Die Idee

Am Anfang jedes Schreibprozesses steht eine Idee. Viel mehr gibt es für meinen neuen Vanessa-Mansini-Roman noch nicht, aber da ich ja im Rahmen von Projekt Backstage von Beginn an alles teilen will, fangen wir auch hier mit der Idee an. Wohlgemerkt: Das ist kein Klappentext. Es kann im fertigen Roman ganz anders werden. Vorgestellt wird hier sowieso nur ein Teilaspekt der späteren Geschichte. Die Figuren haben nicht einmal Namen. Aber im Kern weiß ich genau, was ich gerne erzählen möchte:

Liebe in Zeiten des Internets

Es geht um eine Frau, die völlig überraschend nach zwanzig Jahren Koma erwacht. Als sie „den Unfall“ hatte, war sie siebzehn. Heute ist sie siebenunddreißig. Ihre große Liebe von damals ist heute mit ihrer besten Freundin von damals verheiratet. Gemeinsam haben die beiden ein Kind. Genau das wollte und will unsere Hauptfigur eigentlich auch. Der Clou: Die Frau hat mehr oder weniger das komplette Internet verschlafen. Ihre Welt ist 1996 stehen geblieben. In dem Jahr habe ich meine erste E-Mail versendet. Internetseiten waren noch eine Rarität. Social Media noch überhaupt nicht erfunden. Und nun bekommt die arme Frau als erstes Tinder auf einem Smartphone unter die Nase gehalten. Sie muss sich plötzlich im Schnelldurchlauf mit Online-Dating und anderen „Errungenschaften“ der neuen Welt auseinandersetzen, denn die Uhr tickt gewaltig.

 

1996 vs. 2016

1996 Filmstudium in Ludwigsburg - Standfoto meines ersten Kurzfilms mit mir selbst in der Hauptrolle

1996 Filmstudium in Ludwigsburg – Standfoto meines ersten Kurzfilms mit mir selbst in der Hauptrolle

Für mich ist dies eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. In der die Protagonistin von der Jugendlichen zur Erwachsenen reifen muss. Mit dem besonderen Twist, dass dies in einem atemberaubenden Schnelldurchlauf geschehen wird. Denn während sie im Kopf noch siebzehn ist, nimmt ihre Umgebung sie längst als ausgereifte Frau war, die in Bezug auf die Familiengründung „spät dran“ ist. Mal ganz zu schweigen von einer Ausbildung. Gleichzeitig gibt es durch diese Konstellation die Möglichkeit, die heutige Gesellschaft und vor allem den Einfluss der Vernetzung kritisch aber auch mit Humor unter die Lupe zu nehmen. Quasi durch den frischen Blick eines Außenseiters. Man kann als Leser dann auch mal innehalten und schauen was sich in den letzten zwanzig Jahren eigentlich in unserer Welt getan hat. Und was nicht. Das reizt mich an dieser Idee. Mal sehen, was sich aus ihr nun machen lässt …

4 Kommentare

qraf

Ich musste irgendwie sofort an „Der letzte Bulle“ denken, der genau das gleiche Thema, nur mit anderem Geschlecht behandelt: bester Freund heiratet die große Liebe, mit Smartphones weiß er nichts anzufangen usw.
Natürlich kann man eine Grundidee aber auf die verschiedensten Arten erzählen, daher bin ich gespannt, ob im Endprodukt dann der Schwerpunkt auf ganz anderen Aspekten liegt als bei der Fernsehserie.

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Michael

Auf der einen Seite gibt es da sicher Parallelen, auf der anderen Seite ist es ein anderes Geschlecht, Genre und Format. 🙂 Also bin ich zuversichtlich, dass sich genügend neue Erzählmöglichkeiten ergeben. Und: Ich hab’s nie gesehen, also werde ich zumindest nicht Gefahr laufen, einfach etwas zu übernehmen.

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Nora Bendzko

„auf der anderen Seite ist es ein anderes Geschlecht“

Genau deswegen bin ich von der Idee überzeugt: Dass sich ein männlicher Charakter plötzlich mit einer hochmodernen Welt herumschlagen muss, ist im komödiantischen Bereich schon mehrfach geschrieben worden – aber eben nicht mit einer Frau.

Was macht den Unterschied? Dass frau nicht einfach nur verwirrt herumstolpert, sondern sich gleichzeitig mit den für sie „obligatorischen“ Erwartungen der Gesellschaft – was ist jetzt mit Kindern und Ehemann? – herumschlagen muss. Dazu noch der Freund, der jetzt mit einer anderen verheiratet ist … Das stelle ich mir als einen konflikt- und humorreichen Melting Pot mit einer Menge Möglichkeiten vor 😉

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