E-Book-Serien in Zeiten von Kindle Unlimited

Ich habe einen Höllenritt hinter mir. In den letzten Wochen habe ich jeweils eine Folge meiner eBook-Serie „Im falschen Film“ geschrieben, eine Folge überarbeitet und eine Folge veröffentlicht. Ich bin für insgesamt acht Wochen tief in die Welt von Trixi abgetaucht, habe mein Umfeld einer Belastungsprobe ausgesetzt und meinen Mitstreitern – vor allem meiner großartigen Korrektorin Dorothea Kenneweg – alles abverlangt. Und? War es das wert? Hier mein Fazit.

Vor der Veröffentlichung der sechs neuen Folge bzw. der dritten Staffel von „Im falschen Film“ habe ich in einem Blogbeitrag vor allem zwei Fragen gestellt: „Bringen die vielen Fans „Im falschen Film 3“ Woche für Woche in die Top 100? Und bekommt dadurch die ganze Serie noch einmal so viel Aufmerksamkeit, dass vielleicht sogar ganz neue Leserinnen und Leser gewonnen werden können?“
Nachdem nun fünf Folgen erschienen sind und die Veröffentlichung der Gesamtausgabe unmittelbar bevorsteht, kann ich diese Fragen ganz klar mit „Ja und Nein“ beantworten.

Die Fan-Basis rockt

3.4 49 und AufsteigerEs ist großartig, eine Fan-Basis zu haben. Vor allem weil in den letzten Wochen kein Tag vergangen ist, an dem nicht ein Leser Begeisterung für Trixis Abenteuer gezeigt hat oder es kaum aushalten konnte, bis es weiterging. Das Feedback ist wirklich toll und alleine schon wert, dass ich die dritte Staffel geschrieben habe. Aber auch der erhoffte Effekt für das Ranking hat sich eingestellt: Alle fünf Folgen landeten am Erscheinungstag in den Top 100 der Kindle-Charts und waren zudem Aufsteiger des Tages. Treue und begeisterte Fans verleihen einem bei Amazon die in meinen Augen essentielle Sichtbarkeit. Keine Überraschung, aber schön, wenn man es selbst erlebt.

Serien haben es nach wie vor schwer

Sichtbarkeit ist essentiell. Ja. Aber bei einer Serie ist auch sie kein Garant dafür, dass alles klappt. Denn obwohl alle Folgen so hoch standen und zumindest für ein paar Tage sehr präsent waren, hatte dies wenige Auswirkungen auf die ersten beiden Staffeln von „Im falschen Film“. Selbst nachdem ich die erste Staffel auf 99 Cent gesetzt habe, ergaben sich nur moderate Steigerungen bei den Käufen – statt im Schnitt 15 eBooks am Tag gingen ca. 20 über den virtuellen Ladentisch. Es konnten also bisher nicht im großen Maße komplett neue Leser neugierig auf die Serie gemacht werden. Natürlich war letztlich die Sichtbarkeit pro Folge jeweils nur von kurzer Dauer, aber meine Hoffnungen wurden in dem Fall trotzdem nicht erfüllt.

Kindle Unlimited ist der „Dealbreaker“

Eigentlich sind die beiden oben genannten Erkenntnisse keine Überraschung. Das „Ja“ bei der Frage nach der Wirkung der Fan-Basis war ein wichtiger Grund, warum ich die Staffel angegangen bin. Das „Nein“ bei der relativ begrenzten Wirkung einer dritten Staffel auf die Gesamtverkäufe war der Grund, warum ich sie ursprünglich nicht machen wollte. Denn der mögliche Verdienst hält sich in Grenzen, was ich bisher auch deutlich gesehen habe. Insgesamt habe ich von den fünf Folgen bisher knapp 3000 Einzelfolgen verkauft. Bei einem Verdienst von 30 Cent pro Folge sind damit nicht einmal meine Ausgaben für Cover, Korrektorat und Konvertierung reingeholt. Das hatte ich befürchtet. Und auch wenn das baldige Erscheinen der Gesamtausgabe die Staffel zumindest in den Gewinnbereich bringen wird, wäre dies alleine recht frustrierend für jemanden, der vom Schreiben lebt. ABER wir haben ja neuerdings Kindle Unlimited. Und auch wenn ich generell die meiste Kritik an dem neuen Angebot von Amazon aus Autorensicht teile, war es für mich ein Segen. Denn neben den 3000 Verkäufen hatte ich bisher auch 1300 Ausleihen, die mit mehr als einem Euro pro Leihe entgeltet werden. Und ich profitiere deutlich von einer zusätzlichen „Spielerei“, die Amazon für unzufriedene Autoren eingeführt hat. Den Kindle Unlimited All-Star.

Ich bin ein Kindle Unlimited All-Star, lasst mich da drin!

Als Kindle Unlimited All-Star werden die Selfpublisher bei Amazon belohnt, die innerhalb eines Monats besonders viel verkaufen UND verleihen. Man ist nur dabei, wenn man bei Kindle Unlimited mitmacht, also die entsprechenden eBooks in der Regel exklusiv bei Amazon verkauft. In der Selfpublisher-Bibel wird das System ausführlich erläutert. Da es für die Zählweise wurscht ist, wie teuer das eBook ist, war mein Seriensystem Gold wert. Obwohl ich in Sachen Einnahmen sicher nicht mit den derzeitigen Größen der Branche mithalten kann, landete ich bereits im November (mit nur zwei veröffentlichten Folgen) in der Top 100 der All-Stars. Nun habe ich ein Sternchen an meinen Büchern und einen Bonus von 1500 Euro, der meine Einnahmen in besagtem Monat mehr oder weniger verdoppelt hat. Im Dezember habe ich bereits jetzt deutlich mehr verkauft / verliehen und peile damit unter Umständen einen noch höheren Bonus an – wenn Amazon das System so beibehält. (Dumm nur, dass Amazon sowohl die Bezahlung für eine Leihe als auch die Boni jeden Monat neu bestimmt, was jegliche Planbarkeit zunichte macht.)

Die Gesamtausgabe Heiligabend für 89 Cent

Im falschen Film 3Insgesamt bin ich also jetzt schon zufrieden damit, wie die dritte Staffel gelaufen ist. Ich werde nicht reich damit, aber Einnahmen, die auch meine Arbeitszeit entlohnen, zeichnen sich ab, das tolle Feedback der Leserinnen und Leser geht runter wie Öl und das Schreiben hat einfach verdammt viel Spaß gemacht.

Und nun habe ich noch eine kleine Chance auf einen echten Erfolg. Dafür setzte ich noch einmal alles auf eine Karte: Wie auch schon bei der ersten Staffel erscheint die Gesamtausgabe mit allen Folgen einen Tag vor der mit Spannung erwarteten letzten Folge. Und sie wird es für 24 Stunden für 89 Cent (statt 3.99 Euro) geben. Als Weihnachtsgeschenk für alle Fans, aber auch, weil ich mit damit die Krönung der Sichtbarkeit erhoffe: Die Top 20 der Kindle-Charts. Bei Staffel 1 hat das Manöver sogar zu Platz 5 geführt, aber das ist bei einer Fortsetzung und vor allem im traditionell sehr starken Weihnachtsgeschäft sicher nicht zu erwarten. Doch mit einem Top-20-Titel in dieser Zeit und dem gleichzeitigen Angebot (für alle Weihnachtstage) bei den anderen Staffeln, habe ich die kleine Hoffnung, noch einmal neue Leserinnen und Leser zu finden. Wir werden es sehen (und hier darüber lesen) …

Und damit schließe ich dann auch mit einer Bitte an meine Leserinnen und Leser: Habt keine Scheu, das Weihnachtsangebot zu nutzen. Jeder, der am Heiligabend die Folge vergünstigt kauft (oder besser noch leiht!) tut mir einen Gefallen und hilft der Geschichte von Trixi. Hier der Link zum Supersonderangebot … Danke!

8 Kommentare

Sam

Ich finde Deine Zahlen immer total spannend!
Zumal ich selber im November ein Buch rausgebracht hat, dass sich seitdem zwar nur knapp 400 mal verkauft hab (Hälfte Amazon, Hälfte andere Kanäle), bei dem ich dafür aber je nach Zwischenhändler so ab €4 pro Verkauf verdiene.
Das hat immerhin gereicht um das Lektorat zu bezahlen 🙂

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Sam

Bei Amazon sogar deutlich mehr – der Verkaufspreis von 7,99 macht es möglich. Ist halt ein Sachbuch, da gelten andere Grenzen.
Wobei ich verdammt neugierig wäre, wie sich das Buch für 4,99 verkauft hätte. Aber das zu testen ist für mich kaum möglich, ich schreibe ja nur ca. ein Buch pro Jahr…

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Laura Newman

Also das war ja extrem spannend und ich kann mir vorstellen, dass das Projekt eine nervenaufreibende Mischung aus Spaß und Ausdauer war 😀
Wirklich super, dass du deine Strategien und Ergebnisse mit uns teilst!
Frohe Weihnachten!

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Manfred F. Schreyer

Lieber Michael, sehr interessant mal zu lesen, was andere Autoren zu machen und verdienen. Mein erstes Sachbuch, 400 Seiten stark war bisher ein Flopp, jetzt habe ich angefangen eine Serie rauszubringen, jeweils 3,33 je Buch, Sachbücher über Ernährung. Das erste Buch hatte ich zwei Tage als kostenloses Angebot geschaltet mit der Amazonaktion und das wurde immerhin knapp 900 mal abgerufen. Ob das Auswirkungen auf Band 2 hat, der heute rausgekommen ist, kann ich nicht sagen.
Ich habe eine technische Frage und hoffe, Sie können mir vielleicht einen Tipp geben.
Die Serie heisst Love Carb statt Low Carb, wobei ich das „statt“ wahrscheinlich gegen eine kleine Überleitung austausche wie „das moderne, gesunde ….“
Meine Bücher erscheinen aber nicht als Serie zusammen.
Band 1 = Kohlenhydrate
Band 2 = Proteine
steht so im Coverbild
Bei den Buchdetails habe ich als Buchtitel „Love Carb statt Low Carb“ eingetragen,
als Untertitel „Gesunde leben und abnehmen“
Dann angeklickt, dass das Buch zu einer Serie gehört und
bei Band 1 als Serientitel „Kohlenhydrate“ und als Band „1“ eingetragen
und bei Band 2 als Serientitel „Proteine“ und als Band „2“
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich was falsch mache und die Hilfe von Amazon hilft mir nicht wirklich.
Haben Sie vielleicht eine Idee, weil Sie ja bereits Serien veröffentlichen, auch wenn es keine Sachbücher sind?
Muss ich in der OTC.ncx oder der merge.opf Datei irgendwas eintragen.

Ich wäre begeistert, wenn Sie mir helfen könnten.

Vielen Dank und Ihnen viel Erfolg bei Ihren Büchern.

Manfred F. Schreyer

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Michael

Hallo! Gerne an Michael schreiben, Vanessa ist ja nur mein Pseudonym. 🙂 Was die Seriendarstellung auf Amazon angeht: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, weil ich sie bisher nicht nutze. Meine Bücher haben ja die 1, 2 oder 3 im Titel, das hat mir bisher gereicht. Vielleicht mal in der Selfpublishing-Gruppe auf Facebook nachfragen – da sind sicher Leute, die das ausprobiert haben.
https://www.facebook.com/groups/184413921615603/

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Manfred F. Schreyer

Sorry habe nicht gesehen dass auf dem Buchcover Vanessa steht, sondern nur dass Michael oben auf der Seite als Autor steht. Ich weiss also gar nicht, wen ich jetzt angesprochen habe.

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