Luft holen

In den letzten Wochen ist es etwas ruhiger geworden hier im Blog und bei meinen Aktivitäten als Selfpublisher. Das liegt vordergründig natürlich daran, dass ich für zwei Wochen auf einer Arbeitssitzung versunken war („Soap“-Leser werden wissen, was das bedeutet). Aber es hat auch damit zu tun, dass ein wenig Ernüchterung eingetreten ist. Die paradoxerweise mit dem Erfolg meiner kleinen eBook-Kurztextsammlung „Irgendwas ist immer“ zu tun hat.

Es ist so: Seit Ende November wirble ich in jeder freien Minute für meinen Debütroman „Soap“ mit vielen kreativen Ideen, Unterstützung von zahlreichen mir völlig unbekannten tollen Menschen und auch der ein oder anderen Investition. Die Verkäufe liefen dabei – besonders am Anfang – für einen Selbstverleger sehr gut. Aber wenn ich nun sehe, dass ich mit „Irgendwas ist immer“ in drei Wochen mehr eBooks verkaufe als mit „Soap“ in vier Monaten, muss ich natürlich schon einmal meine Strategie hinterfragen.

Denn anders als für „Soap“ habe ich für „Irgendwas ist immer“ so gut wie keine Werbung oder Aktionen gemacht. Sondern mich auf ein einziges Marketinginstrument gestützt: Eine Kostenlos-Aktion bei Amazon. Die bloße Präsenz in den Rängen und Listen bei Amazon (und diese ist nicht einmal SO gut!), hat in knapp drei Wochen zu 209 Verkäufen und 61 Ausleihen von „Irgendwas ist immer“ geführt. In den letzten Tagen haben die Verkäufe etwas nachgelassen und das eBook ist zum ersten Mal unter den Verkaufsrang 1000 gefallen, aber dennoch ist dies für eine Sammlung von alten Kurztexten ein erstaunliches Ergebnis.

Sicher hat die Diskrepanz zu „Soap“ auch etwas mit einer anderen Erkenntnis zu tun, die zwar nicht überraschend kommt, aber doch deutlicher als erwartet ausfällt: „Soap“ ist kein Buch, das sich einfach verkauft. Es liegt zwischen den Genres und hat ein Thema, das viele Leute auf den ersten Blick nicht interessiert. Gerade Leser, die keine Soaps gucken oder mögen, fühlen sich nicht angesprochen. Auch wenn diese interessanterweise am Meisten begeistert sind, wenn sie es dann doch gelesen haben. Die Kritiken sind entsprechend gut. 40 Rezensionen auf Amazon – mit einem Schnitt von 4.6 – sind bei einem Buch, das sich noch keine 400 Mal verkauft hat, rekordverdächtig. Das hat mancher Bestseller nicht. Aber auch das reicht eben oft nicht, um bei oberflächlicher Betrachtung des Werkes den Haben-wollen-Impuls auszulösen.

Nun stehen Wochen an, in denen ich in meiner eigentlichen Profession als Drehbuchautor einiges zu tun habe. Bei der „Lindenstraße“ stehen verschiedenen Arbeitsschritte an. Bei meinem Sambia-Spielfilmprojekt sieht es nach einem Dreh in diesem Frühsommer aus – hier werden sicher letzte Änderungen notwendig sein. Und es gibt auch noch ein spannendes Geheimprojekt. Also werde ich meine Aktivitäten rund um „Soap“ ein wenig zurückfahren. Sicher nicht einstellen, es sind noch einige Aktionen geplant wie z.B. die ungewöhnliche Lesung im Second Life am nächsten Sonntag, auf die ich mich sehr freue. Aber dennoch muss ich mir abtrainieren, stündlich Verkaufszahlen, Likes und Besucherzahlen zu checken. Und auch mal ein paar Tage mit meiner Familie einfach nur ausruhen.

Aber natürlich brodelt es in mir. Denn ein Ziel – vielleicht das Wichtigste – haben die Aktivitäten der letzten Monate schon erreicht: Ich habe wahnsinnig viel gelernt über das „Geschäft“ eines Selbstverlegers. Und ich bin angefixt, liebe die Freiheiten, die neuen Möglichkeiten, das Pioniergefühl. Ich habe zahlreiche Ideen für neue Projekte, die auf Realisation warten. Ich brenne darauf, neue Werke zu verfassen. Geschichten zu erzählen, wie man sie nur in einem Roman erzählen kann. Mit Formen und Texten zu experimentieren. Und das gesammelte Wissen über das Selfpublishing dann strategisch sinnvoll einzusetzen. Denn wir leben in aufregenden Zeiten für Autoren. Wäre doch gelacht, wenn sich daraus nichts machen ließe …

 

Soap Dusche

P.S.: Noch bis Freitag läuft der Wettbewerb „Gewinne einen Autor„. Auch hier wird trotz viel Begeisterung  kaum mitgemacht – die Leute scheinen von Preisen und / oder der Aufgabe erschlagen. Dabei ist es so einfach, wie eine Mitstreiterin heute mit ein paar witzigen Fotos auf ihrer Facebook-Seite gezeigt hat. Ich würde mir ein Loch in den Bauch freuen, wenn sich noch ein paar Leute finden, die gerne von mir bekocht werden wollen! Das wird echt lecker! 🙂

 

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