Amazon unterstellt mir als Autor Manipulation

Vor einigen Wochen bekam ich eine Mail von Amazon:

„Guten Tag, wir haben bemerkt, dass Sie möglicherweise einige Produktbewertungen manipuliert haben. Autoren bei amazon.de dürfen Bewertungen und Feedback nicht manipulieren. Wenn dieses Problem weiterhin auftritt, können wir Ihnen nicht erlauben, bei amazon.de zu verkaufen. Mehr über diese Richtlinie erfahren Sie in der Auhtor Central Hilfe. Freundliche Grüße, Verkäufer Performance Amazon Services“

Bumm. Ich war mir keiner Schuld bewusst. Aber die Drohung, dass ich – wenn ich was-auch-immer nicht sein lasse – keine Bücher mehr über Amazon verkaufen darf, ist natürlich ein starkes Stück. Also habe ich in einer freundlichen Antwort nachgehakt, um was es geht. Meine Mail kam zurück. „Adress rejected.“

Tatsächlich hielt ich es erst noch für eine Spam-Nachricht, aber dann erzählten mir Autorenkollegen, dass sie dieselbe Mail erhalten hatten. Gleichzeitig vermissten wir alle plötzlich ein paar Rezensionen bei einiger unserer Bücher. Ein System hinter den Löschungen war nicht erkennbar. Der Link zur Hilfe keine Hilfe, denn keine dieser Rezensionen enthielt „obszöne oder geschmacklose Kommentare“ und was sonst noch als Ausschlusskriterium verkündet wurde.

Was war passiert?

Amazon GutscheinNach mehrfachem Nachhaken an unterschiedlichen Stellen gab es dann endlich eine Auskunft: Amazon bestrafte es, dass die betroffenen Autoren Amazon-Gutscheine an Blogger oder Testleser verschickt und diese dann hinterher eine Rezension geschrieben hatten. DAS galt als Manipulation. Aha.

Wir sprechen hier allerdings nicht von 50-Euro-Gutscheinen mit der Nachricht „Und bitte wieder fünf Sterne – wie immer“, sondern von 99 Cent für ein eBook, das danach in der Regel auch gekauft wurde. Und natürlich kann der Empfänger rezensieren, wie er will. Oft genug werden es auch mal keine fünf Sterne. Ein klassisches Rezensionsexemplar eben – das für viele Autoren, alle Verlage und auch Amazon selbst zur PR-Arbeit für ein Buch dazu gehört.

Sind Gutscheine böse?

Warum mailt man das eBook nicht? Viele Leute schaffen es technisch nicht, eine per Mail gesendete MOBI-Datei auf ihren Kindle zu bekommen. Zudem würde bei der entsprechenden Rezension dann ja auch kein „verifizierter Kauf“ stehen, so dass die Rezension gleich weniger gewichtet würde. Und was könnte transparenter sein, als das System von Amazon selbst für dieses Rezensionsexemplar zu verwenden? Aber Amazon sieht es nun als „Manipulationsverdacht“. Dabei könnten sie es selbst vereinfachen mit einer Funktion, durch die Autoren kostenlose eBooks innerhalb des Systems versenden könnten, wie bei ebook.de.

Der größte Witz ist aber: Taschenbücher, die man über Amazon auf eigene Kosten an Rezensenten schicken lässt, sind laut Aussage des Supports völlig in Ordnung. Auf der oben verlinkten Hilfe-Seite steht sogar explizit, dass Rezensionen verboten sind, „für die es eine Vergütung gibt, die DIE ÜBER EIN KOSTENLOSES REZENSIONSEXEMPLAR HINAUSGEHT.“ Und Amazon macht mit seinem Vine-Programm exakt dasselbe für viele andere Produkte. Es bestraft nun also Autoren, die das System Amazon für PR-Arbeit nutzen, die wiederum das System Amazon bei anderen Produkten in gleicher Form anwendet.

Und auch wenn ich die Androhung, dass man mich keine Bücher mehr veröffentlichen lässt, nie ernst genommen habe, schmerzen schon die verlorenen Rezensionen. Vor allem weil die Rezensenten sich Arbeit gemacht haben und ganz sicher nicht noch einmal etwas über meine Bücher schreiben werden. Das ist das Gegenteil von Kundenbindung.

Was sagt Amazon?

Die gute Nachricht ist, dass das Problem bei der deutschen Abteilung von KDP nun bekannt ist, dort genauso kritisch gesehen wird und man am Rande der Buchmesse in Frankfurt versprochen hat, sich mit den entsprechenden Abteilungen im Haus auseinanderzusetzen. Aber die Mühlen in dem großen Konzern mahlen langsam.

Da die betroffenen Rezensionen teilweise über ein Jahr alt waren bzw. ich zum Beispiel seit März gar keine Gutscheine mehr verschickt hatte, liegt auch nahe, dass das Problem nicht durch uns deutschen Autoren entstanden ist, sondern eher durch den aktuellen amerikanischen Skandal um die Seite Fiverr, über die tatsächlich massenweise Manipulationen stattgefunden haben. Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, wenn Manipulationen bei Rezensionen verhindert werden. Aber man sollte dabei nicht die Autoren mit dem Bade auskippen. Ich würde es auch sofort akzeptieren, wenn Amazon als Hausherr das Versenden von Gutscheinen an Leser grundsätzlich untersagt. Aber das müsste dann konsequent passieren und vor allem kommuniziert werden.

Fazit

Allen Autoren sei geraten, bis auf Weiteres keine Amazon-Gutscheine an Menschen zu verschicken, die Rezensionen bei Amazon geschrieben haben oder schreiben wollen. Sollte jemand eine ähnliche Mail wie die obige bekommen (gerade heute wurden wieder welche verschickt), dann tief durchatmen und kein Panik bekommen. Bisher durften noch alle weiter mitmachen. Sobald es neue Information zu diesem Thema seitens Amazon gibt, werde ich den Beitrag hier aktualisieren. Natürlich in der Hoffnung, dass Amazon das Ganze sowieso öffentlich und gut vernehmbar erläutert …

UPDATE (22.11.2015):

Amazon hat sich mittlerweile per Mail bei den betroffenen Autoren gemeldet. Hier mein Nachtrag dazu.

11 Kommentare

Thomas Knip

Der Unterschied zwischen dem Taschenbuch und dem eBook ist, dass du das Taschenbuch ganz konkret als Produkt an einen anderen Empfänger schicken kannst.
Für das eBook hingegen nur einen allgemeinen Gutschein, für den sich der Empfänger theoretisch auch etwas ganz anderes kaufen kann.
Und das wäre dann Bestechung. Denn theoretisch könntest du das eBook ja doch per Mail verschickt haben, und der Gutschein wäre prompt eine Vergütung, „die über ein kostenloses Rezensionsexemplar hinausgeht“ …

Der Ball liegt hierbei ganz klar bei Amazon. Das bräuchte einfach nur eine Option einführen, eBooks an andere Kunden liefern zu lassen. Wie eBook.de. Geht alles. Die technischen Unzulänglichkeiten bei Amazon/KDP lassen mich inzwischen immer mehr den Kopf schütteln.

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Michael

Na ja, nach der Logik könnte ich dem Empfänger auch ein zweites Taschenbuch heimlich per Post selbst schicken und er hat dann ja auch einen Geldwerten Vorteil. 🙂 Aber ich stimmte Dir vollkommen zu, dass das System hier nicht funktioniert – anderswo geht es ja mit den ebook-Rezi-Exemplaren, wie Du sagst.

Der problematischste Punkt ist für mich aber sowieso, dass sie dieses „Verbot“ nicht kommunizieren. So dass man bestraft und „bedroht“ wird, ohne eine Ahnung zu haben weswegen …

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Thomas Knip

Würde ich dazu was sagen, müsste ich gegen Amazon polemisieren. 😉

Ich erlebe interessanterweise seit der Buchmesse bei mehreren AutorInnen einen zunehmenden Unmut, gerade wegen der … optimierbaren Kommunikation, Transparenz und Partnerschaft von Amazon zu den KDP-AutorInnen.
Da schneidet aktuell sogar Tolino Media besser ab.

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Michael

Erlebe ich mal so und mal so. 🙂

Aber Deinen Hinweis auf ebook.de habe ich nun noch oben eingebaut. Es könnte so einfach sein … Danke!

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Sahra

Oder man könnte einen 10 Euro Schein mit ins Buch legen, würde dann ja auch aufs selbe rauskommen …

Jürgen Schulze

Leute, das hat doch alles nichts mit Logik zu tun.
Das sind die Ergebnisse automatisch arbeitender Algorithmen, die sich irgendein Programmierer ausgedacht hat.
Keine dieser E-Mails hat bei A. jemals einen Menschen gesehen.
Es ist Willkür, Sippenhaft. Big Brother A. hat uns alle im Würgegriff. Und wehe wir packen eine nackte Frau aufs Cover oder lassen Tante Erna mal ein bisschen loben… dann droht nichts anderes als ein Einkommens- und Arbeitsverbot. Ja, so ist das mit den digitalen Monopolen. Was keiner Kontrolle unterliegt, schafft sich seine eigenen, gewinnoptimierten Regeln.

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Rosemarie Benke-Bursian

Habe gleich mal schnell in mein Postfach geschaut, denn auch ich habe Gutscheine versandt, um die Kosten für ein E-Book-Rezensionsexemplar zu übernehmen.
Bis jetzt habe ich diese Post nicht. Das wäre schon bitter, denn natürlich wäre die Löschung solcher Rezensionen auch bei mir ein Verlust.

Meines Erachtens kann die Begründung, der Rezensent kann sich für den Gutschein ja auch was anderes kaufen, nicht zählen, wenn dann ein verifizierter Verkauf da steht. Denn dann hat er ja – wie auch immer – das Buch bezahlt. Vermutlich genau mit diesem Gutschein.

Einen Verdacht könnte man also nur hegen, wenn der Gutschein über den Betrag hinaus geht. Oder der Kauf nicht verifiziert wurde.

Doch natürlich kann es auch dafür andere Erklärungen geben. Zum Beispiel, dass jemand zwei Bücher rezensiert eines davon aber kein E-Book ist? Oder sich das andere dann doch im Buchhandel vor Ort besorgt, weil es gerade da auslag?
Meine E-Books gibt es nicht nur bei Amazon und nicht alle meine Rezensenten haben einen Kindle sondern haben sich das Buch als ePub an anderer Stelle gekauft. Allerdings konnte ich dort dann weder einen passenden Gutschein ausstellen noch das Buch selbst als Rezensionsexemplar fremd verschicken, also habe ich 2-3x dann doch über Amazon-Gutschein gelöst.

Was Amazon da betreibt ist wirklich unsinnig, denn was sie gerade nicht verhindern können, sind Gefälligkeitsrezensionen.
Mir haben sie z.B. mal vor vielen Jahren eine Rezension gelöscht und eine „Abmahnung“ geschickt, weil der Rezensent eine Namensgleichheit hatte (also einen der Namen aus meinem Dopplenamen), dabei kannte ich den gar nicht. Auch wenn ich keine Allerweltsnamen trage, beide Namensbestandteile kommen genügend häufig vor, dass ich nur mit den wenigsten davon verwandt bin.
Und ich habe mich natürlich gefragt, was machen die mit Autoren, die Müller, Meier, Schmidt heißen?
Doch wenn ein Geschwister den Namen des Ehepartners trägt wird es als unabhängig erkannt oder wer selbst heiratet und seinen Namen ändert, kann dann also die gesamte Ursprungsfamilie ungestraft rezensieren lassen.

Natürlich ist es ein Ärgernis, wenn sich Leute Rezensionen kaufen. Aber Amazon bietet ja auch nicht wirklich Rezensionen sondern Lersermeinungen an. Da kann jeder einen Zweizeiler reinschreiben und es läuft unter Rezension.
Wenn man da Seriosität reinbringen möchte, dann muss man eben mit echten Rezensenten arbeiten, die sich als Rezensenten anmelden und bestimmte Kriterien erfüllen, so wie auf anderen Portalen auch.
Amazon stellt sich selbst ein Bein, weil es das hochtrabende Wort Rezension für nichts anderes als eine simple Lesermeinung verwendet, die häufig wenig fundiert und unqualifiziert eben genau dies tun: Ihre Meinung weitergeben. Man fände das Buch toll, weil da so ein netter Hund drin vorkommt, der an den erinnert, den man mal selbst gehabt u.a.m. Und gibt dieser Bewertung dann über das Sterne-Ranking auch noch eine gleichwertige Bedeutung wie einer anderen, die sich bis ins Detail mit dem Text auseinandersetzt.
Das ist die eigentliche Misere.

Rosemarie

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Miller E-Books

Na Klasse! 🙁

1. Ich schreibe trotz Bettelei von Amazon inzwischen ÜBERHAUPT KEINE Rezensionen mehr für bei Amazon gekaufte Produkte, weil Autoren ja nicht mehr rezensieren sollen und nunmal der Account des Autoren und der des Unternehmens identisch sind – man darf ja nicht zwei Accounts haben.

2. Ich habe für meine eigenen Bücher noch nie Gutscheine verschickt, obwohl das ja hier öfters empfohlen wurde – um das Ranking zu verbessern und das „verifizierter Kauf“-Label zu haben, ohne das Rezensionen eben oft als gefälscht angesehen werden.

3. Auf Bitten von Autoren habe ich allerdings öfters Gutscheine an Rezensenten verschickt. Es ist nunmal üblich, daß die Presse Rezensionsexemplare kostenlos bekommt und anders geht das ja nicht, außer man verschickt .mobi-Dateien. Was Amazon aber auch wieder nicht will und zudem manchen Rezensenten überfordert, weil er nicht weiß, wie er die manuell in seinen Kindle bekommt. Hat Michael ja schon treffend dargestellt.

Nun kam tatsächlich diese E-Mail. Also genau das, was man tun sollte, ist nun falsch.

Während Amazon nichts dagegen unternimmt, dass ein ehemaliger Autor meine Bücher systematisch unter Fake-Accounts mit 1-Sterne-Rezensionen versieht, die Verleumdungen und unwahre Aussagen über meinen Beruf enthalten. Ebenso wurden bereits Bücher meiner Autoren von deren persönlichen Feinden verrissen und diese beschimpft, bevor auch nur ein einziges Buch verkauft war. Doch das entspricht auch nach wiederholter Reklamation den Amazon-Richtlinien: Für eine Rezension muss man weder sachlich bleiben noch das Buch überhaupt gelesen haben, persönliche Animositäten reichen als Qualifikation aus…

Manipulation bei Amazon ist also durchaus erlaubt und erwünscht, solange die Rezensionen negativ sind. 🙁

Erfreulich, wenn KDP Deutschland hier versucht, gegenzusteuern. Gegen die leidigen Haßrezis tun sie allerdings nichts, andere E-Book-Shops allerdings zugegeben auch nicht. Ich denke deshalb auch nicht daran, selbst noch weitere Bücher zu veröffentlichen. Da fehlt mir die offensichtlich notwendige kriminelle Energie dazu.

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Tränenherz

Oha, den Grund wusste ich noch nicht. Bisher sind bei mir noch alle Rezensionen da glaube ich, wo ich nen Exemplar über Amazon bekommen habe, aber gut zu wissen, und gut das es mal wer öffentlich macht. Ich meine Manipulation mag keiner, aber das find ich schon heftig, vor allem wenn da nicht mal mit den Bloggern Rücksprache gehalten wurde.

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