Nicht von dieser Welt

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Auf dieser Seite gibt es alle wichtigen Informationen über meinen Roman „Nicht von dieser Welt“. Er basiert auf der Blogfiction Vanessa X., die ich vom Sommer 2011 bis Anfang 2012 geschrieben habe. Der Roman ist im Juni als Taschenbuch und als eBook unter dem Pseudonym Vanessa Mansini bei Amazon erschienen. Das eBook war eine Woche lang auf Platz 1 der Kindle-Verkaufscharts von Amazon. Mehr als zwei Monaten hat sich das Buch in den Top 100 gehalten!  Aktuelle Infos hier oder bei Facebook!

Klappentext

Typisch: Der beste Kerl hat den größten Knall!
Vanessa trifft ihren Traummann. Wahnsinnig attraktiv, charmant, klug, wunderschöne Hände und er riecht so gut! Das passiert nur einmal im Leben. Höchstens. Doch natürlich hat die Sache diverse Haken.
Erstens: Sie ist verheiratet. Unglücklich, aber na ja. Zweitens: Mit Schmetterlingen im Bauch wird es schwer, denn dort hockt bereits ein Baby. Flirten mit Babybauch ist nicht gerade einfach. Drittens: Der Traummann ist nicht an ihr interessiert. Zumindest nicht so, wie sie sich das wünscht. Er will „nur reden“.
Aber glaubt man’s? Diese drei Probleme sind ein Witz gegen das eigentliche Problem. Das ist so unfassbar, das muss man einfach selbst lesen. In „Nicht von dieser Welt“ – Vanessas geheimem Blogroman darüber, wie der vermeintliche Mr. Right ihre Welt auf den Kopf stellt …

„Nicht von dieser Welt“ ist ein leichter, unterhaltsamer Sommerroman, der Herzen wärmt und Lachmuskeln strapaziert.

Die Leseprobe

Welt: Steht Kopf!

Veröffentlicht am Mittwoch, 27. Juli 2011  – 23:11

So. Ich muss das jetzt einfach loswerden. Meine Freundin Anja liegt mir schon seit Ewigkeiten in den Ohren: „Wenn du so gefrustet bist, dann blogg doch mal!“
Ich war immer der Meinung: Wen interessiert der Frust einer schwangeren Dreißigjährigen, die sich nach Karriere, Ausgehen, Alkohol und schlanker Taille sehnt? Gerade als vor einigen Wochen Licht am Horizont erschien (Kitaplatz und neues Fitnessstudio direkt um die Ecke): Bang! Wieder schwanger! Dabei wollte ich schon das letzte Kind nicht wirklich. Versteht mich nicht falsch: Ben ist das Beste, was mir je passiert ist. Aber er war halt nicht geplant. Und jetzt: Ein romantisches Wochenende ohne Ben und schon wieder die alles verändernden zwei Striche. Schon wieder bin ich fix und fertig, wenn ich die drei Stockwerke zu unserer Wohnung hochgehen muss! (Da der verdammte Aufzug übrigens immer noch nicht funktioniert!)
Darum geht’s aber jetzt nicht. Sondern um ihn. Über ihn kann ich mit niemandem reden. Nicht mal mit Anja. Dafür ist die ganze Geschichte einfach zu beknackt. Dabei bloggt Anja Sachen … Mann, Mann. Ihre ganzen Psychoaffären. Und in einer Offenheit! Ich habe nicht mal eine Affäre. Psycho ja, Affäre nein. Ich rede hier von einem Typen, der Eier als Gastgeschenk mitbringt. Nicht das, was Ihr denkt. Richtige Eier. Von Hühnern. Drei!
Aber von vorne: Vor einer Woche ist er wieder aufgetaucht. Aus dem Nichts, in das er damals genauso plötzlich verschwunden war. Ich habe jetzt eine Woche gebraucht, um diese Blogseite an den Start zu bekommen – gar nicht so leicht, wenn man’s heimlich macht. Und muss nun endlich mal den Quatsch loswerden, den dieser Typ mir erzählt hat.
Mist! War ja klar. Konstantin kommt jetzt schon nach Hause. Sonst wird’s immer mindestens Mitternacht. Ich hoffe, ich habe morgen mehr Zeit. Bis dann! … Ach ja, mein Name ist Vanessa. Ich blogge jetzt öfter.

Eyes Wide Shut

Veröffentlicht am Donnerstag, 28. Juli 2011 – 12:19

Die Szene in „Eyes Wide Shut“, in der Nicole Kidman erzählt, wie sie beinahe mal mit einem Seemann durchgebrannt wäre. Als ich den Film damals gesehen habe, fand ich das übertrieben. Wenn der Seemann sie gewollt hätte – sie hätte alles aufgegeben. Ja, klar! Du verlässt Tom Cruise für einen Seemann. Okay, hat sie später wirklich gemacht. Nicht für einen Seemann, aber das war auch wirklich kompliziert mit Scientology und Fehlgeburt und so. Auf jeden Fall: Genauso war es mit ihm. Also wie in „Eyes Wide Shut“.
Es muss drei oder vier Jahre her sein. Da tauchte dieser Kerl bei Konstantin im Restaurant auf. Als Gast. Alleine. Ich war mit Anja da, ein paar anderen, keine Ahnung. Wir sind uns an der Garderobe begegnet. Ich sah ihm in die Augen. Kribbeln. Aber dann: Sein Geruch. Ich bin stehen geblieben und habe ihm hinterhergeschaut. Ich ihm! Den ganzen Abend. Ich habe nur ihn angestarrt. Bin sogar ein paar Mal sinnlos an ihm vorbeigegangen. Wie so ein dämlicher Groupie. Er sieht verdammt gut aus. Er hat wunderschöne Hände. Wirkt wahnsinnig arrogant. Das Blöde ist: Zu Recht. Völlig zu Recht. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Als ich ihn letzte Woche wiedergesehen habe … Wie er da stand …
Sorry, ich muss jetzt raus. Ben hat’s endlich geschafft. Ich habe Konstantin tausend Mal gesagt, er soll den Schlüssel nicht auf dem beknackten Weinschrank stecken lassen. Aber er:
„Nee, dann verlier ich ihn. Gibt nur den einen.“
Blabla. Jetzt hat Ben das Ding aufbekommen und direkt die erste Flasche Chateau-was-weiß-ich-was auf den Küchenboden geschmissen. Ich hoffe, es war eine richtig wichtige Flasche! Idiot!

Rote Beete

Veröffentlicht am Donnerstag, 28. Juli 2011 – 21:12

Geht das eigentlich nur mir so? Oder würde es nicht super passen, beim Bloggen gemütlich ein Glas Weißwein zu trinken? Ich könnte mich auf unseren Balkon setzen (wenn er fertig wäre), mir die untergehende Sonne ins Gesicht scheinen lassen (wenn sie in diesem Sommer überhaupt mal zu sehen wäre), dort mit dem Laptop im Internet surfen (wenn unser WLAN endlich funktionieren würde) und den Wein genießen (wenn ich nicht verdammt nochmal schon wieder schwanger wäre!). Aber, hey, Kümmeltee ist auch schön. Und hier in meinem (zunehmend falsch benannten) „Arbeitszimmer“, auf das ich ja damals so sehr bestanden habe, kann ich wunderbar vor mich hin pupsen, ohne jemanden zu stören.
Stefan Müller. So heißt der vermeintliche Traummann. Auf den Namen kommen wir später nochmal zurück. Bei der ersten Begegnung in Konstantins Restaurant habe ich ihn nicht kennengelernt. Er hat mich gar nicht wahrgenommen. Dachte ich. Aber ein paar Tage später hat er mittags im selben Gorilla wie ich gegessen. Da war ich gerade bei Sat.1. Gab’s da beides noch. Gorilla und Sat.1 in Berlin. Gorilla war ein richtig gute Bio-Fast-Food-Kette und ich war eine richtig gute Drehredakteurin für Lifestyle-Reportagen. Damals.
Als ich ihn im Gorilla sah, dachte ich: ‚Oh … mein … Gott. Was macht der denn hier?‘
Ab da war er jeden Mittag im Gorilla. Und ich sowieso.
Nach drei Tagen kamen wir so ins Gespräch über den Rote-Beete-Wrap. Ich habe nur Unsinn vor mich hin gestammelt. Über meine großartigen Eisenwerte und … ja … ich habe ihn sogar gewarnt, dass sein Stuhlgang sich verfärben könnte. Beziehungsweise ich war kurz davor. Aber wie kommt man da raus, wenn man einen Satz anfängt mit „Nicht erschrecken, wenn Sie nachher ’ne rote Färbung in Ihrem …“?
Ich glaube, ich habe dann „Hemd haben“ gesagt, aber er hat ein T-Shirt getragen. Oder so. Es war auf jeden Fall extrem peinlich. Er hat sich das alles mit so einem unglaublich souveränen Lächeln angehört. Überhaupt wirkte er so überlegen. So … vertrauenswürdig. Anders kann ich das nicht erklären. Ich hätte ihm auf der Stelle all meine Pin-Codes und Passwörter verraten, wenn er mich danach gefragt hätte. Hat er aber nicht. Und nach meiner Telefonnummer auch nicht. Auch nicht am nächsten Tag. Und auch nicht an den anderen. Später mehr.

Suppe sein

Veröffentlicht am Freitag, 29. Juli 2011 – 13:41

Gestern musste ich so abrupt aufhören, weil mich wieder einer dieser Müdigkeitsanfälle überkommen hat. Wie am Anfang der ersten Schwangerschaft: Manchmal werde ich bereits um neun schlagartig hundemüde, als ob kleine Menschen sich an meine Augenlider hängen. Mh, ja. Streng genommen ist es ein kleiner Mensch. Ein sehr kleiner Mensch. 4,5 Zentimeter zur Zeit. Ich war eben beim Frauenarzt …
Zurück zum vermeintlichen Traummann, der gerade meine Welt auf den Kopf stellt. Passende Formulierung, aber dazu später. Im Wartezimmer beim Frauenarzt hatte ich genug Zeit, um nochmal über unsere Begegnungen im Gorilla nachzudenken. Ich bin jetzt sicher: 2008 war das. Es müssen insgesamt sieben Mittagessen gewesen sein. Zwei stumme, dann das mit der Rote-Beete-Stuhlgang-Unterhaltung. Und dann noch vier mehr oder weniger zivile Gespräche beim Essen.
Oh, nein! Das Babyfon! Bitte nicht, bitte nicht. Noch nicht! (Ben macht Mittagsschlaf, soll Mittagsschlag machen!) Puh, er schläft weiter.
Auf jeden Fall kam Stefan Müller (der Name, ich weiß …) am Tag vier im Gorilla von ganz alleine auf mich zu und knüpfte bei den Eisenwerten an. Ja! Er wollte wissen, wie ich das mit den guten Eisenwerten mache, von denen ich erzählt hatte. Damit war das Eis gebrochen. Jeden Mittag haben wir nett geplaudert. Glaube ich zumindest. Denn ich habe keinen Schimmer, was ich gesagt habe. Ich war nur auf ihn fixiert. Ich habe seinen Geruch in mich aufgenommen, der sogar stärker (und schöner!) war als der der leckeren Kürbissuppe. Ich habe geschaut, wie langsam und genießend, aber auch unaufgeregt er die Suppe mit seinen wunderschönen Händen gelöffelt hat. Er liebte diese Suppe. Und ich wünschte mir nichts mehr, als diese Suppe zu sein. (Nie zuvor und auch nie wieder danach habe ich mir übrigens gewünscht, eine Suppe zu sein.) Dazu muss man wissen: Konstantin und ich hatten drei Monate vorher geheiratet. Wir waren glücklich, die Zukunft gehörte uns! Ich hatte überhaupt keinen Grund, mich für andere Männer zu interessieren. Trotzdem: Stefan Müller im Gorilla. Ben würde sagen: „Haben!“
Doch dann war der Traummann plötzlich weg. Dienstag war er noch da. Mittwoch nicht mehr. Wochenlang, vielleicht sogar Monate, eigentlich bis zum Umzug von Sat.1 habe ich da gesessen und darauf gewartet, dass er wieder auftaucht. Sogar an Tagen, an denen ich frei hatte. Und wehe, die anderen wollten woanders hin. Ein Kollege hat mich irgendwann „Gorilla-Nazi“ getauft. (Weil ich vehement ökologische Gründe für die Lokalwahl vorgeschoben habe.) Zur Not bin ich auch alleine hin. Ich war wie ein Hund, den seine Familie auf der Autobahnraststätte ausgesetzt hat. Und wusste nichts über ihn. Außer: Stefan Müller. Den Namen könnt Ihr ja mal googeln. Und glaubt es oder auch nicht: Dass der Name nicht echt war, darauf bin ich bei all meinen verzweifelten Internetaufrufen/Sucheskapaden nie gekommen. Nie. Ich habe ihm geglaubt. Sogar noch, als er vor genau zehn Tagen plötzlich bei Alnatura an der Kasse hinter mir stand …
So. Jetzt eiere ich herum. Ich weiß, dass einige schon ungeduldig werden und sich fragen: Was will uns die Uschi erzählen? Was ist denn nun mit dem Typen? Aber das … Ich muss mich nochmal sammeln. Ich muss nochmal drüber nachdenken, ob ich das wirklich ins Internet setzen will. Ob ich … Ich guck’ mal nach Ben. Vielleicht ist er ja wach.

Die sogenannte Wahrheit

Veröffentlicht am Freitag, 29. Juli 2011 – 21:39

Er kommt von einem anderen Planeten. So. Jetzt ist es raus. Puh. Kein Witz. Also es ist kein Witz, dass er das behauptet hat. Mit vollem Ernst. Auch als ich sauer wurde, hat er das nicht mal relativiert. Von wegen: Ein anderer Planet heißt … Brandenburg. Oder so. Nein, er will mir wirklich weismachen, er wäre E.T.!
Aber von vorne: Ich steh bei Alnatura an der Kasse. Plaudere mit der Mama vor mir darüber, dass der Laden besser ist als die Biocompany zweihundert Meter weiter. Allein schon wegen des Platzes in den Gängen (Kinderwagen!). Ich bin mitten im Satz.
„… und sie haben drüben Stufen! Jedes Mal muss man klingeln und dann am Behinderteneingang  …“
Da sehe ich ihn. Er steht hinter mir. Mit einem kleinen Einkaufskorb. Der Mann, der vor drei Jahren zusammen mit Sat.1 und Gorilla verschwunden ist. Ich sehe ihn. Ich sehe die Rote Beete in seinem Korb. Ich denke, ich spinne. Ich bin mindestens für eine Minute sprachlos. Er lächelt freundlich und sagt: „Hallo Vanessa!“
Die andere Mama muss Gott sei Dank bezahlen. Ich: Immer noch sprachlos. Irgendwann bekomme ich ein debiles Lächeln auf die Reihe und stoße ein „So ein Zufall“ heraus. Er, sowieso die ganze Zeit wieder so verdammt souverän und immer diesen Tick arrogant, schaut mich ernst an und sagt: „Nein, kein Zufall.“
Gänsehaut. Bekomm ich jetzt noch, wenn ich daran denke.
Irgendwie schaffe ich das mit dem Bezahlen. Und irgendwie bekomme ich auch Ben in seinen Buggy, obwohl er sich vehement wehrt. (Erst zu Hause habe ich gemerkt, dass der arme Kleine die ganze Zeit auf den Aprikosen sitzen musste. Urgh.) Dann sind wir endlich draußen. Stefan Müller und ich. Und er sagt, dass er mich gerne besuchen würde. Einfach so. Als ob’s ganz normal wäre. Gut, man sieht noch nicht, dass ich schwanger bin, aber allein die Anwesenheit von Ben könnte ja darauf hinweisen, dass ich vielleicht in einer Beziehung lebe. Doch das juckt ihn gar nicht. Und wisst Ihr was? Mich auch nicht.
Ich, leicht drüber: „Klar, besuch mich! Besuchen ist super. Wir haben viel zu wenig Besuch!“
Er: „Aber dein Mann darf nichts davon wissen!“
Da war ich das zweite Mal sprachlos. Und er immer noch absolut cool.
„Niemand sollte von unseren Treffen wissen.“
Plötzlich sind es schon „Treffen“. Plural. Mir ist sofort klar: Er ist auch verheiratet. Egal. Im meinem Kopf dreht sich bereits alles darum, was ich anziehe, ob ich es wirklich bringen kann, mit ihm im Schlafzimmer … na ja … Also, ich gehe ganz klar davon aus: Das wird jetzt eine Affäre. Für keine Sekunde habe ich Bedenken. Nicht mal einen Ansatz. Für mich scheint das … logisch. Unausweichlich. Richtig. Ich meine, guckt Euch den Typ an. Riecht mal an ihm. Ich habe mich gefreut! Natürlich! Aber dann sagt er:
„Vor allem darf die Regierung nichts davon erfahren!“
Die Regierung? Die Regierung???
Ab da bin ich mir nicht mehr ganz so sicher, wie die Unterhaltung genau gelaufen ist. Denn dann kam das mit dem anderen Planeten. Und plötzlich ging es überhaupt nicht mehr um hemmungslosen, erfüllenden Sex, sondern um eine wissenschaftliche Untersuchung von Marsmenschen, die – und darüber sollte ich mich offensichtlich freuen – mich ausgewählt hatten unter all diesen Milliarden Menschen, um als Erste zu erfahren, dass es sie nicht nur gibt, sondern dass sie auch schon seit Jahren unter uns weilen und uns erforschen. Aber na ja, sie verstehen halt nicht alles, was wir Menschen so treiben. Und wollten jetzt mal mit einem reden. Mit mir. Super! Oder? Der tollste Mann, der rumläuft, ist der größte Psycho, den es gibt. Ist doch irgendwie immer so, oder?
Es kommt noch mehr. Aber nicht mehr heute Abend. Ich bin todmüde. Gute Nacht!

Papua-Neuguinea

Veröffentlicht am Samstag, 30. Juli 2011 – 22:25

Heute kommen wir nochmal auf die Eier zurück. Aus meinem ersten Blogeintrag. Das Gastgeschenk. Von ihm. Aber Vorsicht: Ich bin schlecht gelaunt! Ich habe schon drei Kilo zugenommen. Und bin gerade mal in der elften Woche! Zwei Kilo habe ich wahrscheinlich allein dadurch zugenommen, dass dieser Mann mit den Eiern (Gastgeschenk!) in mein Leben getreten ist. Frustessen. Jetzt liegt hier schon wieder ein Stapel Nippons neben mir. Wieso haben wir die überhaupt im Schrank? Ich habe Konstantin tausend Mal gesagt, dass er die nicht kaufen soll! Ich bin schwach. Wah!
Also: Als Stefan Müller mir vor dem Alnatura ernsthaft erklären wollte, er sei ein Alien, habe ich nur die Hälfte mitgeschnitten. Mein Gehirn hing immer noch bei der Vorstellung einer Affäre mit dem bestriechenden Mann der Welt (unserer Welt!). Und versuchte krampfhaft eine Theorie zu entwickeln, wie die Behauptung, er sei von einem anderen Planeten, mit Lust und Leidenschaft zusammenpassen könnte. Ich habe dann auch einfach mal gar nichts gesagt, sondern nickend zugestimmt, dass er mich am nächsten Nachmittag besuchen kann.
Ab da ging das vierundzwanzig Stunden so mit den Theorien: Ist das ein besonders skurriler Humor? Versteckte Kamera? Ist er psychisch krank und hält sich wirklich für E.T. (will aber trotzdem eine Affäre)? Oder habe ich ihn einfach nur falsch verstanden? Letztere Hoffnung zerschlug sich schnell, als er am nächsten Tag bei mir vor der Tür stand. Mit drei Hühnereiern in der Hand. Als – wie gesagt – Gastgeschenk. Ich hatte mir natürlich trotz Psychoverdacht stundenlang den Kopf zerbrochen. Nach dem perfekten Outfit gesucht. Schick, aber irgendwie auch locker musste es sein. Sexy, aber irgendwie auch unaufdringlich. Dann die Haare, das Make-up. Nebenher Ben genau richtig getimet zum Mittagsschlaf bewegen. Ich war also bereits fix und fertig, als es klingelte. Und dann stand er da. Nicht mit Blumen oder Sekt oder wenigstens gar nichts. Sondern mit drei Eiern. Warum? Weil das eins der wertvollsten Gastgeschenke ist, „da, wo er herkommt“. Okay, er hat einen Akzent. Ich dachte immer, es wäre etwas Osteuropäisches (was mir durchaus gefällt). Aber selbst in Ost-Kasachstan gibt es keine Tradition, Eier mitzubringen. Da bin ich mir sicher. Er meinte natürlich Pluto, oder wie auch immer sein beknackter Planet heißt.
Toll, jetzt hat Konstantin gerade aus dem Restaurant angerufen. Ich soll mal schnell „gucken“, gegen wen Deutschland in der WM spielen wird. Häh? Schon wieder WM? Bitte nicht! Wenn man das googelt, steht überall was von Schweden, Irland, Österreich, den Färöern und Kasachstan. Hah! Kasachstan!
Na ja, auf jeden Fall ist schon nach wenigen Minuten Treffen mit Stefan Müller alles klar gewesen: Der rückt keinen Zentimeter von seinem Alien-Quatsch ab. Und hat er wenigstens irgendeinen Beweis? Beamt er uns mal kurz auf sein Raumschiff oder so? Nein! Wenig überraschend „darf“ er über seinen Planeten und alles drum herum kein Wort sagen. Da sind die richtig streng, die Aliens. Nur so viel: Er ist so etwas wie ein Ethnologe. Und ich bin sein Papua-Neuguinea. Das hat er wirklich als Beispiel gebracht! Ernsthaft. Buschmänner (und -frauen), die Knochen in ihren Haaren haben und nicht wissen, was ein Spiegel ist. Zu denen zähle ich für ihn. Überrascht es irgendjemanden, dass ich ihn rausgeschmissen habe? Diesen Spinner! Die Nippons sind alle. Mist. Ich schreibe morgen weiter.

Malo

Veröffentlicht am Sonntag, 31. Juli 2011 – 16:43

Nur kurz. Konstantin sitzt mit Ben im Wohnzimmer und guckt Fußball. Hertha spielt. Gegen irgendeine Witzmannschaft, sagt er. Trotzdem lenkt ihn das hoffentlich genug ab. Dafür rennt der Kleine dann wieder den ganzen Tag rum und ruft „Fuball, Fuball“.
Auf jeden Fall wollte ich noch das mit dem Namen nachliefern. Als Stefan Müller hier war, hat er „zugegeben“, dass er gar nicht Stefan Müller heißt. Den Namen hat er nur gewählt, um nicht aufzufallen. Stefan ist wohl in dem Jahr, in dem er geboren wurde, der häufigste Name gewesen. Ach so: Erdenjahr natürlich! Er ist ja nicht von hier. Blabla. In „Wirklichkeit“ heißt er Malo. Oder so ähnlich. Er betont das komisch. Soll wohl die Sprache sein, die er mit seinen Alien-Kumpels spricht. Man muss ihm lassen: Er hat sich einiges ausgedacht. Scheint ja auch den ganzen Tag nichts anderes zu machen.
Denn – jetzt kommt’s – seit ich ihn rausgeworfen habe, stalkt er mich. Also jetzt nicht so mit Hase im Kochtopf wie in „Eine verhängnisvolle Affäre“. Aber er taucht ständig auf. Wenn ich alleine mit Ben bin. Im Alnatura, auf der Straße, auf dem Spielplatz, letztens sogar im Zoo. Das ist verdammt gruselig. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite: Er ist die ganze Zeit wirklich nett. Lächelt dieses unverschämte Lächeln, ist immer aufmerksam zu Ben, entschuldigt sich jedes Mal, dass er mich so verwirrt hat. Aber kein einziges Mal: „Okay, Baby, vergiss den Quatsch mit vom anderen Stern. War ’n schlechter Witz.“
Da ist grad ein Tor gefallen. Glaube ich. Hoffentlich gewinnt Hertha. Sonst hat Konstantin wieder den ganzen Abend schlechte Laune. Und wenn er schon mal abends hier ist …
Na ja. Was soll ich machen? Ich habe echt keinen Bock, so einen Psycho in mein Leben oder auch nur in meine Wohnung zu lassen. Und selbst wenn er ein Außerirdischer ist: Ich will nicht sein Papua-Neuguinea sein. Aber er ist ein verdammt cooler Typ. Und … Hach. Malo. Ich weiß nicht. Ich weiß einfach nicht, wie das weitergehen soll.

Martas Mutter

Veröffentlicht am Montag, 1. August 2011 – 18:06

Es ist wirklich wahr. Manchmal herrscht auf Spielplätzen Krieg. Nicht zwischen den Kindern. Zwischen den Müttern. Immer an der Front mit dabei ist bei uns im Kiez Martas Mutter. Marta ist vier oder fünf und ein kleiner blonder Engel, der so etwas von fies zu den kleineren Kindern ist – wenn keiner guckt. Was dazu führt, dass man sehr oft ein weinendes Kind mit dem Gesicht im Sand sieht, daneben eine unschuldig schauende Marta. Und keiner weiß, was passiert ist. Kritisiert man dann Martas Mutter … Oh, mein Gott! Ich habe ohne Witz schon gesehen, wie sie einer anderen Mutter an den Haaren gezogen hat, Sand hat sie auch mal geschmissen und ich durfte mich „frustrierte Alte“ nennen lassen. (Wobei mich dabei vor allem das „Alte“ aufgeregt hat!)
Heute Morgen ist mein Freund, der Außerirdische, zwischen die Fronten geraten. Das kam so:
Überall in Deutschland scheint ja mittlerweile bestes Wetter zu sein. Hier noch nicht. Deswegen bin ich heute Morgen mit Ben zum Indoor-Spielplatz gegangen. Eine heruntergekommene Halle mit zahllosen Spielgeräten, einem enormen Lärmpegel und schlechtem Fast Food, für die man auch noch Eintritt zahlen muss. Ben liebt es, also sind wir im Winter ab und zu hingegangen. Im Winter. Nach den letzten Regenwochen hatte Ben so starke Spielplatzentzugserscheinungen, dass ich die Halle heute erstmalig auch im Sommer angepeilt habe. Und wer tauchte nach kurzer Zeit auf? Mein ganz persönlicher Stalker Malo. (Ich werde ihn ab jetzt Malo nennen, weil Stefan Müller einfach zu blöd ist!) Klar steh ich nach wie vor auf ihn, aber diese Ich-will-euren-Planeten-erforschen-Nummer ist mir einfach zu viel. Deswegen gehe ich ihm aus dem Weg, wenn er auftaucht. Was nicht leicht ist. Besonders weil Ben sich mittlerweile freut, wenn er Malo sieht. Ich wollte dem Kerl die kalte Schulter zeigen, da hat er schon aus einer Serviette eine kleine Puppe gebastelt und spielt Ben kasperletheatermäßig was vor – wie soll man da böse und abweisend wirken? Ich habe ihn dann einfach ignoriert, wie er da so mit einem Kaffee an einem der Esstische saß, und Ben hat gespielt.
Auftritt Marta plus Mutter. Ich habe Ben schön von der kleinen Natter ferngehalten. Als Martas Mutter mal kurz aufs Klo gegangen ist, legt sich Marta gekonnt auf die Fresse. Ich denke noch: Schadet ihr nichts. Aber Malo steht auf und tröstet die Kleine. Nett. Sie ist kaum zu beruhigen, weil ihr beknacktes Rüschenkleid einen Riss hat. Malo gibt ihr deswegen das Stück Schokolade (oh-oh!), das er zu seinem Kaffee bekommen hat, und spielt ihr dann auch noch mit besagter Serviettenpuppe Kasperletheater hinter seinem Jackett vor (er ist immer unfassbar gut gekleidet!). Sie beruhigt sich, ich werde unruhig. Denn das Bild erinnert fatal an den Lieblingsfilm meiner Mutter: „Es geschah am helllichten Tag.“ Der dicke Perverse, der Kindern etwas mit dem Kasper vorspielt, um sie dann umzubringen.
Genau dieses Bild bietet sich Martas Mutter, als sie zurückkommt. Sie flippt sofort aus. Malo hat offensichtlich keine Ahnung, was ihr Problem ist. Zum ersten Mal denke ich: Vielleicht ist er wirklich von einem anderen Planeten. Denn hier kann man als fremder Mann nicht so unbedarft kleinen Mädchen Schokolade geben und mit einer Puppe was vorspielen.
Da schreit Martas Mutter auch schon los: „Was willst du überhaupt ohne Kind hier drinnen? Du lungerst doch auch immer auf dem Spielplatz rum! Was hast du mit unseren Kindern vor?“
Die ganze Halle ist mittlerweile aufmerksam, kritische Blicke zu Malo: Ja, genau, was macht der hier? So ein Zwei-Meter-Typ vom Personal nähert sich. Malos ruhige Erklärung, dass das Kind geweint habe, hat keine Chance. Martas Mutter ist mittlerweile bei:
„Kerlen wie dir muss man den Schwanz abschneiden!“
Er wirkt irritiert:
„Welchen Schwanz?“
Das fragt er fast freundlich. Der Zwei-Meter-Typ baut sich vor ihm auf und fragt ziemlich unfreundlich:
„Was soll das? Was machst du hier?“
Malo schaut den Kerl unbeeindruckt und wieder so leicht arrogant an und sagt lächelnd:
„Ich trinke Kaffee.“
Der Zwei-Meter-Typ: „Willst du mich verarschen?“
Malo: „Nein“.
Das sagt er nach wie vor freundlich. Ernst gemeint. Jetzt bin ich mir sicher: Malo weiß weder, wovon die anderen reden, noch, was er falsch gemacht hat. Er hat wirklich keine Ahnung.
„Er gehört zu uns!“
Das war meine Stimme. Ich wundere mich nach wie vor selbst darüber. Aber … Leute, auf seinem Planeten gibt’s offensichtlich keinen Kindesmissbrauch oder zumindest spielen dabei Schokolade und Fingerpuppen keine Rolle. Lasst ihn doch einfach in Ruhe!
Nein, ich glaube nach wie vor nicht, dass er ein Außerirdischer ist. Aber morgen Nachmittag kommt er bei uns vorbei und … dann müssen wir nochmal reden.

Warum ich?

Veröffentlicht am Dienstag, 2. August 2011 – 17:28

Meine wichtigste Frage vorhin an Malo war: Warum ich? Also nehmen wir mal für eine Minute an, er ist wirklich von einem anderen Planeten. Ja, und die Leute von dort erforschen unsere Erde, wollen jetzt mal mit jemandem reden, weil sie ein paar Fragen zu unserem Laden haben. Hätte ich ja auch, verstehe ich. Warum dann ich? Warum eine frustrierte Schwangere, die zur Zeit nichts Sinnvolles macht außer Kinder hüten und brüten, ein viel zu langweiliges soziales Leben hat und verdammt nochmal überhaupt nichts erklären kann? Die das meiste, was in unserer Welt abgeht, nicht mal ansatzweise selbst versteht? Warum nicht Obama oder Stephen Hawking? Oder wenigstens jemand, der an Außerirdische glaubt? Ich kenn ja nicht mal den Unterschied zwischen Star Trek und Star Wars! Also: Warum ich? Ich sag’s gleich: Die Antwort war unbefriedigend.
Malo sitzt da vor mir. In meinem „Arbeitszimmer“. Mit Ben auf dem Schoß (der aufgewacht ist, als Malo geklingelt hat). Und lächelt. Dieses … Mann! … unwiderstehliche Lächeln. Und sagt: „Das ist genau richtig so. Vertrau mir!“
Als ob ich mir nicht schon blöd genug vorkomme, nickt Ben dazu und sagt seinen derzeitigen Lieblingssatz: „Na gut!“
Ich sitze erst einmal da. Stumm. Und denke: Okay, Vanessa, du hast jetzt die Wahl. Entweder verbringst du diesen Sommer mit Folgendem:
– Viel zu schnell zunehmen
– Der 865. Suche nach Niko in Bens neuem Wimmelbuch
– Dich über das miese Wetter beklagen
– Schnäppchenjagd im Alnatura (könnt Ihr ja mal versuchen …)
– Einem überarbeiteten Ehemann, der bei der leisesten Kritik darauf verweist, dass du ja diese Wohnung unbedingt kaufen wolltest … Dabei war das vor der Wirtschaftskrise und wir noch Doppelverdiener! (Ich schweife ab.)
– Lego
– Schlafen
Oder: Du triffst dich regelmäßig und heimlich (aufregend!) mit einem extrem attraktiven, wunderbar riechenden Psycho, der binnen Sekunden Ben in ein zahmes Kätzchen verwandeln kann, und … erklärst ihm die Welt.
Na ja.

2 Gedanken zu “Nicht von dieser Welt

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