mitnehmen lässt.“
Der Mann hatte ein Ziel. Ich war fast ein bisschen gerührt, aber ich nahm nun lieber einen Koffer von Vlad und guckte, dass ich zu dem Transporter kam. Vlad war bereits ausgestiegen. Auf der Beifahrerseite kletterte Luna aus dem Wagen.
„Ist das dein Lude?“, fragte Usch mich plötzlich.
„Nein, das ist Vlad. Ihm gehören die Koffer und die Kisten hier.“
Natürlich glaubte sie auch das nicht. Und ich muss zugeben: Bei dem Namen und so, wie er mit seiner trainierten Figur und in seinem für den Umzug sicher bequemen Jogginganzug auf uns zukam, konnte ich Usch das nicht einmal verübeln.
„Das gibt Ärger“, zischte Usch und eilte davon in die Richtung eines nahegelegenen Cafés.„Wat ist denn jetzt, Püppi?“, rief Uwe aus dem Auto.
„Was ist denn hier los?“, fragte Luna irritiert.
„Nächstes Mal, wenn ihr mich irgendwo am Straßenrand warten lasst, sagt mir doch bitte Bescheid, wenn das der Straßenstrich ist.“
Luna verstand, was ich gerade durchmachte. Sie musste laut lachen.
„Aber, Süße, das weiß doch jeder.“
Ich schaute sie kritisch an.
„Okay, sorry. Ich vergess’ immer, dass du alles vergessen hast. Du bist so … normal. Man sieht dir die Amnesie überhaupt nicht an.“
Na, danke für das Kompliment. Und einen begeisternden Hintern hatte ich auch.
„Was ist Straßenstrich?“, fragte Vlad. Ausgerechnet er, der seit einem halben Jahr genau hier gewohnt hatte.
„Die Nutten“, erklärte ihm Luna und zeigt die Straße herunter. „Das nennt man ,Straßenstrich‘.“
Vlad nickte verstehend. Wieder eine interessante deutsche Vokabel gelernt.
„Hey, ich war zuerst da!“
Uwe war nun aus dem Wagen gestiegen und legte sich mit Vlad an.
„Uwe!“, sagte ich. „Ich bin keine Prostituierte. Kapieren Sie das doch endlich mal.“
„Sicher?“
Er schaute mich enttäuscht an.
„Ja, ziemlich sicher.“
„Ich zahl’ auch fünfhundert Euro.“
„Das ist sehr freundlich von Ihnen. Aber danke, nein.“
„Och, fünfhundert Euro. Könntest du schon gebrauchen.“
Das war Luna. Sie grinste schadenfroh. Weckte aber auch Hoffnungen in Uwe, der mich noch einmal fragend ansah. Irgendwie tat er mir leid.
„Wir können ins Adlon gehen“, versprach er.
„Uwe, wirklich nicht. Sorry.“
Er seufzte und stieg traurig in den Mercedes, während Vlad bereits seine Koffer und Kisten zum Transporter brachte.
„Jetzt hast du sein Herz gebrochen“, stellte Luna fest.
Mein Blick fiel auf das Café, in das Usch verschwunden war. Und aus dem sie nun wieder auftauchte. Im Gefolge von drei muskulösen Männern, die mit grimmigen Blicken und schnellen Schritten näherkamen.
„Oh. Oh“, sagte ich. „Renn, Luna, renn!“
Sie sah nun auch die drohende Gefahr. Ich war mir Gott sei Dank mit ihr einig, dass diese Herren noch viel weniger zuhören würden, wenn ich wieder mit meiner Umzugsgeschichte anfangen würde. Luna und ich griffen uns die letzten Taschen vom Straßenrand und rannten zum Transporter. Vlad kam uns mit Fragezeichen im Gesicht entgegen.
„Steig ein! Fahr los!“, herrschte Luna ihn an.
Die Männer erhöhten ihr Tempo. Wir quetschten uns zu dritt mit dem Krempel in die Fahrerkabine. Ich konnte gerade noch die Türsperre herunterdrücken, bevor einer der wahren Luden an der Tür riss. Vlad trat aufs Gas. Einer der Angreifer stellte sich in den Weg. Aber Vlad behielt die Nerven, fuhr einfach weiter. Der Kerl sprang in letzter Sekunde zur Seite. Verwünschungen ausstoßend und Steine werfend blieben die drei Typen zurück. Das Adrenalin stand mir in den Haarspitzen.
Als wir endlich genügend Abstand zu der verhängnisvollen Stelle hinter uns gebracht hatten, mussten Luna und ich laut lachen. Und uns abklatschen. Es fühlte sich gut an. Lebendig, wild, absurd. So wie mein Leben sein sollte. Ich liebte es.

7 Kommentare

Nepple-Fechner

Wir haben Teil 1 + 2 + 3 gelesen. Einfach herrlich. Wir lesen viel aber noch nie waren wir sooo süchtig auf das Weiterlesen. Von Anfang bis Ende gefühlvolle spannende Unterhaltung. Wir sind enttäuscht, das es nicht mit einem Teil 4 weitergeht. Oder können wir noch hoffen? Da wir auch Berliner sind und in der Gegend aufgewachsen sind, konnten wir uns auch noch mehr rein versetzen.
Herzliche Grüße
Ingrid und Hans

Antworten
Michael

Vielen Dank für das schöne Feedback. Das freut mich sehr! Ein vierter Teil ist nicht geplant, aber Trixi taucht in der Serie L.I.E.B.E. wieder auf – die übrigens ebenfalls in Berlin Kreuzberg spielt. Gestern ist Teil 5 davon erschienen. Das ist zwar etwas Anderes, aber vielleicht auch interessant? 🙂

Hier kann man gut einsteigen: https://www.amazon.de/L-I-B-hoch-drei-ebook/dp/B01C9Z8YM4

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