Im falschen Film – Funktionieren eBook-Serien?

Mitte Dezember 2013 startete ich meine eBook-Serie „Im falschen Film“, von der im Abstand von je zwei Wochen insgesamt sechs Folgen erschienen sind. Fortlaufende Erzählungen von je 70 Seiten mit starken Cliffhangern – wie bei einer Fernsehserie. Zum niedrigstmöglichen Preis von 89 Cent. Auch wenn es nicht die erste eBook-Serie dieser Art war, so gibt es nur wenige Projekte, die ähnlich konsequent das Modell Serie ausprobiert haben. Und kaum eine davon kann den Erfolg vorweisen, den „Im falschen Film“ nun hatte. Dennoch würde ich derzeit nach den gemachten Erfahrungen eher von diesem Modell abraten, denn die Leserinnen und Leser tun sich damit sehr schwer. Hier meine Analyse.

Die Einzelfolgen

Cover Gesamtausgabe

Bereits zum Erscheinen der dritten und der fünften Folge habe ich jeweils ein Zwischenfazit gezogen (hier und hier). Kernaussage in beiden Beiträgen war, dass es trotz sehr guter Amazon-Kundenbewertungen, trotz ausgefeilter Werbung und trotz auffällig stark wachsender Fanbasis – in der Mailingliste und bei Facebook – sehr mühselig war, die einzelnen Folgen der Serie zu verkaufen. Nur mit Hilfe einer Kostenlosaktion zu Weihnachten (mit 6.800 Downloads) kam die Serie überhaupt ins Laufen und selbst Platzierungen in den Top 100 der Kindle-Verkaufscharts hatten für die Einzelfolgen kaum Verkaufsschübe zur Folge. Doch immerhin verkaufte ich mit den ersten fünf Folgen insgesamt 9.340 eBooks zu je 89 Cent – im Schnitt also über 2.000 Exemplare pro Folge. Das Ergebnis lag über meinem Minimalziel, aber gemessen daran, wie niedrig der Preis war und wie gut die Serie inhaltlich ankam, war es immer noch etwas verhalten.

Der Trick mit der Gesamtausgabe

Deswegen hatte ich mich entschlossen mit Erscheinen der sechsten und vorerst letzten Folge Mitte Februar gleichzeitig eine Gesamtausgabe mit allen Folgen zu veröffentlichen und einen besonderen „Trick“ anzuwenden. Die Gesamtausgabe – ein eBook mit immerhin 400 Seiten – sollte regulär 3.99 Euro kosten.

Jedoch bot ich sie für nur einen einzigen Tag VOR Erscheinen des sechsten Teils für 89 Cent an. Damit wollte ich zweierlei erreichen: Ersten sollten die Fans der Serie, die bereits alle Folgen gekauft hatten und gespannt auf den letzten Teil warteten, ein kleines Geschenk erhalten: Nämlich die komplette Sammlung zum Preis einer normalen Folgen (ein Bonuskapitel war auch dabei). Und zweitens sollte mit diesem sehr attraktiven Preis, der nur 24 Stunden galt, ein enormer Verkaufsschub erreicht werden, um das Buch sofort hoch in die Verkaufscharts zu schleudern.

Platz 5

Der Plan ging hervorragend auf: Nach einem Tag hatte ich 800 Exemplare verkauft und das eBook befand sich auf Platz 5 der Kindlecharts. Dies waren natürlich traumhafte Startvoraussetzungen für ein eBook. Nachdem ich den Preis dann hochgesetzt hatte, verkaufte es sich auch für 3.99 gut weiter und blieb 22 Tage in der Top 100. Trotzdem habe ich in den letzten Wochen auch hier festgestellt: Das Buch rutschte schneller ab als vergleichbare Bücher in dem Genre, die teilweise nicht so gut bewertet waren. Für mich gibt es dafür zwei Erklärungsansätze:

Erstens ist der Preis gerade bei Romance-Büchern von Selfpublishern in der Regel bei 2.99 zu finden, die zudem oft mit vielen Preisaktionen begleitet werden. 3.99 ist für einen Liebesroman also eher hoch.

Zweitens bringt natürlich auch die Gesamtausgabe immer noch das Seriengefühl mit sich. Im Klappentext und in der Leseprobe wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine Serie handelt – die auch noch fortgesetzt wird. Und hier sind viele Leserinnen und Leser nach wie sehr vorsichtig.

Die Zahlen: Einzelfolgen vs. Gesamtausgaben

Auch nach der Veröffentlichung der Gesamtausgabe haben sich interessanterweise die Einzelfolgen weiterverkauft. Bis heute sind es insgesamt 13.440 Verkäufe. Das heißt, dass im Schnitt gut 2.200 eBooks pro Folge verkauft wurden. Die sechste Folge hat deutlich weniger verkauft (weil dann ja schon die Gesamtausgabe da war), so dass es bei der Verkaufsstärksten Folge 2 schon knapp 3.000 Verkäufe sind.

Die Gesamtausgabe für 3.99 hat bis heute 4650 Verkäufe erzielt. Also mehr als doppelt so viel wie die Einzelfolgen im Schnitt. Und auch wenn es durch den „Verkaufstrick“ einige Serienkäufer gab, die nur wegen des Angebots die Gesamtausgabe gekauft haben, wird ziemlich deutlich, dass es einfacher ist, ein „normales“ Buch zu verkaufen als die diversen Einzelfolgen.

Die Cover 1-6

Fazit zur ersten Staffel

Die ersten Staffel von „Im falschen Film“ war für mich ein Erfolg. Natürlich bin ich durch meinen Kindle-Hit „Nicht von dieser Welt“, der mittlerweile fast 30.000 Mal verkauft wurde, etwas verwöhnt, aber kombinierte 6.000 – 6.500 Leserinnen und Leser für das Experiment „Im falschen Film“ sind schon eine große Hausnummer. Besonders da ich bei meiner Analyse des eBook-Serien-Markts kaum eine (vergleichbare) Serie gefunden habe, die diese Zahlen aufweisen konnte. Der letzte Erfolg in dieser Richtung war Jonas Winners „Berlin Gothic“ und das war 2011.

Für mich von unschätzbarem Wert ist allerdings der intensive Kontakt zu den Leserinnen und Lesern, der durch „Im falschen Film“ aufgebaut werden konnte. Meine Mailingliste ist von 100 auf knapp 600 Abonnenten gewachsen. Die Facebook-Seite von „Im falschen Film“ hat über 400 Likes und eine sehr aktive Gefolgschaft. Die Serie zieht also die Leserinnen und Leser überdurchschnittlich in ihren Bann und die stetig lauter werdenden Beschwerden, warum es denn nicht endlich weitergeht, zeigen, dass die Welt meiner Hauptfigur Trixi gerne besucht wird …

Konsequenzen für die zweite Staffel

Indie Autor PreisIn den letzten Wochen bin ich mit der zweiten Staffel nicht so vorangekommen, wie ich das ursprünglich geplant hatte. Eine Fortsetzung ab Mitte April ließ sich nicht realisieren. Grund dafür war Zusatzarbeit als Drehbuchautor, aber auch der extrem erfreuliche Gewinn des Indie-Autor-Preis 2014 mit „Nicht von dieser Welt“ und damit verbunden eine ereignisreiche Zeit auf der Leipziger Buchmesse.

Doch nun steht die zweite Staffel an. Der Start ist für Mitte Mai geplant. Allerdings ziehe ich Konsequenzen aus den Erfahrungen mit der ersten Staffel und werde sie nicht wieder als Serie mit sechs einzelnen eBooks veröffentlichen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dies wegen der Leservorlieben, dem damit verbundenen Mehraufwand von sechs Veröffentlichungszeitpunkten, aber auch den geringeren Einnahmen durch die Tantiemenregelung von Amazon (bei 89 Cent bekomme ich nur 35% anstatt 70%) einfach der für mich schlechtere Weg ist.

Anstelle dessen wird es nun zwei eBooks mit je 200 Seiten (und je drei Folgen) geben, die von vornherein und auch auf absehbare Zeit 2.99 Euro kosten werden. Das erste eBook erscheint Mitte Mai, das zweite voraussichtlich Mitte Juni. Insgesamt wird es vom Umfang her, vom Spannungsaufbau mit Cliffhangern und natürlich auch bezüglich des Mix’ aus Liebe, Humor und Spannung dieselbe Art Erzählung sein wie in der ersten Staffel. Nur die „Darreichungsform“ hat sich leicht verändert.

Leicht ist mir die Entscheidung nicht gefallen, denn ich persönlich mochte den Erzählrhythmus und habe mit Freude gesehen, dass ich einige zunächst skeptische Leute davon überzeugen konnte. Letztlich muss ich aber auch versuchen, die Arbeit zu reduzieren und die Einnahmen zu optimieren – denn ich habe nicht nur deutliche Ausgaben für Cover, Korrektorat, Werbung usw., sondern lehne auch immer wieder Arbeit als Drehbuchautor zugunsten von „Im falschen Film“ ab. Würde aber Amazon ein anderes Tantiemenmodell anbieten oder gar so etwas wie eine Abonnement-Funktion (einmal zahlen, alle Folge automatisch erhalten), würde ich die Folgenweise Veröffentlichung wahrscheinlich beibehalten.

Interessant wird sein, wie es sich nun bei der zweiten Staffel auswirkt, dass es nur eine recht begrenzte Zielgruppe gibt – denn wer die erste Staffel nicht gelesen hat, wird wahrscheinlich nicht zugreifen. Gleichzeitig gibt es eine hohe Zahl von Fans, die kaum erwarten können, dass endlich wieder etwas passiert im Leben von Trixi. Diese Mischung scheint das Verkaufspotential klar vorzugeben, aber in den nächsten Tagen werde ich auch noch einmal mit einem ungewöhnlichen Gewinnspiel versuchen, die erste Staffel zu pushen. Denn eins habe ich mir klar vorgegeben: Die Verkaufszahlen des ersten eBooks der neuen Staffel werden darüber entscheiden, ob die Geschichte von Trixi im zweiten eBook der Staffel zu einem Ende kommen oder ob es gar im Herbst eine dritte Staffel geben wird. Genügend Erzählstoff wäre noch vorhanden. Die Resonanz der Leserinnen und Leser wird entscheiden …

 

 

3 Kommentare

Markus

Hallo Michael,

ich trage mich mit dem Gedanken, eine Urban-Fantasy-Serie als Self-Publisher zu veröffentlichen und finde deine Ausführungen sehr interessant. Mir fallen zwei Fragen ein:

1. Du hattest in einem anderen Artikel Überlegungen angestellt über einen Versuch mit einem Distributor. Die zahlen doch z. T. bei niedrigpreisen Titeln mehr Tantiemen aus als Amazon selbst. Wäre das hier nicht günstiger?

2. Funktioniert die Vorbestellfunktion von Amazon bei der Serie nicht gut?

Schöne Grüße

Antworten
Michael

Lieber Markus,

1. Das hatte ich tatsächlich überlegt, vor allem wegen der besseren Tantiemen-Aussichten. Ich habe mich dann dagegen entschieden, weil ich für dieses Experiment eine hohe Flexibilität haben wollte. Tatsächlich habe ich gerade am Anfang oft den Klappentext gewechselt, spontan über Weihnachten (wo man keinen Distributor der Welt erreicht hätte) eine Kostenlosaktion eingelegt und immer sehr genau die Verkaufszahlen im Blick gehabt, um reagieren zu können. Das hätte ich auch mit einem echt schnellen und guten Distributor alles nicht machen können.
Und was ich oben in der Kürze des Beitrags „verschwiegen“ habe: Unter den Verkäufen befanden sich auch 350 Ausleihen, die man ja nur bekommt, wenn man exklusiv bei Amazon ist. Und da ich für die fast das Fünffache an Tantiemen von einer verkauften Folge bekomme (bei 89 Cent Verkaufspreis), hatte es sogar finanzielle Vorteile. Wobei ich das vorher nicht eingeplant hatte – im Leben hätte ich nicht gedacht, dass so viele Leute ein eBook für 89 Cent leihen …

2. Vorbestellungen haben ein Problem: Sie fehlen Dir am ersten Verkaufstag für die Berechnung Deines Rankings. Und da ich immer sehr auf den Knalleffekt und sofortigen Sprung in die Top 100 gesetzt habe – mit Erfolg – hätte mir das eher geschadet als genutzt.

Schönen Abend noch!

Antworten
Markus

Hallo noch einmal,

danke für die ausführliche Antwort. Da ich bisher nur theoretische Überlegungen angestellt habe und über keine praktische Erfahrung im Self-Publishing verfüge, sind deine Ausführungen sehr erhellend.

Dass eBooks mit einem Preis unter 1 Euro so zahlreich ausgeliehen werden, hätte ich auch niemals gedacht. Deswegen war ich bis jetzt der Meinung, für eine Serie mit 99-Cent-Titeln zwangsläufig einen Distributor zu benötigen. Aber nun werde ich mir über KDP noch einmal Gedanken machen.

Viel Erfolg für Staffel 2

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