Die Facebook-Gruppe

Der Blick in die Autorenseele

Ab sofort gehen wir bei Backstage einen Schritt weiter: Es gibt nun eine Facebook-Gruppe, in der ich ab nächster Woche ins Detail gehen werde. Dort beschreibe ich die konkrete Entwicklung der Geschichte, der Figuren und stelle mich auch Diskussionen über das Manuskript, das in den nächsten Monaten entstehen wird. Es wird ab und zu Umfragen geben vor wichtigen Entscheidungen. Ich werde um Meinungen bitten und versuchen, alle Fragen zu beantworten. Wichtig ist aber zu verstehen, dass die Gruppe meine Arbeit begleiten soll. Es geht nicht um einen Roman, der mit Mehrheitsbeschlüssen entstehen soll – das halte ich auch nicht für möglich.

 

Achtung Dauerspoiler!

Da die Gruppe ein fortlaufender Spoiler sein wird, ist sie natürlich nichts für Leute, die einen Roman gerne im fertigen Zustand bzw. ohne Vorwissen lesen wollen. Sie wird daher geschlossen sein und auch unter der Auflage stehen, dass die dortigen Inhalte nicht weiterverbreitet werden. Gleichzeitig muss jeder, der in der Gruppe dabei sein möchte, zustimmen, dass ich alle Kommentare oder Beiträge verwenden bzw. publizieren kann – denn ggf. möchte ich ja auch mal aus Diskussionen in der Gruppe hier im Blog oder anderswo berichten. Aber keine Angst: Ich werde alle wichtigen Schritte bei der Entwicklung und Veröffentlichung des Romans nach wie vor hier im Blog beschreiben – eben nur ohne in inhaltliche Details zu gehen.

 

Wie komme ich in die Gruppe?

Wen das alles nicht schreckt, der ist sehr herzlich in die Gruppe eingeladen. Einzige Hürde – ist neben einem eigenen Facebook-Account – dass man mir als Michael Meisheit eine Freundschaftsanfrage schickt (wenn nicht schon geschehen) und mir in einer Privatnachricht zwei Fragen beantwortet:

  1. Als was möchte ich in der Gruppe mitmachen? Als Leserin? Als Autor? Als Bloggerin? Als was ganz anderes?
  2. Was erwarte ich mir von meiner Mitwirkung in der Gruppe?

Hat man mir eine solche Nachricht gesendet, bekommt man so schnell wie möglich eine Einladung in die Gruppe.

 

Wir sehen uns!

Übers Wochenende werde ich erst einmal schauen, wer denn überhaupt mitmachen möchte, bevor es in der nächsten Woche dann langsam ans Plotten geht. Einsteigen kann man bis auf weiteres jederzeit. Ich hab’ selbst noch keine Ahnung, wie oft und wie genau ich in der Gruppe berichten und diskutieren werde. Das hängt sicher auch davon ab, wie viele Leute auf welche Art mitmachen. Und wie sich die Geschichte des neuen Vanessa-Mansini-Romans denn dann so entwickelt. Ich bin gespannt und freue mich über jeden, der sich meldet.

Der Zeitplan

Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, dann mach einen Plan. Natürlich. Aber wenn man ein Buch schreiben und veröffentlichen will, sollte man sich am Anfang trotzdem überlegen, wie das laufen soll. Und ja, auch einen Plan machen, wann was wie angegangen werden muss. Der Plan kann dann natürlich zehn Mal geändert werden. Doch ohne Deadline fehlt mir selbst oft die Disziplin. Vor allem aber braucht man als Selfpublisher ja auch die Unterstützung von Dienstleistern wie Coverdesignern oder Lektoren und die werden sich bedanken, wenn man ihnen irgendwann etwas schickt und „morgen“ eine Reaktion haben will. Zudem ist es für die Vermarktung des Buches hilfreich, wenn man einen Veröffentlichungstermin anpeilen und irgendwann die Leserinnen und Leser auch auf ihn neugierig machen kann.

 

Vier Monate für den neuen Vanessa Mansini-Roman

Hier also mein ganz individueller (Zeit-) Plan für den neuen Roman, der im Rahmen des Projekts Backstage entstehen soll:

JUNI

JUNI

JULI

JULI

AUGUST

AUGUST

SEPTEMBER

SEPTEMBER

OKTOBER

OKTOBER

 

Wie man sieht, plane ich derzeit 24 Arbeitstage für das eigentliche Schreiben des Manuskripts ein. Realistisch ist, dass davon wegen plötzlicher Termine, kranker Kinder und akuter Unlust noch ein paar wegfallen werden. Aber selbst wenn es nur 20 Tage sind, habe ich bei zu leistenden 50.000 Wörtern (Minimum) ein Tagessoll von 2.500 Wörtern, was nach meinen Erfahrungen sehr gut machbar ist. In guten Zeiten schreibe ich an vollen Arbeitstagen bis zu 5.000 Wörtern …

 

Was ist ein „Kreativurlaub“?

Natürlich muss die Planung für den Roman auch in meine restliche Lebensplanung eingepasst werden. Da nun einmal die großen Schulferien anstehen, wird es diesmal also ein internationales Projekt. Denn auch auf Reisen kann ich gut arbeiten. Die Ferien teilen sich dabei in zwei Reisen:

In den ersten drei Wochen muss meine Frau arbeiten, weswegen ich alleine mit den Kindern durch halb Europa fahre, Freunde besuche und vor allem einige Zeit bei unseren Nachbarn in Südfrankreich verbringen werde. Da es dort gleich eine ganze Horde von Kindern geben wird, besteht sogar die Chance, dass ich ab und zu an meinem Roman arbeiten kann. Aber das kalkuliere ich nun mal nicht ein und sehe die Zeit eher als Phase, in der ich die Geschichte gedanklich weiterentwickle und vertiefe. Eventuell auch beim ersten Schreiben entstandene Probleme löse. Gerade lange Autofahrten eignen sich gut dafür. Aber natürlich will ich in den Tagen auch etwas entspannen und Zeit für die Kinder haben.

In den zweiten drei Wochen wiederum geht es zur Familie meiner Frau in Antalya. Dort gibt es paradiesische Zustände: Zahlreiche Leute, die sich gerne um unser Wohl und um die Kinder kümmern. Auch in der Vergangenheit habe ich dort exzellent Drehbücher und Romane schreiben können. Also wird die Hauptarbeit diesmal mit Blick aufs Mittelmeer verbracht. Es gibt schlimmeres.

Natürlich bin ich auch noch Drehbuchautor für die „Lindenstraße“, für die es in diesem Zeitraum zwei Arbeitssitzungen gibt. Daneben werden auch noch einige Papieren zu schreiben und Änderungen zu machen sein, die ich jetzt mal nicht konkret in den Plan aufgenommen habe. Das ist sozusagen Teil des Alltags. Im Moment sind noch fast alle Wochenende freigehalten. Nach Möglichkeit sollen die auch immer der Familie gehören, aber gerade in heißen Phasen sind diese Tage natürlich die ersten, die fallen.

Der Plan steht. Erfahrungsgemäß werde ich nun schwanken zwischen: „Och, echt so viel Zeit noch? Das schaffe ich ja locker“ und „Argh! Das packe ich nicht!“. Am Ende geht es dann meistens gut, aber wer weiß, was noch alles dazwischenkommt. Der größte Unsicherheitsfaktor dabei ist die Geschichte selbst. Denn wenn die nicht läuft oder plötzlich viel mehr Raum benötigt als gedacht, dann muss ein neuer Plan her …

Brief des Verlegers Michael Meisheit an die Autorin Vanessa Mansini

Liebe Vanessa,

ich freue mich sehr, dass wir erneut das Dreamteam der Publishing-Branche bilden und gemeinsam Deinen nächsten Roman stemmen werden. Die Idee mit der Frau, die zwanzig Jahre im Koma lag und nun in der „neuen Welt“ die Liebe sucht, passt wie die Faust aufs Auge zu uns. Als ich das gehört hab’, hab’ ich direkt zu meiner Frau gesagt: Das wird ein echter Mansini!

Mir ist klar: Du wirst es uns eine zauberhafte Geschichte mit liebenswerten Figuren erschaffen. Du bist die Expertin. Aber vielleicht darf ich trotzdem noch ein paar Wünsche als Verleger mit auf den Weg geben:

Versuch’s mal mit einem einigermaßen klaren Genre. Romantische Komödie. Das ist top. Dafür gibt es eine Kategorie bei Amazon. Es passt zu Dir. Damit können die Leserinnen was anfangen. Kann natürlich auch mal spannend sein oder ein bisschen mysteriös, aber bitte nicht plötzlich haufenweise Thrillerelemente oder Drama reinnehmen. Bei „Im falschen Film“ ist das mit dem Mix grad noch gut gegangen, aber auch für Indieautoren gilt: Die Bestseller sind stets klare Genrewerke.

Nicht zu düster bitte. Ich weiß, zwanzig Jahre Koma und die merkwürdigen Auswüchse der Onlinewelt verlocken zu Dystopien. Und es läuft auch eine Menge schief in der heutigen Zeit. Aber das wissen die Leserinnen selbst. Gerade deswegen brauchen sie ja was Schönes zum Lesen. Was fürs Herz. Was zum Ablenken und Träumen. (Die Kerle bitte entsprechend gestalten!) Sexy darf’s natürlich sein. Sex ist okay. Mehr als okay. Schöner Sex. Oder lustiger, was bei Datingapps ja vorprogrammiert ist. Genau: Wenn schon kritisch, dann bitte mit Humor. Humor läuft immer. Ich werde mich auch um ein witziges, sexy Cover bemühen, also bitte nicht aus der Reihe tanzen.

Liebe VanessaUnd sowieso: Happy End! Da sind wir uns einig, oder? Die arme Frau wird doch wohl am Ende auch in der neuen Welt die Liebe ihres Lebens finden. Trotz aller Widrigkeiten. Anders kann ich mir das gar nicht vorstellen. Die Leute müssen mit einem Lächeln aus dem Buch kommen. Sonst hauen die uns schlechte Rezensionen rein. Zwischendurch darf’s mal Tränen geben, aber kein merkwürdiger Twist ganz am Schluss. Ich sag nur: „Als ich eines Morgens mich selbst traf“ – das hat uns nicht gut getan! Aber ich bin mir sicher, einer Frau, die schon zwanzig Jahre ihres Lebens verpasst hat, wirst Du ein Happy End gönnen.

Wobei, kleine Einschränkung: Geht da was in Richtung mehrere Teile? Also falls das Ding ein Knaller wird, wäre natürlich eine Fortsetzung das Gebot der Stunde. Egal ob’s inhaltlich so viel Sinn macht. Ich mein’, noch mal aufwachen kann sie ja nicht. Aber vielleicht fällt dir was ein. Für alle Fälle. Einfach nur sanft anlegen. Unsere Verlagsgruppe würde es dir danken.

Noch ein paar Kleinigkeiten: Zweihundert Seiten sollten es mindestens sein. Eher ein bisschen mehr. Dass die Leserinnen nicht auf Kurzromane stehen, haben wir ja gerade bei „L.I.E.B.E.“ gesehen. Oktober als Veröffentlichungstermin hast du im Blick? Ach ja, und der Titel? Ich bräuchte bald mal einen Titel. Kann man einfach besser mit arbeiten in der PR.

Bleibt mir nur, Dir viele wundervolle Einfälle zu wünschen. Aber ich sag’s jetzt mal mit einer berühmten Filmfigur: „Ich hab’ ein gutes Gefühl, ein gutes Gefühl!“

Liebe Grüße auch an die Kids

Dein Michael

Die Recherche

Die Kinderachterbahn im Heidepark

Vor ein paar Wochen war ich mit meinen Kindern im Heidepark. Meine vierjährige Tochter ist bei laufintensiven Tagen – und das war zweifelsohne einer – immer besonders gut auf meinen Schultern aufgehoben. Doch als ich sie auf dem Weg zur „Kinderachterbahn“ ein weiteres Mal hochheben wollte, rammte mir jemand von hinten ein Messer in den Rücken. Zumindest fühlte sich der Schmerz so an. Die Fahrt mit der Kinderachterbahn war danach nur noch halb so spaßig. Das Gute daran war jedoch, dass mir infolgedessen Physiotherapie verschrieben wurde und so bekomme ich dann auch die Steilkurve zum Thema dieses Eintrags.

Denn die Idee mit der Frau, die nach zwanzig Jahren aus dem Koma erwacht, hatte für mich von Anfang an einen Pferdefuß: Ich brauche für meinen Roman eine aktive Heldin, die ihr Schicksal in die Hand nimmt. Keine Frau, die erst einmal für ein Jahr in der Reha hockt, und zweifelsohne ist das nach solch langer Zeit der Immobilität ein Thema. Nun hat mein begnadeter Physiotherapeut (der Rücken ist wieder top!) aber längere Zeit in einer Rehaeinrichtung gearbeitet, in der es auch Komapatienten gab. Meine Recherche zum Roman begann also halbnackt auf dem Bauch liegend, bevor ich überhaupt den eigentlichen Startschuss für das Projekt gegeben hatte.

 

Das große Wabern

Das ist bei mir typisch für die erste Phase einer Bucherstellung: Sobald die Idee da ist und einigermaßen entschieden ist, dass ich daraus einen Roman machen werde, begleitet mich der Roman Tag und Nacht. Egal ob ich eigentlich noch an etwas Anderem arbeite, ob ich so etwas wie Urlaub habe oder fürchterliche Rückenschmerzen. Die Idee und die dazugehörigen Themen wabern in meinem Leben herum. Aber jetzt – für die nächsten circa zwei Wochen – ist auch die Phase, in der dies zulässig ist. Natürlich muss ich aufpassen, dass es mich nicht von meiner eigentlichen Schreibarbeit ablenkt. Aber im Grunde mag ich diese Phase sehr, in der ich mich mit Themen und Ideen auflade.

 

Thema 1996

Bisher habe ich es mir bei den Vanessa-Mansini-Romanen immer vergleichsweise leicht gemacht. Haupthandlungsort ist stets mein Wohnort Berlin-Kreuzberg. Wenn die Geschichte woanders spielt, dann meist an Orten, die ich ebenfalls gut kenne. Die Berufe der Figuren, das Alter, das Lebensumfeld – alles ist sehr nah an meinem eigenen Leben. Nicht durch Zufall sind die Kinder meiner Protagonistinnen zumeist exakt in dem Alter wie meine eigenen Kinder zum Zeitpunkt des Schreibens. Sicher werde ich auf diesen „Trick“ auch beim neuen Roman wieder zurückgreifen – Kreuzberg gehört mittlerweile ja auch zur Marke Vanessa Mansini. Allerdings habe ich mir nun auch ein wirkliches großes Recherchethema eingehandelt. Und damit meine ich nicht nur das ungewöhnlich lange Koma und seine medizinischen Folgen. Sondern vor allem den Umstand, dass meine Hauptfigur gedanklich noch im Jahre 1996 lebt. Auch wenn ich das Jahr miterlebt habe, ist es schon verdammt lange her. Trotzdem muss es sich im fertigen Roman für die Leserinnen und Leser so anfühlen, als ob die Koma-Frau sehr selbstverständlich dort zuhause ist.

Recherche ChronikenAlso umgebe ich mich nun erst einmal mit allem, was ich aus dieser Zeit finden kann. Die berühmten Chroniken sind bereits gekauft, der Tagesschau von vor 20 Jahren wird auf Twitter gefolgt, eine tolle tumblr-Seite von Kathrin Passig über den Stand der damaligen Technik ist gefunden und ich habe sogar mein altes Tagebuch aus dem Keller geborgen. Zusätzlich nutze ich auch die Erinnerungen und das Input der Leserinnen und Leser. Bereits vorgestern habe ich begonnen via Facebook und mit Hilfe eines Gewinnspiels, die Leute um ihre Erinnerungen an das Jahr 1996 zu bitten (man kann noch bis morgen mitmachen!). Je nachdem wie ergiebig das ist, werde ich weitere Fragen stellen – wie zum Beispiel über die ersten Schritte im damals noch brandneuen Internet. Denn all diese Themen sind geradezu prädestiniert für die berühmte Schwarmintelligenz. Allein könnte ich niemals die individuellen Erinnerungen zusammentragen, die hinterher einen Charakter wie meine Hauptfigur ausmachen sollen. Allein würde ich mich schnell in meiner eigenen Blase drehen. Aber so habe ich die Chance, das große Wabern vor der Entwicklung der Geschichten mit vielen Denkanstößen und Diskussionen zu verbringen, aus denen dann eine umso lebendigere Welt entstehen kann.

Und das sind in meinen Augen auch schon die wichtigsten Ressourcen für die Recherche zum einem Roman: Das eigene Leben, Experten wie mein Physiotherapeut, Bücher und Websites zum Thema und nicht zuletzt die Leserinnen und Leser selbst.

Die Gretchenfrage

 

Lohnt es sich wirklich, aus dieser Idee einen Roman zu machen?

All die Mühen, das Herzblut, die Zeit und auch das Geld, was nun investiert werden muss, sollte auf fruchtbaren Boden fallen. Die Idee muss einen Roman von mindestens zweihundert Seiten tragen. Zum Autor passen. Vor allem natürlich Leserinnen und Leser ansprechen. Es ist unmöglich, zu solch einem frühen Zeitpunkt mit Gewissheit sagen zu können, dass die Frau, die nach zwanzig Jahren Koma erwacht, das alles leisten kann. Es gibt aber Argumente dafür: Es ist ein zeitgenössisches, aber in der Form trotzdem originelles Thema. Es wird im Kern eine emotionale Liebesgeschichte geben, was traditionell viele Leserinnen anzieht. Es gibt viel Raum für Humor – eine meiner Stärken als Autor. Und die Idee hat den Wegguck-Test bestanden.

 

Der Wegguck-Test?

Immer wenn ich eine neue Idee für eine Geschichte habe, suche ich mir ein paar Leute, denen ich sie kurz erzähle. Freunde, Kollegen, manchmal auch flüchtige Begegnungen bei einer Party. Mir geht es dabei nicht darum, was sie zu der Idee sagen – das kann immer geschönt oder höflich sein. Sondern darum, was sie tun, während ich erzähle. Denn wenn sie nach zwei Sätzen bereits gucken, wer noch so auf der Party ist oder ob es eine neue Nachricht auf dem Handy gibt, dann hat die Idee sie nicht gepackt. Schauen sie mich aber die ganze Zeit an, dann gibt es auf jeden Fall etwas, was sie interessiert. Der Test ist keine Garantie, aber ein hilfreiches Indiz. Bei der Koma-Frau hat niemand weggeschaut.

 

Freue ich mich aufs Schreiben?

Natürlich muss der Köder dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Und natürlich sollte ein professioneller Autor in der Lage sein, gezielt für ein Publikum zu schreiben, selbst wenn ihn die Geschichte nicht vom Hocker reißt. Aber bei den Werken, die ich auch selbst veröffentliche, schreibe ich nur, was mir Spaß macht. Nur so kann ich die Extrastunden mit ungewissem Payback verantworten. Nur so kann ich meine Persönlichkeit und das berühmte Herzblut in einen Text gießen. Deswegen ist ein weiterer Test vor meinem persönlichen Go die Frage, ob sich sofort die Schleusen öffnen. Die Schleusen mit den vielen kleinen Ideen, die später die Geschichte ausmachen werden. Was passiert, wenn ich die Grundidee eine Weile in meinem Kopf bewege – beim Spazieren, unter der Dusche, vor dem Einschlafen? Und auch da habe ich bei der Koma-Frau festgestellt: Läuft. Es kommt ein Einfall nach dem anderen, ich schmunzle viel, ich freue mich aufs Schreiben. Ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten.

 

Passt es zu Vanessa Mansini?

AutorenduoMeine Zeit als Autor ist kostbar. Meine Familie und ich leben davon. Also muss ich auch strategisch denken. Klar, ich würde ich auch gerne mal einen Thriller schreiben. Aber ich habe mir in den letzten Jahren mit dem Pseudonym Vanessa Mansini eine Leserschaft aufgebaut. Im Bereich Romantik und Humor. Mit einem Genrewechsel würde ich fast bei Null anfangen. Das ist mit diesem Projekt nicht mein Ziel. Doch bei dieser Frage gibt es schnell Entwarnung: Die Koma-Frau ist ein geradezu klassischer Vanessa-Mansini-Stoff. Ich vollende damit sogar eine Trilogie, die ich hier mal „aufwachende Frauen“ nennen möchte. In „Im falschen Film“ erwacht zu Beginn Trixi nach einem Autounfall und hat ihre Erinnerungen verloren. In „Als ich eines Morgens mich selbst traf“ erwacht Annika durch die Geräusche ihrer eigenen Doppelgängerin. Und nun erwacht Misses Noname aus einem extrem langen Koma. Wenn man Vanessas Debütroman „Nicht von dieser Welt“ mit der Liebe zu einem Außerirdischen noch hinzunimmt, ergibt sich ein klares Muster: Liebesgeschichten mit einer ungewöhnlichen, fast phantastischen Prämisse. Die neue Idee passt in dieses Schema. Die Leserinnen und Leser bekommen das, was draufsteht: Vanessa Mansini.

 

Grünes Licht

Ein großer Vorteil der Arbeit als Selfpublisher ist ja, dass die Wege vom Autor zum Verlagschef extrem kurz sind. Der Autor hat nun seine Idee vorgestellt, erläutert und gegen mögliche Einwände verteidigt. Der Verlagschef – Stratege, aber auch Bauchmensch – hat ein gutes Gefühl und sieht Potential. Also gibt es grünes Licht. Das Projekt rollt.

 

(Im nächsten Beitrag geht es um die nun einsetzende Recherche.)

Die Idee

Am Anfang jedes Schreibprozesses steht eine Idee. Viel mehr gibt es für meinen neuen Vanessa-Mansini-Roman noch nicht, aber da ich ja im Rahmen von Projekt Backstage von Beginn an alles teilen will, fangen wir auch hier mit der Idee an. Wohlgemerkt: Das ist kein Klappentext. Es kann im fertigen Roman ganz anders werden. Vorgestellt wird hier sowieso nur ein Teilaspekt der späteren Geschichte. Die Figuren haben nicht einmal Namen. Aber im Kern weiß ich genau, was ich gerne erzählen möchte:

 

Liebe in Zeiten des Internets

Es geht um eine Frau, die völlig überraschend nach zwanzig Jahren Koma erwacht. Als sie „den Unfall“ hatte, war sie siebzehn. Heute ist sie siebenunddreißig. Ihre große Liebe von damals ist heute mit ihrer besten Freundin von damals verheiratet. Gemeinsam haben die beiden ein Kind. Genau das wollte und will unsere Hauptfigur eigentlich auch. Der Clou: Die Frau hat mehr oder weniger das komplette Internet verschlafen. Ihre Welt ist 1996 stehen geblieben. In dem Jahr habe ich meine erste E-Mail versendet. Internetseiten waren noch eine Rarität. Social Media noch überhaupt nicht erfunden. Und nun bekommt die arme Frau als erstes Tinder auf einem Smartphone unter die Nase gehalten. Sie muss sich plötzlich im Schnelldurchlauf mit Online-Dating und anderen „Errungenschaften“ der neuen Welt auseinandersetzen, denn die Uhr tickt gewaltig.

 

1996 vs. 2016

1996 Filmstudium in Ludwigsburg - Standfoto meines ersten Kurzfilms mit mir selbst in der Hauptrolle

1996 Filmstudium in Ludwigsburg – Standfoto meines ersten Kurzfilms mit mir selbst in der Hauptrolle

Für mich ist dies eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. In der die Protagonistin von der Jugendlichen zur Erwachsenen reifen muss. Mit dem besonderen Twist, dass dies in einem atemberaubenden Schnelldurchlauf geschehen wird. Denn während sie im Kopf noch siebzehn ist, nimmt ihre Umgebung sie längst als ausgereifte Frau war, die in Bezug auf die Familiengründung „spät dran“ ist. Mal ganz zu schweigen von einer Ausbildung. Gleichzeitig gibt es durch diese Konstellation die Möglichkeit, die heutige Gesellschaft und vor allem den Einfluss der Vernetzung kritisch aber auch mit Humor unter die Lupe zu nehmen. Quasi durch den frischen Blick eines Außenseiters. Man kann als Leser dann auch mal innehalten und schauen was sich in den letzten zwanzig Jahren eigentlich in unserer Welt getan hat. Und was nicht. Das reizt mich an dieser Idee. Mal sehen, was sich aus ihr nun machen lässt …

(Weiter geht es mit der wichtigsten Frage vor dem Start.)

Backstage

Heute in vier Monaten veröffentliche ich einen neuen Roman unter meinem Pseudonym Vanessa Mansini. Zumindest ist das der Plan. Bisher gibt es nur eine Grundidee, ein paar vage Vorstellungen für die Figuren und die Handlung sowie viele kleine Einfälle, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht in dem Roman landen sollen. Und es gibt ein mögliches Veröffentlichungsdatum. Mehr existiert allerdings nicht. Noch nicht einmal ein Titel. Aber warum schreibe ich dann über dieses ungelegte Ei? Soll man doch nicht. So früh. Ganz einfach: Ich werde ab jetzt jeden Schritt bei der Erstellung und Veröffentlichung dieses Romans öffentlich vollziehen. In meinem Projekt Backstage.

 

Warum tue ich mir das an?

Ich bin Autor und ich bin Verleger. Ich bin Selfpublisher. Das ist nach wie vor eine relativ junge Spezies auf dem Buchmarkt, über die die meisten Menschen noch nicht allzu viel wissen. Ein Buch als Selfpublisher zu schreiben und es seine Leserinnen und Leser finden zu lassen, ist ein komplexer, selten in allen Punkten vorhersehbarer, aber doch auch ganz unterhaltsamer Prozess. Ich möchte einmal versuchen, alle, die es interessiert, daran teilhaben zu lassen. Es gibt von Leserseite immer wieder Interesse an dem „Wie?“, an dem Blick hinter die Kulissen. Es gibt neu einsteigende oder auch erfahrene Autorinnen und Autoren, die sich gerne für die eigene Arbeit inspirieren lassen wollen oder den Diskurs suchen. Nicht zuletzt erfülle ich das, was ich selbst auf die Frage „Wann startet das Marketing für ein neues Buch?“ stets antworte: Sobald man mit dem Schreiben beginnt.

 

Was genau ist geplant bei diesem Striptease?

In meinem Blog werde ich in loser Folge die einzelnen Schritte der Romangeburt aus meiner sehr subjektiven Sicht schildern. Live. Was für mich als Autor notwendig und wichtig ist. Was es für den Verleger in mir zu beachten gibt. Es wird kein How-to, sondern eher ein My-way. Und auch wenn ich immer wieder versuchen möchte, Leserinnen und Leser einzubinden und interaktiv zu sein wie wild, wird es doch kein Gemeinschaftsprojekt werden, sondern der Blick über die Schulter. Dafür wird man alles miterleben können. Die Ideen, das Scheitern, das Umdenken, die Rettungen, das Zittern am Tag der Veröffentlichung. Man wird sogar verfolgen können, wie sich die Schreibarbeit in mein Leben einfügt. Denn in den vier Monaten steht auch eine Arbeitssitzung für die „Lindenstraße“ an, Arbeit an Drehbüchern, zwei Reisen mit meiner Familie, von denen zumindest eine von mir auch als Schreibcamp benutzt werden wird. Wer hier mitliest, wird immer dabei sein. Ich werde zudem dieses und jenes ausprobieren, werde die Social Media Klaviatur versuchen zu bespielen, werden auf Fragen antworten, wenn immer es mir möglich ist. Und es wird noch (mindestens) zwei weitere Raketenstufen geben, die nach und nach gezündet werden:

 

Mit der Facebook-Gruppe in die Autorenseele schauen

Es wird in ein paar Wochen – nach den ersten Vorarbeiten – eine geschlossene Facebookgruppe geben, in der als Ergänzung zu den Blogberichten intensiv mit mir über die Handlung des neuen Romans diskutiert werden kann. Dort gebe ich preis, wie ich bei der Entwicklung einer Geschichte und der Figuren vorgehe. Am ganz konkreten Beispiel. Natürlich wird dies ein einziger Spoiler werden, weswegen die Gruppe geschlossen sein soll. Und da ich dort auch Umfragen starten und Feedback annehmen möchte, wird die Bereitschaft zu einer aktiven Teilnahme Voraussetzung sein. Mehr dazu gibt es, wenn es soweit ist. Aber auch hier im Blog werde ich natürlich über die wichtigen Entscheidungen und großen Schritte des kreativen Prozesses berichten. (UPDATE 25.06.: Die Gruppe gibt es mittlerweile – alle Informationen darüber findet man hier.)

 

Schreiben zum Mitlesen

Wenn dann schließlich die konkrete Schreibphase startet, gehe ich noch einen Schritt weiter: Über die Seite fortschrift.net von Matthias Matting wird man regelmäßig die gerade geschriebenen Seiten lesen können. Unlektoriert, direkt aus meiner Tastatur. In einem Zustand, der sich noch deutlich ändern kann. Mit all meinen „bla-bla“ und „hier muss noch eine witzige Situation rein“. Work-in-progress in Reinform. Dort mitzulesen wird kostenpflichtig sein, dafür beinhaltet der Preis aber auch das fertige eBook. Alle anderen Berichte über meine Arbeit im Rahmen des Projekts Backstage werden stets kostenlos sein.

 

Angst was zu verpassen?

Wer jetzt schon vor Aufregung unruhig auf dem Stuhl hin- und herrutscht, sollte die Facebookseite meines Alter Egos Vanessa Mansini liken, denn dort werden alle Aktivitäten des Projekts Backstage stets als erstes angekündigt und verlinkt. Man kann auch diesen Blog abonnieren – siehe Startseite rechts oben.

 

Los geht’s!

Eins muss klar sein: Ich habe selbst keine Ahnung, wie das alles laufen wird. Weder mit dem Projekt Backstage noch mit dem Roman selbst. Das Schreiben und auch das Veröffentlichen eines Romans ist kein linearer Prozess. Kreativität ist ebenso wenig planbar wie Erfolg. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es Umwege geben wird. Überraschungen. Dass so manches nicht läuft wie geplant. Und was am Ende herauskommt, ist heute am ersten offiziellen Tag dieses Projekt noch vollkommen offen. Ich weiß noch nicht einmal, ob es ein Happy End geben wird. Aber genau das ist ja der Spaß dabei.

 

Im nächsten Beitrag verrate ich dann meine Idee für den Roman …

Meine Termine auf der Leipziger Buchmesse 2016

Wo kann man Michael Meisheit / Vanessa Mansini auf der Leipziger Buchmesse treffen?

LBM 2015 LieblingsautorenZunächst einmal gehöre ich zu den Lieblingsautoren, die auch dieses Jahr wieder einen sehr schönen Stand in Halle 5 (D204) haben werden.

Dort werde ich von Donnerstag bis Sonntag immer wieder mal anzutreffen sein. Auf jeden Fall findet man dort meine Bücher.

Wer aber sicher gehen will, findet mich bei folgenden Veranstaltungen:

Freitag, 18.03.

13:00 Uhr – Autorengespräch: Der Self-Publisher als Selbst-Vermarkter (Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

13:30 Uhr – Nachgefragt: Was Sie schon immer von erfolgreichen KDP Autoren wissen wollten
(Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

16:00 Uhr – Buchbloggertreffen mit den Lieblingsautoren (Halle 5 D204)

 

Samstag, 19.03.

12:00 Uhr – Lesung Vanessa Mansini aus der neuen Folge von L.I.E.B.E. 
(Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

14:00 Uhr – Nachgefragt: Was Sie schon immer von erfolgreichen KDP Autoren wissen wollten 
(Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

16:00 Uhr – Meet&Greet mit Vanessa Mansini, Hannah Siebern und Babsy Tom bei den Lieblingsautoren (Halle 5 D204)

 

Sonntag, 20.03.

10:00 Uhr bis 12:00 Uhr – Großes Frühschoppen mit allen Lieblingsautoren bei Sekt, Saft und Cupcakes (Halle 5 D204)

13:00 Uhr – Bestseller-Express
 – Welcher Pitch hat das Zeug zum Bestseller u.a. mit Michael Meisheit in der Jury (Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

15:00 Uhr – Nachgefragt: Was Sie schon immer von erfolgreichen KDP Autoren wissen wollten 
(Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

15:30 Uhr – Siegerehrung Bestseller-Express (Halle 5 D206 – Amazon-Stand)

Nachtrag: Amazon, die Manipulation und ich

Mein letzter Blogbeitrag über die „Drohung“ von Amazon, Autoren das Veröffentlichen von Büchern zu untersagen, die Gutscheine für Rezensionsexempare an Blogger oder Leser verschicken, hat recht weite Kreise gezogen. Amazon hat sich in der vergangenen Woche bei mir und auch vielen anderen vorher „bedrohten“ Autoren gemeldet, um die Situation aus deren Sicht zu erklären und auch um sich für die Wortwahl zu entschuldigen.

Als Erklärung für die gelöschten Rezensionen wurde auf die Rezensionsrichtlinien verwiesen. (Interessanterweise wurde auf die in der ersten Mail nicht direkt verwiesen, sondern nur auf allgemeinere Hilfeseiten bei Author Central.) Im Mittelpunkt stehen nun folgende Formulierungen der Richtlinien:

„Bietet man Kunden im Voraus ein kostenfreies oder preisreduziertes Produkt im Austausch für eine Rezension an, muss klar ersichtlich sein, dass sowohl positives als auch negatives Feedback willkommen ist. Sollten Sie als Rezensent ein kostenfreies oder preisreduziertes Produkt im Austausch für Ihre Rezension erhalten haben, müssen Sie dies klar und gut ersichtlich deklarieren.“

Das wurde nun in der neuen Mail von Amazon folgendermaßen konkretisiert: „Beim Versand des Gutscheins müssen Sie also klarstellen, dass sowohl positives als auch negatives Feedback willkommen ist. Außerdem muss der Rezensent in der Rezension erwähnen, dass er das Buch gratis erhalten hat, um zu verhindern, dass die Rezension gelöscht wird.“

Formell wurde also seitens Amazon nichts falsch gemacht und man hätte es als Autor wissen können, wenn man die Richtlinien studiert hätte. Ich bezweifle zwar, dass Amazon alle Rezensionen und auch alle Nachrichten (!) an Gutscheinempfänger wirklich liest, aber natürlich muss man das nun einfach mal so hinnehmen und – wenn man weiter mit Gutscheinen operieren will – auch befolgen. Gerade in meinem Fall ist es etwas unschön. Denn ich verschicke die Gutscheine weniger an Blogger, sondern in der Regel eher als Dankeschön an Testleser oder an Gewinner von Preisausschreiben – die dafür gar nicht mal eine Rezension schreiben müssen (aber es natürlich auch manchmal tun). Denen muss ich nun immer einen längeren Disclaimer in die Nachricht schreiben. Und das obwohl ich durch diesen Weg ja transparenter bin als alle Autoren, die per Mail, Post oder gar Überweisung kostenlose Bücher zur Verfügung stellen …

Abschließend sei aber auch gesagt, dass Amazon sich für die unglückliche Formulierung bzw. Drohung in der Mail entschuldigt hat. Diese wäre zustande gekommen, weil es ein Standardmail war. Aber man würde sicherlich niemandem, der „aus Unwissenheit etwas falsch gemacht hat“, das Veröffentlichen auf Amazon verbieten wollen …

Amazon unterstellt mir als Autor Manipulation

Vor einigen Wochen bekam ich eine Mail von Amazon:

„Guten Tag, wir haben bemerkt, dass Sie möglicherweise einige Produktbewertungen manipuliert haben. Autoren bei amazon.de dürfen Bewertungen und Feedback nicht manipulieren. Wenn dieses Problem weiterhin auftritt, können wir Ihnen nicht erlauben, bei amazon.de zu verkaufen. Mehr über diese Richtlinie erfahren Sie in der Auhtor Central Hilfe. Freundliche Grüße, Verkäufer Performance Amazon Services“

Bumm. Ich war mir keiner Schuld bewusst. Aber die Drohung, dass ich – wenn ich was-auch-immer nicht sein lasse – keine Bücher mehr über Amazon verkaufen darf, ist natürlich ein starkes Stück. Also habe ich in einer freundlichen Antwort nachgehakt, um was es geht. Meine Mail kam zurück. „Adress rejected.“

Tatsächlich hielt ich es erst noch für eine Spam-Nachricht, aber dann erzählten mir Autorenkollegen, dass sie dieselbe Mail erhalten hatten. Gleichzeitig vermissten wir alle plötzlich ein paar Rezensionen bei einiger unserer Bücher. Ein System hinter den Löschungen war nicht erkennbar. Der Link zur Hilfe keine Hilfe, denn keine dieser Rezensionen enthielt „obszöne oder geschmacklose Kommentare“ und was sonst noch als Ausschlusskriterium verkündet wurde.

Was war passiert?

Amazon GutscheinNach mehrfachem Nachhaken an unterschiedlichen Stellen gab es dann endlich eine Auskunft: Amazon bestrafte es, dass die betroffenen Autoren Amazon-Gutscheine an Blogger oder Testleser verschickt und diese dann hinterher eine Rezension geschrieben hatten. DAS galt als Manipulation. Aha.

Wir sprechen hier allerdings nicht von 50-Euro-Gutscheinen mit der Nachricht „Und bitte wieder fünf Sterne – wie immer“, sondern von 99 Cent für ein eBook, das danach in der Regel auch gekauft wurde. Und natürlich kann der Empfänger rezensieren, wie er will. Oft genug werden es auch mal keine fünf Sterne. Ein klassisches Rezensionsexemplar eben – das für viele Autoren, alle Verlage und auch Amazon selbst zur PR-Arbeit für ein Buch dazu gehört.

Sind Gutscheine böse?

Warum mailt man das eBook nicht? Viele Leute schaffen es technisch nicht, eine per Mail gesendete MOBI-Datei auf ihren Kindle zu bekommen. Zudem würde bei der entsprechenden Rezension dann ja auch kein „verifizierter Kauf“ stehen, so dass die Rezension gleich weniger gewichtet würde. Und was könnte transparenter sein, als das System von Amazon selbst für dieses Rezensionsexemplar zu verwenden? Aber Amazon sieht es nun als „Manipulationsverdacht“. Dabei könnten sie es selbst vereinfachen mit einer Funktion, durch die Autoren kostenlose eBooks innerhalb des Systems versenden könnten, wie bei ebook.de.

Der größte Witz ist aber: Taschenbücher, die man über Amazon auf eigene Kosten an Rezensenten schicken lässt, sind laut Aussage des Supports völlig in Ordnung. Auf der oben verlinkten Hilfe-Seite steht sogar explizit, dass Rezensionen verboten sind, „für die es eine Vergütung gibt, die DIE ÜBER EIN KOSTENLOSES REZENSIONSEXEMPLAR HINAUSGEHT.“ Und Amazon macht mit seinem Vine-Programm exakt dasselbe für viele andere Produkte. Es bestraft nun also Autoren, die das System Amazon für PR-Arbeit nutzen, die wiederum das System Amazon bei anderen Produkten in gleicher Form anwendet.

Und auch wenn ich die Androhung, dass man mich keine Bücher mehr veröffentlichen lässt, nie ernst genommen habe, schmerzen schon die verlorenen Rezensionen. Vor allem weil die Rezensenten sich Arbeit gemacht haben und ganz sicher nicht noch einmal etwas über meine Bücher schreiben werden. Das ist das Gegenteil von Kundenbindung.

Was sagt Amazon?

Die gute Nachricht ist, dass das Problem bei der deutschen Abteilung von KDP nun bekannt ist, dort genauso kritisch gesehen wird und man am Rande der Buchmesse in Frankfurt versprochen hat, sich mit den entsprechenden Abteilungen im Haus auseinanderzusetzen. Aber die Mühlen in dem großen Konzern mahlen langsam.

Da die betroffenen Rezensionen teilweise über ein Jahr alt waren bzw. ich zum Beispiel seit März gar keine Gutscheine mehr verschickt hatte, liegt auch nahe, dass das Problem nicht durch uns deutschen Autoren entstanden ist, sondern eher durch den aktuellen amerikanischen Skandal um die Seite Fiverr, über die tatsächlich massenweise Manipulationen stattgefunden haben. Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, wenn Manipulationen bei Rezensionen verhindert werden. Aber man sollte dabei nicht die Autoren mit dem Bade auskippen. Ich würde es auch sofort akzeptieren, wenn Amazon als Hausherr das Versenden von Gutscheinen an Leser grundsätzlich untersagt. Aber das müsste dann konsequent passieren und vor allem kommuniziert werden.

Fazit

Allen Autoren sei geraten, bis auf Weiteres keine Amazon-Gutscheine an Menschen zu verschicken, die Rezensionen bei Amazon geschrieben haben oder schreiben wollen. Sollte jemand eine ähnliche Mail wie die obige bekommen (gerade heute wurden wieder welche verschickt), dann tief durchatmen und kein Panik bekommen. Bisher durften noch alle weiter mitmachen. Sobald es neue Information zu diesem Thema seitens Amazon gibt, werde ich den Beitrag hier aktualisieren. Natürlich in der Hoffnung, dass Amazon das Ganze sowieso öffentlich und gut vernehmbar erläutert …

UPDATE (22.11.2015):

Amazon hat sich mittlerweile per Mail bei den betroffenen Autoren gemeldet. Hier mein Nachtrag dazu.