Aus dem Leben eines Autors …

In der letzten Woche gab es ein paar kleinere Ereignisse im Zusammenhang mit meiner Arbeit. Keins davon reicht für einen ganzen Blog-Eintrag. In solchen Fällen wird es auch in Zukunft ein kleines Sammelsurium an Neuigkeiten geben:

Letzten Mittwoch war das Sommerfest des WDRs. Da ich für einige „Lindenstraße“-Termine sowieso in Köln war, hab ich natürlich vorbeigeschaut. Denn das Fest fand in unserer Außenkulisse statt – die man kaum wiedererkannt hat. Hier einige Impressionen des munteren Abends, bei dem ordentlich dem schlechten Wetter und einem mäßigen Halbfinale getrotzt wurde.

Bereits am Nachmittag davor hatte ich ein sehr angenehmes „Lindenstraßen“-Erlebnis: gemeinsam mit meiner Autorenkollegin Irene Fischer durfte ich den Audiokommentar zur Folge 1000 sprechen. Die kommentierte Folge wird auf der DVD-Edition zum 20. Jahr erscheinen, die im November auf den Markt kommt. Wir hatten viel Spaß beim wiedersehen und kommentieren der Folge. Ich denke, das wird rüberkommen!

Nicht so lange warten muss man auf die DVD-Edition zum 18. Jahr, die letzten Freitag erschienen ist. Diese bewerbe ich hier mal besonders, weil es auf ihr als Bonus-Material ein halbstündiges Interview gibt, in dem ich einen Blick hinter die Kulissen der Autorenarbeit zulasse. Gedreht wurde es auf der letzten Storylinesitzung – sozusagen direkt in den heiligen Hallen. Oben in der Gallery gibt es dazu auch einen Screen-Shot!

Heute morgen habe ich dann Jens Mayer ein Interview zum Thema „Serien in Deutschland“ gegeben. Der entsprechende Artikel soll eines Tages im neuen Magazin „torrent“ erscheinen – ein Printmagazin, das sich dem Thema „Serielles Erzählen“ widmet. Und bei mir natürlich offene Türen einrennt – nach Betrachten des Internetauftritts habe ich das Magazin gleich abonniert.

Zwischen alldem arbeite ich weiterhin an den Erstfassungen der „Lindenstraße“-Bücher für den Herbst 2013 …

Wir müssen geduldig sein

Kühe sind aus. Das ist ein echtes Problem. Für meine Frau und mich ungefähr so dramatisch, wie wenn auf der Fanmeile das Bier ausgeht. Es gibt fünf Tiere, die man theoretisch auf den Windeln von Pampers finden kann: Bären, Katzen, Schafe, Küken und eben Kühe. Warum auch immer: Mein Sohn LIEBT die Kühe. Zur Not kann man ihm mal `ne Katze andrehen („die sind sonst ganz traurig“) oder in besonderen Situationen auch ein Schaf („Schaf – Schlaf, also nachts ein Schaf, mh??“). Aber Küken und Bären: Ganz schwierig! Wenn es dann also morgens soweit ist, dass es ans Anziehen geht, die Zeit drängt, weil wir bis neun Uhr im Kindergarten sein müssen, dann darf eins nicht passieren: Dass die Kühe aus sind! Denn mein Sohn hat zur Zeit diese Phase, die der Amerikaner liebevoll als „Terrible Two“ beschreibt: Er hat seinen eigenen Willen entdeckt. Oh ja!

Die einschlägigen Ratgeber wissen natürlich auch hier Rat: Das ist nur eine Phase, eine ganz wichtige sogar. Und je trotziger das Kind, desto deutlicher das Zeichen: Man hat es mit einem selbstbewussten, gesunden Kind zu tun. Das ist doch ein Grund zur Freude. Die sich bei uns naturgemäß in Grenzen hält, wenn man es bis viertel vor Neun dann irgendwie geschafft hat, das komplette Kind (sogar mit einer Katzen-Windel!!) anzuziehen, aber dann an der Wohnungstür ihm nur kurz den Reißverschluss der Jacke zusammenstecken will (um Gottes Willen nicht zumachen!), weil er dafür nun schon zehn Minuten braucht und er dies damit quittiert, schreiend und tobend alles (in Worten: ALLES!) wieder auszuziehen, und vor vorne beginnt. SELBER!

Denn „selber machen“ ist das große Stichwort. Der kleine Mann will zur Zeit ALLES selbst machen. Natürlich im Prinzip ebenfalls super. Und wir sind auch mächtig stolz, wenn er mit noch nicht einmal drei Jahren alleine sein Brot schmiert oder sich ohne jegliche Hilfe die Hände wäscht. Aber er KANN nun mal sein Laufrad nicht vier Treppenstufen alleine runtertragen. Und, sorry, bei mir muss er die Erfahrung nicht machen, sich dabei fürchterlich auf die Fresse zu legen. Dafür bleibt dann ein weiteres Mal nur der letzte Ausweg: Das Kind muss mit dem Auto in den Kindergarten gebracht werden, weil wir es nach gefühlten zehn Tobsuchtsanfällen sonst nicht mehr rechtzeitig schaffen. Und im Auto kann man ihn wenigstens festschnallen! Also man muss ja, nicht wahr?! Die kritischen Blicke der anderen Eltern, warum man die 1000 Meter echt mit dem Auto fährt, ignorier ich schon seit einigen Wochen …

Im Kindergarten erzählt man uns dann auf Nachfrage, dass er dort überhaupt nicht so ist. Kein Auf-den-Boden-schmeißen. Kein Geschrei. Ein Engel! Unseren ratlosen Gesichtern wird entgegnet, dass es tatsächlich eine Auszeichnung ist, dass er nur den Eltern gegenüber diese Durchdreher hat – das zeigt, wie sehr er uns vertraut und liebt. Super. Unser Kind muss uns WAHNSINNIG vertrauen und lieb haben! Damit wir damit besser klar kommen, haben wir nun auf Xavier Naidoo zurückgegriffen. Viele Male haben wir uns „Was wir alleine nicht schaffen …“ vorgespielt. Ich bin kein expliziter Fan von ihm, aber als Mantra für den Hinterkopf hat das Lied eine tolle Wirkung, wenn ein Zweijähriger vor dir steht und seinen Milchbecher schreiend durch die Küche schmeißt, weil er „selber eingeschütten“ wollte.

Richtig schwierig wird es aber natürlich erst in der Öffentlichkeit. Letztens sind wir an einem Freitagnachmittag mit dem Zug von Köln nach Berlin gefahren. Bad Idea. Der Zug war gerammelt voll. Wir hatten zwar einen Tisch reserviert, aber ernteten eine Menge böser Blicke von den Umstehenden, weil unsere Jüngste so gut wie nie auf ihrem Platz saß, sondern eher auf dem Arm gehalten wurde (aus Gründen). Außerdem nahm unser Kinderwagen einen wichtigen Stehplatz weg. Kurz vorm Aussteigen folgende Situation: Mein Sohn war von der langen Fahrt zermürbt und müde, was für Trotzanfälle wie ein Brandbeschleuniger wirkt. Unsere Tochter lag bereits angeschnallt in ihrer Babyschale, was zu einem Schreikrampf ihrerseits führte (keine Trotzphase, einfach nur ein Baby, das nun mal lieber auf dem Arm ist). Und ich hatte mir beim Runterheben des Koffers den Rücken ruiniert. Mein Sohn war bereits sauer, weil er mangels Alternativen beim Wechseln der Windel nur eine mit Bär (!) in der Größe seiner Schwester (!) erhalten hatte und sich seitdem weigerte seine Hose anzuziehen. Und auch wenn ich mittlerweile vollstes Verständnis für die radikale Methode habe, gab es eine schier endlos scheinende Diskussion coram publico mit unseriösen Versprechen (die ganz viel „Shaun das Schaf“ enthielten) und einer Geduld, für die Gandhi mich bewundert hätte, bis das Kind einigermaßen bekleidet war. Der Bahnhof war mittlerweile bereits in Sicht. Und mein Sohn eigentlich ganz ruhig. Es musste nur noch die Jacke angezogen werden. Nur noch die Jacke. Ja, ich hab „kurz“ den Reißverschluss zugemacht. Ich bekenne mich schuldig.

Doof natürlich, dass man sich in einem überfüllten Zug, wo alle in Richtung Ausgang streben, als ob es kein Morgen gäbe, nicht auf den Boden werfen und um sich treten kann, ohne diverse Mitfahrer zu erwischen. In solchen Momenten bin ich froh, meine Frau zu haben. Ich schaute sie an. Sie lächelte. So muss man sich ungefähr fühlen, wenn man im Augen eines Hurrikans ist. Für eine Mini-Sekunde war alles ruhig in mir. Da war nur noch ihr Lächeln und diese Melodie. „Wir müssen geduldig sein, dann dauert es nicht mehr lang. … Wir müssen geduldig sein, dann dauert es nicht mehr lang.“

Christine Schilling

Als meine Mutter durch einen Autounfall erblindete, war sie wenig älter als ich es jetzt bin.

Es war Neujahr, es war Glatteis und die Gurtpflicht wurde erst an jenem Tag eingeführt. Noch ein paar Jahre hatte meine Mutter einen minimalen Sehrest auf einem Augen, aber als ich zwei Jahre alt war, ging auch der verloren. Seitdem ist sie vollkommen im Dunkeln. Dumm natürlich, dass sie nun noch ein Kleinkind hatte und gerade eine Scheidung durchmachte. Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie eine neuerblindete Frau ohne nennenswertes Einkommen allein mit einem Kleinkind ihr Leben meistern kann. Und ich kann es nicht verstehen, obwohl ich dabei war.

Nun, zu meinem Schaden war es nicht. Im Gegenteil: Ich hatte ein sehr schöne Kindheit, weil ich eine Mutter habe, die mich über alles liebt und immer alles möglich gemacht hat, was ich mir wünschte. Wie sie das geschafft hat, ist mir ebenfalls ein Rätsel. Wir hatten kein Geld, aber ich war immer der Erste, der ein Fahrrad hatte, einen Computer oder einen Basketball. Der in jenem Verein oder dieser Gruppe Mitglied wurde. Der verreisen durfte an Orte, in denen meine Mutter ihr ganzes Leben nicht gewesen ist. Der alle Freunde zu sich nach Hause einladen konnte, wo sie stets willkommen waren. Und schauten wir bis in die Morgenstunden NBA-Basketball, war es meine Mutter, die um sechs Uhr fröhlich reinkam, und uns erst einmal einen Kaffee anbot.

Zum Dank dafür hab ich ihr ungefähr eine Pubertät lang das Leben zur Hölle gemacht. Mir gefiel halt nicht, wie sie politisch, moralisch oder was-weiß-ich-wie dachte. Und ich – clever wie ich war – hatte kapiert, dass ich ihr in Diskussionen überlegen war. Was für eine Freude. Muss man wirklich erst von zu Hause ausziehen, um zu kapieren, dass man seine Eltern nicht ändert? Und dass es nicht fair ist, jemandem, der sein Leben lang nur gearbeitet und wirklich unter `ner Menge Scheiß gelitten hat, seine fehlende Bildung oder dergleichen um die Ohren zu hauen?

Nun, natürlich ist es immer noch anstrengend, ihr zuzuhören – so eine komische Mischung aus Religiosität, Konservativismus und Stammtischparolen – aber sie war nun über Weihnachten hier bei mir in Berlin und das war sehr, sehr schön. Ich war froh, ihr einfach ein wenig Gutes tun zu können und ihre Freude zu sehen darüber, „dass aus dem Jung was geworden ist.“ Völlig fassungslos war sie darüber, dass ich die ganze Zeit für sie gekocht habe. Sie stand dann immer in der Küche und wollte auch was machen, und wenn es einfach nur Spülen war. Ich musste sie wirklich abwimmeln und als ich ihr am Schluss gegen ihren Willen für die Zugfahrt noch ein Brötchen gemacht habe, wurde mir klar, dass sich in den letzten 25 Jahren einiges verändert hat.

Außerdem wollte ich ihr ein wenig Berlin zeigen – interessante Aufgabenstellung bei einer Blinden und umgeben von Schneeregen und Matsch. Wir sind dann zum Reichstag gefahren (Ich vorher: „Und zieh dich ja warm an! Wieso hast du denn keinen Schal? Nimm den hier!“) Ich hab ihr alles beschrieben, wir sind um diesen gewaltigen Bau herumgegangen, sie hat dran gefühlt, ich hab erzählt, was ich über die vielen Gebäude und ihre Geschichte weiß und sie hat viel gefragt, immer wieder gesagt, wie schön es ist, dass alles zu erleben und sie war wirklich glücklich.

Das war schön, aber es macht mich auch traurig. Denn daran, wie sehr sie sich über so etwas freut, wie sehr sie staunt und ehrlich glücklich ist über mein Leben, sehe ich nur wieder, wie wenig Geschenke das Leben für sie bereit hatte. Wieviel Unglück und Kummer sie hat ertragen müssen. Und glaubt mir, die Blindheit war nur der offensichtlichste Schicksalsschlag – vielleicht noch nicht einmal der schlimmste. Und trotzdem ist sie glücklich. Warum? Weil es MIR gut geht. Mir. Das ist alles, was für sie zählt. Wahnsinn.

Diesen Text hatte ich Weihnachten 2002 in meinem Online-Tagebuch auf jetzt.de veröffentlicht. Ich poste ihn hier heute noch einmal, weil meine Mutter vor zwei Wochen im Alter von 74 Jahren in Köln gestorben ist. Ich poste ihn unter ihrem Namen, denn wenn man im Internet nach ihr sucht, findet man nur einen einzigen Eintrag, der sich auf sie bezieht. Das möchte ich ändern. 

Fragen? Antworten!

Heute gibt es einen Schwung von Antworten auf einige Fragen von Euch, die hier im Blog gestellt wurden.

„Wenn ihr neue Figuren erschafft, habt ihr ja sicherlich genaue Vorstellungen, wie diese aussehen sollten, welche charakteristischen Merkmale sie haben sollten. Gebt ihr dafür dem Caster genaue Vorgaben oder lasst ihr dem da weitgehend, oder sogar ganz, freie Hand?“

Größere neue Figuren werden immer auf den Storylinesitzungen gemeinsam geschaffen und in der Regel ja auch sofort mit einer Geschichte versehen. Also haben wir nach den zwei Wochen, die wir dort zusammen sitzen, immer schon ein ungefähres Bild, wie die Figur einmal sein soll. Beim Schreiben der Bücher wird das dann konkreter, weil hier die Sprache, die Äußerlichkeiten und die Details hinzukommen.

Meistens wird erst nach den Erst- oder sogar Zweitfassungen der Drehbücher von einem Autor, der sich sehr viel mit der Figur beschäftigt hat, ein Rollenprofil geschrieben – die Grundlage für die Arbeit von Horst D. Scheel (auch bekannt als „Hans-Wilmhelm Hülsch“) – unserem langjährigen, exzellenten Caster. An der letztendlichen Entscheidung, welcher Schauspieler es wird, sind dann aber eine ganze Reihe von Leuten aus der Produktion und vom Sender beteiligt.

„Hast Du als Autor auch schon das richtige Timing beim Schreiben der einzelnen Handlungsstränge einer Folge im Kopf? Sprich, Bild 1 darf nicht länger als 1:50 sein, Bild 2 nur 0:53 usw., damit am Ende des Drehbuchs in der Folge auch alles untergebracht werden konnte, was man erzählen wollte. Nicht dass man dann merkt, dass die einzelnen Szenen doch zu lang waren und man gar nicht alles für eine Folge drehen kann.“

Nein, so genaue Vorstellungen bzw. solch ein Korsett wäre beim Schreiben eher hinderlich – zumindest für meine Art zu arbeiten. Bei mir funktioniert es sehr oft so, dass ich Figuren aufeinander loslasse bzw. eine Situation um sie herum schaffe. Danach schlüpfe ich quasi abwechselnd in die unterschiedlichen Charaktere, um zu sehen, wie sie reagieren. Daraus kann z.B. bei einem Konflikt dann ein seitenlanger Streit entstehen oder ein wütende Verweigerung von selbigem und ein Türenknallendes Davonrennen – je nach Figur und Situation. In dem einem Fall habe ich dann schnell mal eine Zwei-Minuten-Szene, im anderen nur dreißig Sekunden. Die Freiheit, dass ich die Szene instinktiv so oder so laufen lasse, will ich mir auf jeden Fall erhalten.

Es ist aber auch nicht notwendig, eine Punktlandung hinzulegen, da es ja viele Arbeitsstufen gibt. Für mich selbst schreibe ich ja sowieso erst einmal eine Rohfassung. Die kann auch mal zehn Seiten zu lang oder (seltener) fünf zu kurz sein. Dann wird halt gestrichen oder noch etwas dazu erfunden. Dann gibt es ja noch zwei weitere Drehbuchfassungen, in denen man von außen auch Hinweise bekommt, wenn etwas zeitlich sehr aus dem Ruder läuft. Und DANN kommt die Regie dazu mit konkreten Vorstoppzeiten – danach wird dann manchmal auch noch gekürzt oder verlängert. Ja, sogar während des Drehs einer Folge kann man ja noch reagieren – gerade diese Woche habe ich eine Zusatzszene geschrieben, weil eine Folge drohte, zu kurz zu werden. Ach ja, und im Schnitt wird natürlich auch nochmal hier und da gekürzt …

Kommt es auch schon mal vor, dass das Endprodukt, sprich die fertige Folge, völlig anders aussieht, als Du es Dir beim Schreiben vorgestellt hast? Oder ist es generell mehr oder weniger eine Überraschung, wie Schauspieler und Regie die Drehbuchseiten mit Leben füllen?

„Völlig anders“ kommt sehr selten vor – gerade im Vergleich zu Spielfilmen. Das liegt einfach daran, dass die Drehorte und die Schauspieler bzw. deren Art zu spielen ja hinlänglich bekannt sind und ich auch den Stil der meisten Regisseure sehr gut kenne. Auch haben die Regisseure bei uns allein deswegen schon nicht solch einen großen Raum zum „Andersmachen“, weil die Geschichten ja sehr lang laufen und dadurch oft über die Arbeit eines Regisseurs hinausgehen. Man muss sich also relativ eng an die Vorgaben aus dem Drehbuch halten. Im Detail gibt es aber immer wieder Überraschungen, klar. Im Negativen, aber auch im Positiven. Positiv überrascht war ich z.B. schon oft von den jüngeren Schauspielern, die ja keine Profis sind und bei denen man nie weiß, wie sie sich entwickeln. Aber z.B. Caro und Nico oder aber auch jüngst Lea haben mich sehr happy gemacht.

Was sagt Dein privates Umfeld dazu, dass Du für die Lindenstraße schreibst und wie reagieren andere Autorenkollegen auf Deine Tätigkeit in der Listra? Kriegt man da manchmal so einen Stempel aufgesetzt, so nach dem Motto “der schreibt ja ‘nur’ für ne Soap”…?

In meinem privaten Umfeld finden das eigentlich immer alle sehr abgefahren. Jeder kennt sowieso einen, der Hardcore-Fan ist und wie oft ich schon gehört habe: „Ich guck das ja nicht, aber meine Mutter verpasst keine Folge“ kann ich schon nicht mehr zählen. Auch ist es toll, wenn ich jemandem sage, dass ich Drehbücher schreibe und dann diese zaghafte Frage kommt, ob man denn „möglicherweise was davon kennen könnte“. Die meisten Kollegen müssen an der Stelle ausführlich erklären und schauen trotzdem in ratlose Gesichter. Ich sag einfach nur „Lindenstraße“, dann gehen die Augenbrauen hoch und es kommt der Satz mit der „Mutter“.

Bei Autorenkollegen gibt es vielleicht einige, die sagen, „der schreibt ja nur `ne Soap“. Allerdings ist das ein ziemlich kleiner Teil, der dann entweder selbst ziemlich erfolgreich mit Filmen ist und mit Serien nichts anfangen kann. Oder es sind Leute, die vor Neid platzen. Denn im Grunde wäre fast jeder Autor – der gerne schreibt UND Geld verdienen will – happy, eine Serie schreiben zu können. Noch dazu die „Lindenstraße“, in der man viele Freiheiten und erzählerische Möglichkeiten hat. Entsprechend erfahre ich oft eher Respekt bei Kollegen.

Hast Du eigentlich eine bestimmte Tages- oder Nachtzeit, in der Du am liebsten schreibst…?° Oder setzt Du Dich meistens immer zur selben Uhrzeit zum Schreiben an Deinen PC…? Nach wieviel Stunden vor dem PC legst Du eine Pause ein…? Hast Du gleichzeitig mehrere Drehbücher in Arbeit…?°

Am Liebsten schreibe ich eigentlich morgens. Bzw. wenn ich morgens nicht sofort anfange und richtig reinkomme, wird es meistens ein nicht so erfolgreicher Tag. Bisher habe ich immer versucht, möglichst viele Stunden am Stück zu arbeiten – in der Regel von 9 bis 18 Uhr. Mit eher wenigen und kurzen Pausen. Aber da machen wir meine Kinder nun einen Strich durch die Rechnung, was ich ja im Blog schon einmal ausführlicher geschildert habe.

Gar nicht gerne arbeite ich abends. Der Abend ist für mich zur Entspannung da. Das war schon immer so, sollte auch nach Möglichkeit so bleiben. Ruhephasen, in denen ich oft genug ja auch noch gedanklich weiterarbeite, sind ein wichtiger Bestandteil der Autorentätigkeit. Früher in meiner WG war es ein Running Gag, dass ich auf dem Sofa lag und nichts tat. Wenn mein Mitbewohner dann reinkam und fragte, was ich da mache, sagte ich: „Ich arbeite.“ Und das war nicht gelogen!

Ich arbeite bei der „Lindenstraße“ immer an einer ganzen Drehbuchstaffel mehr oder weniger gleichzeitig. In den letzten Jahren waren das meistens zwölf Folgen am Stück (pro Halbjahr), die ich zwar in einem ersten Durchgang zunächst einmal nacheinander „aufschreibe“, aber das ist dann nur eine sehr grobe Fassung, mit der ich vor allem die Seiten füllen will. Es gibt nichts Schöneres, als die rund 600 Seiten im Computer zu haben – auch wenn dann die eigentliche Arbeit erst beginnt. Es kann zwar schon mal sein, dass eine Szene auf Anhieb hinhaut, aber manchmal steht da einfach auch nur „Blabla“ bei einem Dialog oder „muss ich noch recherchieren“ usw. Danach springe ich dann zwischen den Büchern hin und her. Meistens einer bestimmten Geschichte oder einer Figur folgend. Ich korrigiere hier, vertiefe da, ergänze, kürze usw. Ich vergleiche das gerne mit der Arbeit eines Bildhauers. Aus dem rohen Material meißle ich nach und nach das fertige Drehbuch. Andere Autoren arbeiten sicherlich anders, aber für mich macht das am Meisten Sinn.

 

So viel in dieser ersten Runde an Antworten. Den noch nicht beantworteten Fragen will ich mich in (naher oder ferner) Zukunft jeweils etwas ausführlicher widmen. Was niemanden daran hindern soll, weitere Fragen auf der entsprechenden Seite zu stellen …

 

Wer die Wahl hat …

Die meisten Leute finden es ja kurios, dass wir bei der „Lindenstraße“ am Abend der Bundestagswahl tatsächlich immer passend zum Ausgang der Wahl die Figuren diskutieren lassen. Wenn es ab 18 Uhr erste Hochrechnungen gibt, aber um 18:50 (oder meist etwas später) unsere Sendung kommt, ist das alles schon eingebaut. Auch die Wahlergebnisse, die unsere Lindensträßler in ihrem Fernseher betrachten, gleichen denen, die der Fernsehzuschauer kurz vorher in der Wahlsendung gesehen hat.

„Wie macht Ihr das?“ hör ich dazu immer wieder. Dabei ist DAS eigentlich der einfache Teil. Wir drehen halt mehrere Szenen – für jedes mögliche Szenario eine. Und das Reinschneiden der Wahlergebnisse? Technisch kein Problem. Es wird ein leerer Fernseher abgefilmt und das reale Ergebnis später reingestanzt. (Inhaltlich kann es allerdings auch mal tückisch werde – dazu später mehr.) Das eigentliche Problem für mich als Autor ist jedoch: woher weiß ich eineinhalb Jahre im Voraus, in welcher Woche die Wahl sein wird? Genau damit schlage ich mich zur Zeit herum. Gestern habe ich nämlich mit dem Schreiben der Wahlfolge für 2013 begonnen. Und es steht noch längst nicht fest, wann die Wahl sein wird. Heute will ich aber erst einmal ein wenig zurückschauen auf die Wahlfolgen, die ich selbst schon als Autor miterleben durfte.

Es begann direkt bei meiner ersten Storylinesitzung im Frühjahr 1997, bei der es die Bundestagswahl 1998 zu plotten galt. Damals haben wir die berühmte Wählt-Gung-Kampagne ersonnen. Eine der ersten Ideen der neuen Autorenrunde, die von der Möglichkeit, bei der „Lindenstraße“ mit Realität und Fiktion zu spielen, sehr fasziniert war. Und das Anliegen hatte, die nichtssagende Wahlwerbung vieler Parteien auf die Schippe zu nehmen. Die Handlung in der Wahlfolge 669 war dann auch eher nebensächlich. Ich weiß noch, wie stolz mein Autorenkollege Joachim Friedmann und ich waren, als wir damals in Berlin „echte“ Wählt-Gung-Plakate an Litfaßsäulen gesehen haben. Natürlich zierte eins davon auch für lange Zeit unsere WG. Bei der Wahl selbst wurde nach gefühlten hundert Jahren Kanzlerschaft Helmut Kohl abgewählt, was ich zwar nur SEHR indirekt als Erfolg unserer Kampagne verbuche – dennoch war es eine denkwürdige Bundestagswahl!

Noch denkwürdiger in Sachen „Lindenstraße“ war allerdings für mich persönlich die Wahl 2002. Nicht nur, weil ich zum ersten Mal selbst die Wahlfolge 877 geschrieben habe – mit dem Titel „Der Demokrat“ (und einem eher heiteren Strang mit Hans Beimer als Wahlhelfer). Sondern vor allem, weil ich live im WDR-Studio dabei war, als die Wahlergebnisse in die Folge geschnitten wurden. Das war nicht nur technisch interessant, sondern vor allem unfassbar spannend. Ich weiß nicht, ob sich alle noch an die Wahl 2002 erinnern: Noch am Wahlabend ging Edmund Stoiber davon aus, dass er die Wahl gewonnen hatte. Doch in der Nacht wurde Gerhard Schröder zum offiziellen Gewinner. Entsprechend knapp war die ganze Angelegenheit. Tatsächlich hatte Schwarz-Gelb in ersten Hochrechnungen vorne gelegen. Unsere Sendung sollte damals um 21 Uhr laufen und gegen 19:30, als wir die endgültige Entscheidung treffen mussten, welche Szenen-Variante wir nehmen, widersprachen sich die Hochrechnungen der einzelnen Fernsehsender. Eine völlig neue Situation. Eine Szene, in der der Wahlausgang ungewiss war, gab es nicht. Wir setzten auf Schröder und lagen damit richtig. Unserem flinken Cutter gelang es sogar noch, als Satz unter unseren Schlusstiteln Schröders „Mehrheit ist Mehrheit“ zu mischen. Selten war es so aufregend, die „Lindenstraße“ zu gucken wie an diesem Abend.

Bei der nächsten Wahl gab es dagegen ein ganz anderes, massives Problem: Sie fand ein Jahr früher statt als geplant. Wir hatten bereits eine Geschichte für die Wahl im Herbst 2006 geplottet, als Gerhard Schröder auf die glorreiche Idee von vorgezogenen Neuwahlen kam. Sie sollte nun plötzlich im Herbst 2005 stattfinden, also in einer Folge, die ich nicht nur bereits geschrieben hatte, sondern die auch noch kurz vor dem Dreh stand. Es ging um die Folge 1033 („Altweibersommer“), in der nun noch nachträglich die Wahl reingewurstet werden musste. Eine undankbare Aufgabe, insbesondere wenn der Platz nicht eingeplant ist und die vorhandenen starken emotionalen Geschichten nicht allzu sehr beschnitten werden können. Hinzu kommt, dass Wahlfolgen anders als normale Folgen immer an einem Sonntag spielen, also die gesamte Handlung von einem Wochentag auf einen Sonntag verändert werden musste – was einiges durcheinander wirbelt. Leute, die bei der Arbeit sind, sind nun zu Hause. Geschäfte haben nicht geöffnet usw. Und für all diese notwendigen Änderungen blieben nur wenige Tage Zeit. Entsprechend unglücklich war ich mit dem Endergebnis.

Viel zufriedener war ich dann wiederum vier Jahre später, als wir bei der Wahl 2009 erstmals das Schicksal einer Figur direkt mit dem Wahlergebnis verknüpft haben. Indem Klaus Beimer einen kritischen Artikel über die fiktive Bundestags-Kandidatin Kerner schreibt, beeinflusst er das Wahlergebnis im entsprechenden Wahlkreis – die Kandidatin verliert seinetwegen. Auch hier spielten wir also wieder ein wenig mit Realität und Fiktion. Für meine entsprechende Folge 1243 („Matthias Steinbrück“) bastelten wir uns sogar einen eigenen Videotext mit dem Ergebnis des Wahlkreis „Müchen II“ – den es natürlich gar nicht gibt. Und auch ein altes Wählt-Gung-Plakat fand den Weg in die Folge. Der Kreis schloss sich.

Und jetzt also 2013. Die Geschichte dafür steht natürlich längst. Aber wie es scheint, ist der Termin noch Gegenstand von diversen Diskussionen und wird so schnell nicht genau festgelegt. Mein Pech. Aber auch DAS werden wir irgendwie in den Griff bekommen …

It’s the end of the Urheberrecht as we know it and I feel fine

Wenn ich in einem Drehbuch zeigen will, dass eine Figur nicht über ihre wirklichen Gefühle spricht, dann lass ich sie manchmal besonders vehement und emotional auf etwas pochen, um das es eigentlich gar nicht geht. Genau so kommt mir die aktuelle Debatte zum Urheberrecht vor. Auf beiden Seiten.

Mit regelmäßiger Verwunderung lese ich eine Schärfe in Texten und Diskussionen, die mir einfach nicht angebracht scheint. Da gibt es ein Manifest, das von Diebstahl, Geiz und Gier redet, den offenen Brief einiger Kollegen vom „Tatort“, der ungewöhnlich aggressiv der anderen Seite „Lebenslügen“ um die Ohren haut, da gibt es Wutreden, hinkende Vergleiche im Feuilleton, sogar der Außenminister meldet sich kritisch zu Wort.

Die „andere Seite“ ist aber auch nicht viel besser. Bereits der Urheberrecht-Abschnitt im Parteiprogramm der Piraten ist ungewöhnlich scharf formuliert (und gleichzeitig doch unscharf – ein interessantes Paradoxon). Und wenn man sich dann die Kommentare von „Urheberrechtskritikern“ zu jeglichem Beitrag eines Urhebers  anschaut, geht es selten ohne Beleidigung und Aggressionen gegen Kreative vonstatten. Man nennt es wohl Shitstorm. Bisheriger Gipfel der Kontrakontrarevolution: Die Androhung protestierende Urheber zu „doxen“, ein niedlicher Begriff für Mobbing. Sachlich und offen ist was anderes.

Aber welche „wahren Gefühle“ verbergen die Kontrahenten nun durch ihr lautes Getöse? Ist es so profan, dass es in Wahrheit wirklich nur ums Geld geht? Die einen haben Angst um die Bezahlung ihrer Arbeit, die andere wollen umsonst Musik hören, Filme gucken, Bücher lesen? Das wäre natürlich ein bisschen traurig. Sehr viel mehr habe ich bisher allerdings nicht gefunden. Dabei ist es ja noch nicht einmal so – wie Christian Stöcker in diesem Beitrag sehr gut skizziert – dass das Ende des Urheberrechts unmittelbar bevorsteht oder Millionen User Hunger leiden, weil sie zu viel für den „Content“ ausgeben müssen. Ist es am Ende also nur ein riesiges Missverständnis, weil hier zwei Gruppen aufeinanderstoßen, die so unterschiedlich sind und nicht besonders viele Berührungspunkte habe? Was bedenklich ist, sollten doch die einen das Publikum der anderen sein. Ich weiß nicht, was dabei irrwitziger ist: Dass Künstler ihr Publikum beschimpfen oder dass Zuschauer/Hörer/Leser die Macher ihrer Lieblingswerke dissen.

Nun bin ich ja Beides. Ich bin Urheber von über hundert Stunden fiktivem Fernsehprogramm. Und ich lade illegal Content aus dem Internet runter, weil ich die bestehende Rechtslage beknackt finde. Ja, dazu bekenne ich mich. Angesichts eines Schrankes gefüllt mit gekauften DVDs im Wert von mehreren tausend Euros habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich neue amerikanische Serien runterlade, die in den USA kurz nach Ausstrahlung frei verfügbar im Netz stehen – hier aber erst Monate oder Jahre später zu kaufen sind. Ich bin ja bereit zu bezahlen und tue dies auch, wann immer ich darf. Aber die Industrie macht mir das Leben schwer. Sie verpennt hier seit Jahren die technischen Entwicklungen. Und ich würde mich nicht wundern, wenn einige der Kollegen, die sich jetzt aufregen, ähnlich mit der „Recherche“ verfahren. Ganz sicher aber bin ich nicht der einzige Drehbuchautor, den es unglaublich nervt, wie viele Rechteprobleme man beim Schreiben seiner Geschichten hat, auch wenn man nur etwas zitieren oder einen Ausschnitt aus einem populären Film einbauen will. Und dass meine Figuren nicht mal „Happy Birthday“ singen dürfen, weil das zu teuer ist, finde ich schon absurd.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich will als Urheber meiner Geschichten gewürdigt und bezahlt werden. Und ich halte das Urheberrecht an-für-sich für ein wesentliches Merkmal einer zivilen Gesellschaft. Aber dass wir über die Ausgestaltung reden müssen, ist doch bei den technischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre offensichtlich, oder? Warum können wir das nicht etwas entspannter tun?

Fundiert kann ich erst einmal nur über die Zukunft für mich als Drehbuchautor reden – also über das Film- und in meinem Fall besonders das Fernsehgeschäft. Letzteres – und das ist keine Breaking News – wird sich in den nächsten Jahren fundamental verändern. Wir sind ja schon unterwegs. Das hat nicht nur (aber auch) mit technischen Veränderungen zu tun, sondern ist leider in vielen Punkten auch hausgemacht. Malte Welding hat in diesem Beitrag wunderbar beschrieben, was das Problem ist: Das Fernsehen latscht inhaltlich geradewegs in die Bedeutungslosigkeit. Von daher wäre es aus Autorensicht doch klüger und passender (weil kreativ), sich nicht mit Maßnahmen zur Verbarrikadierung des bestehenden Contents zu beschäftigen, sondern nach neuen erzählerischen Wegen zu suchen. Im Internet, mit Apps oder ganz woanders. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir noch nicht ansatzweise die Möglichkeiten ausgeschöpft haben, die das Internet erzählerisch bietet. Autoren können hier zu Pionieren werden. Gibt es etwas spannenderes, als bei etwas ganz neuem von Anfang an dabei zu sein?

Und das Geld für die Künstler? Klar müssen wir darüber reden, wo das in Zukunft herkommen soll. Keiner kann ernsthaft wollen, dass Künstler nur noch in ihrer Freizeit kreativ sein dürfen. Was nebenbei gesagt im Film- und Fernsehbereich beim durchschnittlichen Aufwand einer Produktion überhaupt nicht gehen würde. Hier habe ich genauso wenig Patentlösungen wie alle anderen. Aber wenn ich sehe, dass sich ganze TV-Sender fast ausschließlich durch Werbung finanzieren, muss man mit dem Suchen nach Lösungen ja zumindest nicht bei Null anfangen. Sicher muss man hier ganz neue Formen der Werbung ausprobieren, vielleicht muss man hier auch Kröten wie massives Product Placement schlucken, aber ich bin davon überzeugt, dass etwas, das viele sehen, hören oder lesen wollen, immer auch Möglichkeiten bietet, damit Geld zu verdienen.

Gleichzeitig muss es wieder mehr Respekt vor der Arbeit eines Künstlers geben und auch vor ihm als Mensch. Dass sich bei jeder kritischen bzw. verunsicherten Stimme eines bekannten Künstlers zum Thema Urheberrecht immer einer findet, der gerade diesen Künstler sowieso beknackt, untalentiert und/oder überholt findet, ist dem Thema nicht angemessen. Wenn man dafür kämpft, „Werke frei verfügbar“ zu machen, dann doch wohl hoffentlich, weil man die Werke schätzt. Alles andere wäre niederträchtig.

In einem (zugegebenermaßen nicht besonders originellen) Drehbuch würde ich die Kontrahenten mit den achso unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Positionen gemeinsam im Aufzug feststecken lassen. Am Besten übers Wochenende. Wo sie dann zwangsläufig ihre wahren Gefühle und Verletzungen offenbaren müssen und am Ende feststellen, dass sie a) gar nicht so weit auseinander sind und b) nur gemeinsam zu einer vernünftigen Lösung kommen werden. Ich weiß: in der Realität ist es nicht ganz so einfach. Aber, hey, ein gutes Ende für einen Film zu finden, ist immer der schwierigste Teil der Arbeit …

Cool

Am Vatertag waren wir mit unseren Kindern in dem neuen Park am Gleisdreieck. Ist ganz schön geworden. Da gibt es auch ein Areal für Skater. Als wir da vorbeikamen, wirkte mein 2-jähriger Sohn plötzlich wie hypnotisiert. Er war überhaupt nicht mehr von den Halfpipes – oder wie auch immer man die Dinger nennt – wegzubekommen, saß trotz kühlem Wind wie angewurzelt in seinem Buggy und fragte: „Machen die Männer da“? Er meinte in dem Moment zwar ein paar 14-jährige, aber Männer waren auch dabei. Und ich musste mal wieder feststellen, dass Skater Verfallsdaten haben. Mir gefiel der Look ja schon nicht, als ich noch Teenager war. Aber mit 35 sehen Baseballmützen und Labberhosen, die so tief hängen, als ob man einen Haufen reingemacht hätte, echt beknackt aus. Dachte ich gerade noch so, als ich dieses Glänzen in den Augen meiner Frau sah, während sie erzählte, wie cool sie früher Skater fand. Ich erinnerte mich: die meisten Mädels – zumindest die, die damals von Interesse waren – sahen das ähnlich.

Erinnerungen an blankes Unverständnis kamen in mir hoch. An die alles entscheidende Frage für einen Teenager: „Warum wollen die Mädchen die anderen, aber mich nicht?“ Retrospektiv betrachtet kann man nun mit gesicherter Erkenntnis sagen: ich war nicht cool.  Ich beschloss, dass das MEINEM Sohn nicht passieren würde. Er soll es mal besser haben als ich! Gut, ich hab dann doch noch eine 1A-Frau abbekommen, aber mein Gott, was musste ich dafür kämpfen (=Texte schreiben!) und was wäre mir in der Pubertät alles erspart geblieben, wenn ich das nötige Rüstzeug gehabt hätte. Sprich: ein bisschen Input seitens meiner Eltern in Sachen Coolness. Ich will da jetzt im Nachhinein niemandem Vorwürfe machen, aber alles, was ICH in Sachen populärer Kultur mitbekommen habe, war die Heranführung an „Mainz, wie es singt und lacht“. Oh, und man hat mir Skat spielen beigebracht. Damit konnte ich aber nun wirklich nicht punkten. (Obwohl ich also immerhin skaten konnte – hihi!)

Was kann ich aber nun für meinen Sohn tun? In Sachen Skateboard kann ich ihm nicht weiterhelfen. Ich hab vor ein paar Jahren mal versucht, Snowboarden zu lernen. Das war nicht lustig. Gott sei Dank war die Unterlage Schnee und nicht Asphalt. Überhaupt sollte man in meinem Alter von sportiven Sachen eher Abstand nehmen, wenn man sich ein „Papa, du bist peinlich“ ersparen will.

Irgendwas mit Computern? Ich weiß nicht. Mein Sohn gehört offensichtlich zu einer Generation, für die die heutigen „Digital Natives“ ungefähr so modern sein werden, wie für mich die Hippies. Der Kleine war gerade mal ein Jahr alt, als er sich mein iPhone geschnappt und die Sperre überwunden hat. Ohne dass ihm das jemand erklärt hätte. Mittlerweile hat er mehr Apps als ich. Bei ihm trifft der Satz „A magazin is an iPad that doesn’t work“ voll und ganz zu. Aber das ist sicher nichts, was ihn von anderen unterscheiden wird oder cool macht. Und seien wir ehrlich: spätestens in zehn Jahren erklärt ER MIR, wie ich den Milchmengenerkenner im Kühlschrank installiere. Ich werde ihm nicht helfen können.

Was sonst? Ihn mit aus meiner Sicht cooler Musik, Büchern oder Filmen zu impfen, kann deutlich nach hinten losgehen. Ich glaub, meine Eltern fanden „Mainz, wie es singt und lacht“ damals auch ECHT witzig. Bei Klamotten muss ICH ja immer noch von meiner Frau ausgestattet werden, um ernsthaft was herzumachen. Da ist er mit ihr sowieso auf der sicheren Seite. Gibt’s denn gar nichts, was ich an Coolness weitergeben kann? Muss ich am Ende mir selbst in den Rücken fallen und ihm das Rauchen beibringen?

Als wir meinen Sohn nach gefühlten zwei Stunden Skater gucken (nur mit dem vehementen Verweis auf den Kuchen von Mr. Minch, den wir kaufen wollten) nach Hause gebracht hatten, versank er für eine Weile in seiner Legowelt, während ich an dem richtigen Weg zur Coolness verzweifelte. Schließlich kam er zu mir mit einem kreativ zusammengesetzten Gebilde aus Legosteinen. „Geschenk für Papa“, erklärte er mir. Weil doch „Papatag“ ist. Er war von ganz alleine darauf gekommen, gab mir noch ein Küsschen dazu und ich stellte gerührt fest: der Junge IST bereits cool.  Saucool. Zumindest aus meiner Sicht. Und wenn man mal genau drüber nachdenkt: die Mädels, die damals von Interesse waren, sind heute doch sowas von uncool …

Der Anruf aus Hollywood

Mein Anfang bei der „Lindenstraße“ – Teil IV

Zum besseren Verständnis sollte man erst die anderen drei Teile lesen. Man findet sie unter dem Schlagwort „Anfang„. 

Gott sei Dank hatte ich Semesterferien. Zwar sollte ich in denen meinen anstehenden Kurzfilmdreh an der Filmakademie vorbereiten, aber Schlaf wird gemeinhin sowieso überschätzt. Dachte ich zumindest damals – als zweifacher Familienvater würde ich das heute anders sehen. Es ist mir tatsächlich ein Rätsel, wie ich das damals alles parallel geschafft habe. Aber es ging natürlich auch um etwas!

Für die zweite Runde Probedrehbücher der „Lindenstraße“ quartierte ich mich in Köln bei meiner Freundin ein, um jede Minute nutzen zu können. Denn ich hatte ein ehrgeiziges Ziel. Eigentlich war es bereits ziemlich viel Arbeit, innerhalb der vorgegebenen Woche, ein Drehbuch zu überarbeiten UND eins neu zu schreiben, aber ich wollte nun auch noch einen Tag früher abgeben. Ich wusste nämlich, dass Geißendörfer am Abgabetag zu einer Reise nach Kalifornien aufbrechen würde. 1997 war Mailen noch etwas sehr exotisches –  ich musste die Drehbücher stets in dreifacher Ausfertigung ausgedruckt abgeben. Also war geplant, Geißendörfer die Bücher (mit entsprechender Verzögerung) in irgendein Hotel in den USA zu faxen. Was nicht gerade entspannt klang. Wäre es da nicht netter, dass er die Bücher von mir schon mit auf den Flug bekommt?

Bis heute erzählt Geißendörfer immer wieder, dass ihn damals genau das beeindruckt hat: Ich war schnell! Hinzu kam, dass ich offensichtlich auch gut im Überarbeiten war. Für einen Serienautor sind beides keine unwichtigen Fähigkeiten, die mich auch später noch ein paar Mal „retten“ sollten. Denn meine ersten Drehbuchfassungen hatten gerne mal Mängel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun arbeitete ich also wie ein Wahnsinniger an den beiden Drehbüchern. Neben der zu überarbeitenden Folge 627, musste ich auch Folge 628 schreiben. Darin verprügelt der großartige Egon Kling seinen eigenen Sohn, als er die Wahrheit über Marys Abschiebung erfährt. Mit Ringen unter den Augen brachte ich die fertigen Drehbücher – dreifach ausgedruckt – höchstpersönlich nach Bocklemünd, wo sie dem Meister in sein Handgepäck gelegt wurden. Puh!

Dann begann die Zeit des Wartens. Geißendörfer war nun erst einmal einige Wochen in den USA unterwegs. Es konnte also dauern. Und es gab hatte genügend andere Sachen zu tun, die ich hatte stehen und liegen lassen. So rechnete ich noch gar nicht mit DEM Anruf, als nach wenigen Tagen sehr früh morgens das Telefon klingelte. Ich schlief noch und ging nicht dran. Im Halbschlaf hörte ich eine tiefe, grummelige Stimme, die auf den Anrufbeantworter sprach. War das etwa … ? Kann es sein, dass … ? Ich eilte zu dem Gerät und spielte die Nachricht sofort ab. Sie begann mit: „Das ist jetzt der Anruf aus Hollywood …“ Und das war kein Witz. Geißendörfer war just an diesem Tag tatsächlich in Hollywood. So werden Träume wahr.

Die Nachricht auf dem AB sollte mein Leben nachhaltig verändern, wie kaum ein Ereignis davor und nur wenige später es getan haben. Ich lief voll Adrenalin gepumpt wie ein kleines Kind freudig auf und ab und hörte immer wieder Geißendörfers Bitte, mich doch bei der Produktion in Köln zu melden, um „über meinen Vertrag zu verhandeln“. Damit konnten dann meine „ein oder zwei Jahre“ bei der „Lindenstraße“ beginnen …

Das Probedrehbuch

Mein Anfang bei der „Lindenstraße“ – Teil III

Probedrehbücher bei der „Lindenstraße“ schrieb man damals nach einem festen Muster – quasi unter vorgetäuschten realen Arbeitsbedingungen. Ich bekam an einem Freitag im Januar 1997 die Storylines für eine bestimmte Folge. Genau gesagt waren es die Lines für die Folge 627 – Marys Abschiebung nach Nigeria durch Olaf Kling. Für die Folge gab es schon ein fertiges „echtes“ Drehbuch. Aber sie war noch lange nicht ausgestrahlt – ich konnte mich also auf die Handlung nicht vorbereiten oder irgendwas „abgucken“. Zur Orientierung bekam ich noch die Geschichten aus den Folgen davor und dann ging es los: Ich hatte exakt eine Woche Zeit – bis Freitag 12:00 Uhr – um aus sechs Seiten Storylines ein 50-seitiges Drehbuch zu machen.

Zumindest mit der Abschiebung hatte man mir einen kleinen Gefallen getan, denn ich war damals bei amnesty international aktiv und mit der Thematik vertraut. Ich konnte sogar kleinere Fehler in den Vorgaben beheben. Und mich ohne lange Recherche an die Arbeit machen. Natürlich arbeitete ich in jeder freien Minute – knapste mir so viel Zeit wie möglich von meinem Studium ab. Wo man solch eine Chance Gott sei Dank wohlwollend begleitete. Alles andere wäre auch Quatsch gewesen, denn nie habe ich mehr gelernt als während meiner Anfangszeit bei der „Lindenstraße“. Vor allem aber verliebte ich mich regelrecht in die Vorstellung, seriell zu schreiben. Was sind schon 90 Minuten Film gegen die Möglichkeit, das Schicksal von 40 Figuren über Jahre zu bestimmen? Einen fiktiven Charakter so mit Leben zu fühlen, dass die Zuschauer ihn nicht mehr von der Realität unterscheiden können (was damals wie heute keine Seltenheit bei der „Lindenstraße“ ist)? Dass den gebeutelten Figuren dabei unrealistisch viele Schicksalsschläge aufgelastet werden, verstand ich längst: Das ist doch der Spaß bei der Sache. Sonst kann man ja Dokumentarfilmer werden. Entsprechend lustvoll schrieb ich also Marys Abschiebung nach Afrika. Pünktlich lieferte ich das Drehbuch ab – ohne einen blassen Schimmer, ob es wirklich gut war.

Es war … so lala. Zumindest war das mein Eindruck bei meinem zweiten Termin mit Geißendörfer in Köln, nachdem er mir meine Fehler aufgezeigt hatte. Diesmal wusste er sehr genau, wer ich bin. Wie fast alle Anfänger hatte ich mich viel zu eng an jedes Wort aus den Storylines geklammert, kaum gezeigt, was ich selbst an Ideen drauf habe. Und ich war zu unemotional. Also: meine Szenen. Eigentlich konnte man das alles so nicht gebrauchen. Wieder einmal saß ich da und wusste nicht, was seine Aussage zu bedeuten hat. War’s das? Nein, im Gegenteil. Plötzlich fragte er mich, ob ich im Mai an zwei bestimmten Wochen Zeit hätte. Rein theoretisch. Dort sollte nämlich die nächste Storylinesitzung der „Lindenstraße“ stattfinden. Von den Sitzungen hatte ich schon gehört – ich hätte meinen rechten Arm gegeben, um bei solch einem Kreativcamp dabei sein zu können. Egal ob ich Zeit hatte oder nicht. Eigentlich hatte ich keine Zeit, weil ich an der Filmakademie einen Kurzfilm drehen sollte, aber das war jetzt nicht wichtig. Wichtiger war die Frage: Es gab doch Autoren?! Tja, da seufzte Geißendörfer. Offensichtlich hatten die beiden Autorinnen Straub und Borger sich von der „Lindenstraße“ verabschiedet, um sich voll und ganz auf ein anderes Projekt konzentrieren zu können. Eine wöchentliche ARD-Serie namens „City Express“ …

Ich war also zur rechten Zeit am rechten Ort. Geißendörfer stellt ein neues Autorenteam zusammen. Und ich gehörte plötzlich zu dem Duzend Probanden, das in Frage kam. Dazu sollte ich allerdings mein Probedrehbuch noch einmal überarbeiten. Und ein zweites schreiben. Und zwar möglichst sofort. Mit wieder nur einer Woche Zeit. Für beides. Geht das? Geißendörfer wusste offensichtlich, dass er einem Anfänger eine Menge abverlangte, aber er stand nun unter einem gewissen Zeitdruck. Ich sagte zu. Natürlich.

(Wie es weiterging dann morgen Abend im vierten und letzten Teil.)

(Wer so lange nicht warten will, kann mehr über meinen Einstieg bei der „Lindenstraße“ und meine sonstige Arbeit auch in einem sehr schönen Audio-Interview von Julian Schlichting hören, das seit heute auf dem Sprechplanet zu hören ist!)

Der Termin

Mein Anfang bei der „Lindenstraße“ – Teil II

Wie bewirbt man sich als Autor für die „Lindenstraße“? Besonders, wenn man gerade mal 24 ist und noch nicht so wahnsinnig viele Drehbücher oder sonstwas geschrieben hat. Ich schickte einfach das, was ich im ersten Studienjahr an der Filmakademie Baden-Württemberg erarbeitet hatte – ein Treatment für einen mittellangen Film mit dem Namen „Rosas Reise“. Darin geht es um eine junge Frau, die in einer ostdeutschen Kleinstadt verhindern will, dass die örtliche Rosa-Luxemburg-Statue nach der Wende abgerissen wird. Außerdem legte ich einen (noch recht kurzen) Lebenslauf bei, in dem ich betonte, dass ich zwei Jahre in einer echten Lindenstraße gewohnt hatte – in Köln nämlich. Das schien mir besser als gar nichts.

Im Dezember 1996 kam dann ein Brief von der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion. Diktiert von Hans W. Geißendörfer. Der ging ungefähr so: „Lieber Herr Meisheit, mit dem, was Sie mir da geschickt haben, kann ich zwar nicht allzu viel anfangen, aber es zeigt zumindest, dass Sie Humor haben. Machen Sie doch mal einen Termin mit meiner Sekretärin aus.“ Mehr stand nicht drin. Aber doch, ja, das war ein Grund zu jubeln. Ich hatte schließlich einen Termin mit einem der wichtigsten Produzenten in Deutschland. Oder?

Die Weihnachtszeit war für mich „Lindenstraße“ von oben bis unten. Damals war das Internet noch nicht das, was es heute ist, und meine technische Ausstattung eher bescheiden, so dass ich mir recht aufwendig eine CD-ROM (!) und einen Computer, der sie lesen konnte, besorgen musste,  um die nicht bekannten Jahre der „Lindenstraße“ aufarbeiten zu können. Wohlgemerkt: Als Text! Mehr gab es damals noch nicht. Immer mehr realisierte ich, welch kreative Herkulesaufgabe eine solch langlaufende und komplexe Serie ist – erstmals kam mir der Gedanke, dass Serien und insbesondere die „Lindenstraße“ vielleicht doch nicht zweite Wahl sein sollten für meine Arbeit als Drehbuchautor. Natürlich schaute ich auch alles, was ich an Folgen irgendwo kriegen konnte und meine Freundin impfte mich mit ihrem Wissen über die Serie. Ich wollte auf keinen Fall ahnungslos dastehen bei dem Termin in den heiligen Hallen in Bocklemünd. Als dieser Anfang 1997 kam, war ich bestens vorbereitet. Nur nicht auf das, was kam.

Es war ein Freitag. Und die damalige Sekretärin von Geißendörfer arbeitete freitags nur halbtags. Mit ihr hatte ich den Termin ausgemacht. Empfangen und zum großen Produzenten geleitet wurde ich von keine-Ahnung-von-wem. Da stand ich dann also in dem bekannten winzigen Container-Büro vor Hans W. Geißendörfer und er fragte mich freundlich: „Und? Was wollen Sie hier?“ Er hatte keine Ahnung, wer ich war. Was ich bei ihm wollte. Und wenn er sich an meine Bewerbung erinnert hat, dann hat er es gut überspielt. Er plauderte dann ein wenig mit mir über Gott und die Welt. Ich erinnere mich vor allem an eine Anekdote über eine Aufzugfahrt mit Theo Waigel, der damals noch Finanzminister war. (Ja, SO lange ist das her!) Es ging um alles, nur nicht um die „Lindenstraße“ und mein so fleißig erlerntes Wissen. Ach, doch, er erwähnte noch, dass sie wirklich keine Autoren für die „Lindenstraße“ brauchen. Denn sie haben ja welche. Logisch. Das Gute an dieser völlig unerwarteten Situation war: Ich entspannte mich. Was konnte ich verlieren? Ich plauderte mit. Lächelte nett. Sah mich schon unverrichteter Dinge nach Hause fahren.

Doch das Gespräch war nicht so harmlos, wie ich es dachte. Irgendwie hatte sich mein Gegenüber sehr wohl ein Bild von mir gemacht. Denn plötzlich fragte Geißendörfer, ob ich nicht mal ein Probedrehbuch schreiben möchte. Probedrehbuch? Für die „Lindenstraße“? Bei der keine Autoren gebraucht werden? Das fragte ich natürlich nicht, sondern ich nickte euphorisch. Egal, ob es sinnvoll war oder nicht. Diese Erfahrung würde Gold wert sein! Und sie war tatsächlich auch Geld wert – den man wurde für das Probedrehbuch bezahlt. Was nicht nur außergewöhnlich ungewöhnlich im Fernsehgeschäft ist, sondern auch mein erstes mit Schreiben verdientes Geld sein würde. Und die Aussicht war immerhin, bei Gefallen als Reserveautor fortan in der Hinterhand von Geißendörfer zu leben oder vielleicht mal für eins seiner anderen Projekte in Frage zu kommen. Ich schwebte wie auf einer Wolke aus dem kleinen Büro. Und wartete sehnsüchtig auf den Startschuss für das Probedrehbuch.

(Darüber dann alles in Teil III. Morgen Abend.)