Der Insider

Ein Roman, der rund um eine Fernsehserienproduktion spielt und von einem Serienautor handelt, dessen Leben immer mehr zur Seifenoper wird. Geschrieben von einem Drehbuchautor, der seit 15 Jahren für die „Lindenstraße“ schreibt. Da liegt die Frage nah: Wieviel „Lindenstraße“ findet man in meinem Erstlingsroman „Soap“? Die Antwort ist einfach: Es gibt keine einzige Figur in dem Roman, die der Realität entnommen ist. Es gibt keine Ereignisse mit realem Vorbild. Die fiktive Serie heißt „Schöneberg“, spielt in Berlin und wird dort gedreht. Alles ist also anders. Und dennoch wird man nach dem Lesen so viel über das Entstehen einer Folge „Lindenstraße“ wissen wie nie zuvor.

Als ich den Roman geschrieben habe, hatte ich kurz zuvor 39,90 von Beigbeder gelesen. Ein Insider schreibt eine Abrechnung mit der Werbeindustrie – verpackt als Roman. Eine Provokation, die Beigbeder seinen Job bei einer Werbeagentur gekostet hat. „Soap“ wird keine Abrechnung mit der „Lindenstraße“ sein, es ist längst nicht so provokativ und aggressiv. Und meinen Job wird es mich hoffentlich auch nicht kosten. Aber das Prinzip mit komplett fiktiven Figuren und Handlungen einen Einblick in das zu geben, was einen Drehbuchautor beschäftigt, hat mich von Anfang an gereizt. Das Thema „Soap“ sollte sich auf so vielen Ebenen wie möglich wiederfinden. So sind es dann z.B. 26 Kapitel geworden (26 Drehbücher sind eine Drehbuchstaffel). Jedes Kapitel endet mit einem mehr oder weniger klassischen Cliffhanger. Und im Leben des jungen Autors kommt so ziemlich jedes Soaptypische Drama vor – meist überraschend variiert. Parallel zum Stolpern durch sein neues Leben beschreibt er die verschiedenen Abläufe seiner Arbeit bzw. die Funktionsmechanismen einer dramatischen Serie. Es gibt dabei ganze Abschnitte, aus denen ich auch hier Blogbeitrage über die „Lindenstraße“ machen könnte …

Natürlich hatte ich nach dem Schreiben auch ein wenig Sorge, was denn meine Kollegen von diesem Einblick in unsere Welt halten würden. Deswegen habe ich allen sehr frühzeitig etwas zu lesen gegeben. Das Feedback war sehr positiv – Probleme hatte niemand. Faszinierend war allerdings, wie selbst meine Autorenkollegen sofort mit den Spekulationen begannen, wer denn für welche Figur das Vorbild gewesen sein könnte. Autorenkollegen, die selbst Figuren erfinden und eigentlich wissen müssten, dass man sich Figuren auch komplett ausdenken kann mit Bausteinen von zig realen Menschen, Begegnung und Ereignissen. Aber natürlich führt solch ein „Insiderbericht“ zu diesen Spekulationen. Was mir nur recht sein kann.

Am größten war meine Sorge, was der Chef selbst von „Soap“ halten würde. Schließlich kann man bei den Autoren oder Schauspielern Alter, Geschlecht usw. so variieren, das wirklich niemand wiederzuerkennen ist. Aber es gibt im Roman nur einen Produzenten, den offensichtlichen Chef vom Ganzen Walter Christoph, der dazu auch noch eine unrühmliche Rolle spielt. Entsprechend nervös wartete ich auf die Reaktion von Geißendörfer. Als dieser seine Antwortmail mit „Walter“ unterschrieb, wusste ich recht schnell, dass er sich nicht angegriffen fühlte, sondern großen Spaß beim Lesen hatte. Er hat mich dann auch bei den Versuchen, das Manuskript an den Mann zu bringen, sehr unterstützt.

Das ist damals im Sande verlaufen, wie ich bereits berichtete, weswegen ich mich nun endlich daran mache, das Werk selbst an die Öffentlichkeit zu bringen. Endlich hab ich nun die Zeit, mich der Überarbeitung zu widmen. Und sobald ich zufrieden bin, werde ich – immer begleitet durch die Leser dieses Blog – darüber nachdenken, wie ich den Roman rausbringe. Die Möglichkeit sind zahlreich: Von „selbst drucken lassen und aus der Garage raus verschicken“ bis hin zu „nur als E-Book bei amazon reinstellen“, ist alles denkbar. Wir werden sehen.

EINE kleine Begebenheit im Roman hat allerdings doch ein reales Vorbild. Es geht um Beispiele, weswegen Autoren manchmal kurzfristig etwas umschreiben müssen. Ein Schauspieler hat in einer Drehpause Langeweile und legt sein Gesicht auf einen Fotokopierer, um ein „lustiges Bild“ von sich zu machen. Dummerweise mit geöffneten Augen, weswegen diese ernsthaften Schaden nehmen und er für mehrere Tage nichts sieht und drehunfähig ist. Noch wochenlang hängen überall in der Produktion Kopien dieses wunderbaren Selbstportraits an den Wänden und Türen. Und jetzt kann man ja mal raten, wem vor vielen Jahren bei der „Lindenstraße“ tatsächlich dieses kleine Missgeschick unterlaufen ist …

7 Kommentare

Anja

Ach herrjee, mir fällt sofort der Nossek ein, aber das wäre woh ein bisschen zuuuu billig, oder? 😉

Aber ich habe mir am Anfang des heutigen Blogs auch gedacht: was sagt HWG zu Deinem Roman? Wobei ich mir natürlich dachte, dass dieser Mann viel Humor haben muss. Sonst hätte er die LIndenstraße auch nicht mit soviel Herzblut so lang am Leben erhalten können. Nennst Du ihn jetzt heimlich „Walter“? 🙂

Ich überlege gerade, ob man den Lesern dieses Buches dann raten sollte, jedes Kapitel mit einer kleinen Pause zum nächsten zu lesen – damit eben dieser Cliffhanger-Effekt so richtig rüberkommt. Wenn man sofort weiterliest (was wie immer bei guten Büchern sehr verlockend ist), kommt dieser Effekt nicht so zustande. Aber wie will man das als Autor auch steuern? Naja, war nur ne blöde Idee…

Ich glaub, ich muss mal weg vom PC für heute 🙂

LG

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Michael

Ne, Nossek ist ganz kalt … (Aber wäre auch witzig.)

Nein, ich gönne es den Lesern, dass sie einfach mal nach einem Cliffhanger “weiterschauen” können. Das ist dann auch das richtige Autoren-Feeling. Wir lesen nämlich auch immer 26 Folgen am Stück. Heute ist das Paket mit den Erstfassungen gekommen …

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Zora

Hach, bin ich gespannt auf den Roman. Toll, dass dieses Projekt wieder zum Leben erweckt wurde 🙂
Die Kopiereraktion? Ich musste irgendwie gleich an Willi Herren alias Olli Klatt denken.

LG

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Andrea

Wer dieses Ereignis sich ansehen will, muss sich nur die 2. dvd box kaufen. dort ist ein special drauf von den dreharbeiten, dort wird drüber geredet dass willi herren sein gesicht auf den kopierer gelegt hat, das bild wird sogar gezeigt

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